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Für Stephan Schröck erfüllte sich zum Abschied ein Traum

Beim "Kleeblatt" war er in den letzten Jahren eine tragende Säule einer starken Mannschaft - 29.05.2012 07:00 Uhr

FÜRTH  - Es ist für die SpVgg Greuther Fürth ein historischer Schritt: Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hat die aktuelle Mannschaft ein Ziel erreicht, dem man beim "Kleeblatt" eineinhalb Jahrzehnte lang vergeblich hinterhergerannt war. Mit einem Portrait von "Urgestein" Stephan Schröck endet unsere kleine Serie über die Spieler, die diesen Traum realisiert haben.

Meist war Stephan Schröck vorne links unterwegs, aber auch hinten rechts half der aus, wenn Not am Mann war.
Meist war Stephan Schröck vorne links unterwegs, aber auch hinten rechts half der aus, wenn Not am Mann war.
Foto: Sportfoto Zink
Meist war Stephan Schröck vorne links unterwegs, aber auch hinten rechts half der aus, wenn Not am Mann war.
Meist war Stephan Schröck vorne links unterwegs, aber auch hinten rechts half der aus, wenn Not am Mann war.
Foto: Sportfoto Zink

Es gibt Spieler, an die wird man sich noch lange erinnern. Stephan Schröck gehört zweifellos dazu. Der kleine Wirbelwind, der so gerne das Gardemaß von 1,70 Meter überschreiten würde und dabei in Interviews schon mal um einen halben Zentimeter feilscht, verkörperte die Spielvereinigung mit seiner erfrischend offenen Art viele Jahre lang.

Er avancierte zum Publikumsliebling, weil er die Sprache der Fans wie sonst kaum jemand beherrschte. „Schröcki“ wusste ganz genau um Stimmungen und Gefühle, sein Herz schlug in der Kurve. Gewannen die Fürther im Ronhof, stürmte er auf den Zaun, schnappte sich ein Megafon und gab den gefeierten Einpeitscher. Dass er künftig in Hoffenheim seine ganz eigene Interpretation eines offensiven Verteidigers einbringen wird, war für nicht wenige ein Schock.

Nach seinem angekündigten Abschied blieb die Nordkurve fortan eine Tabuzone, auch wenn ihn Trainer Mike Büskens am liebsten zu einer Aussöhnung mit den Anhängern verdonnert hätte. Aber Schröck hatte, um in seinem sprachlichen Duktus zu bleiben, regelrecht Schiss. Davor, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden, als Verräter, als geldgeiler Söldner, der die Heimat und alle, die an ihn glaubten, nach elf gemeinsamen Jahren für ein pralles Bankkonto verlässt. Für ihn selbst war es „die schwierigste Entscheidung meines Lebens“, betonte er immer wieder, und wer ihn genauer kennt, kann das nachempfinden.


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Herbert Ehrhardt, Karl Mai, Georg Kießling: Allesamt sind sie Fürther Fußball-Legenden, wurden Meister oder Weltmeister, bestritten hunderte Spiele für das Kleeblatt. Am Montagabend haben sie Gesellschaft bekommen, von Mergim Mavraj, Sercan Sararer und Co. Von Spielern, die zu Aufstiegshelden wurden und eine ganze Stadt in Ekstase versetzten. Sie sind Fürther Fußball-Legenden der Neuzeit.

Schröck wuchs in einfachen Verhältnissen in Schweinfurt auf, der Fußball ist die große Chance seines Lebens. Er will und muss sich das Woche für Woche beweisen, weil er anfangs den Bonvivant mimte und dabei war, sein Talent zu verschleudern. Spät, aber nicht zu spät, hat er erkannt, was in ihm steckt. In Fürth wurde er sportlich gesehen groß, was nicht wenige Trainer allerdings viele Nerven kostete.

Beim „Kleeblatt“ war er in den letzten Jahren längst eine der tragenden Säulen einer starken Mannschaft, als die Philippinen auf ihn aufmerksam wurden. Für den Inselstaat, das Heimatland seiner Mutter, die ihre eigenen Bedürfnisse immer denen des kleinen Stephan unterordnete, spielt er inzwischen erfolgreich. Als einziger Bundesligaprofi genießt er bei den Einheimischen schon nach wenigen Auftritten Heldenstatus. Dass die „Azkals“ im internationalen Vergleich allenfalls drittklassig sind, war für Schröck nie wirklich von Belang. Der kleine Kämpfer hat ein großes Herz.

„Ich werde mich in den letzten Wochen für die Spielvereinigung zerreißen“, kündigte der 25-Jährige kurz nach der Bekanntgabe seines Wechsels an und ließ den großen Worten auch Taten folgen. Wegen einer hartnäckigen Knieverletzung schluckte er vor den Spielen Schmerztabletten wie Bonbons. „Ich hab’ ja zwei Knie“, kalauerte er im besten „Schröckisch“, wenn er unter der Woche ein Bein nachzog, bei den Spielen aber immer Vollgas gab. Das war das Mindeste, was er Fürth zurückgeben wollte. „Seinem Verein“, wie er seine Verbundenheit nicht selten betonte.


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"Alle Blumen blühen, alle Blumen blühen, nur das Fürther Kleeblatt nicht", heißt es desöfteren in der Nachbarstadt. So sehr das auch stimmen oder nicht stimmen mag, beim Bäumepflanzen ist Fürth in jedem Fall erfolgreich und huldigt damit seinem sportlichen Aushängeschild.

Dementsprechend stolz war der Flügelflitzer, der mit Übersteigern im Millisekundenbereich, stakkatoartigen Dribblings und pfeilschnellen Drehungen vorne links bestach, auf diesen, auch seinen Traum, den er mit der Spielvereinigung realisierte. „Von diesem Moment kannste noch deinen Enkeln erzählen“, jubilierte er, nachdem die „Unaufsteigbaren“ aufgestiegen waren.

Stephan Schröck wird Fürth nicht vergessen, und Fürth wird Stephan Schröck nicht vergessen. Ein Andenken wird er ohnehin immer bei sich tragen: Seine Frau Pilar erwartet einen Jungen, sie ist im fünften Monat schwanger. Im Dezember hatte die Spielvereinigung beim Erzrivalen 1.FC Nürnberg im Pokal-Achtelfinale gewonnen – „ein Derbysiegerbaby“, frohlockte Schröck... 

Florian Pöhlmann


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Gründungsdatum:
23.09.1903
Mitgliederzahl:
2550


Kurzbeschreibung:
Die Spielvereinigung Greuther Fürth feierte als Fußballverein ihre größten Erfolge in der Vereinsgeschichte mit drei deutschen Meistertiteln in den Jahren 1914, 1926 und 1929 als SpVgg Fürth. Nach dem 2. Weltkrieg konnte die Spielvereinigung jedoch nie wieder an die großen Erfolge anknüpfen und sich folglich auch nicht für die 1963 gegründete Bundesliga qualifizieren.
Mit dem Sturz bis in die Landesliga versank der Traditionsverein in den 80er Jahren endgültig in der Bedeutungslosigkeit. Aufwärts ging es erst wieder 1994, als die Qualifikation für die neu gegründete Regionalliga gelang. Zwei Jahre später trat die Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth der SpVgg bei. Seitdem gehören die Geldsorgen der Vergangengeit an, der traditionsreiche Name SpVgg Fürth wurde durch den Zusatz Greuther ergänzt.
Seit 1997 spielte die Spielvereinigung ununterbrochen in der 2. Bundesliga, bis im Mai 2012 endlich der ersehnte Aufstieg in die Bundesliga gelang. Dort allerdings blieb der Erfolg aus, so dass Fürth in der Saison 2013/2014 wieder im Unterhaus antreten muss. Seine Heimspiele trägt der Verein, der im Volksmund "Kleeblatt" genannt wird, dann wie gewoht im altehrwürdigen Ronhof aus. Ein geplanter Stadionneubau am Rhein-Main-Donaukanal hat sich Ende 2012 zerschlagen.


Deutscher Meister: 1914, 1926, 1929


Der Kleeblatt-Kader in der Saison 2012/13
Galerie Kader SpVgg Greuther Fuerth 2012/13