Dabei hat sich "Rahner", wie der semmelblonde Hamburger im Ronhof nur gerufen wird, absolut nichts zuschulden kommen lassen. Der 31-Jährige absolvierte eine exzellente Vorbereitung, trat auf dem Platz selbstbewusst auf und versuchte mit seiner Erfahrung aus 117 Spielen im Fußball-Oberhaus den vielen, jungen Kollegen ein Vorbild zu sein.
Wie schnelllebig der Fußball tatsächlich sein kann, musste der Routinier jetzt erleben. Nur ein schwaches Spiel reichte, um sämtliche positiven Aspekte nach seiner langwierigen Knieverletzung wieder in den Hintergrund treten zu lassen. Tatsächlich hatte er beim 2:1-Duselsieg in der ersten Pokalrunde gegen einen starken Braunschweiger Rechtsaußen häufig das Nachsehen gehabt, einigermaßen überraschend war es dann aber doch, dass Rahn keine Bewährungschance erhielt und zuletzt beim Ligastart gegen Karlsruhe auf der Bank Platz nehmen musste.
Doch damit nicht genug. Als Leo Haas mit einem Muskelriss, der ihn noch zehn Tage lang beschäftigen wird, ausschied, rückte Rahn-Vertretung Edgar Prib in die Zentrale. Links hinten durfte aber Rechtsverteidiger Kim Falkenberg ran: Ein Schlag ins Gesicht für Rahn, den das Trainergespann obendrein noch minutenlang warmlaufen ließ. Man hatte Rahn schlichtweg vergessen. Ein Fauxpas der Verantwortlichen, die das natürlich nicht als Demontage des fünffachen Nationalspielers interpretiert sehen wollen.
Rahns Versetzung ins zweite Glied sei lediglich eine Momentaufnahme, wird im Ronhof allenthalben beteuert. "Er ist momentan in einem kleinen Loch, aber da kommt er wieder raus. Rahner muss dranbleiben, dann kommt schnell die Chance, wieder von Beginn an zu spielen", sagt Co-Trainer Mirko Reichel. Beinahe beschwörend fügt er an: "Wir brauchen ihn." Andere Profis würden sich nicht so leicht in diese Rolle fügen. Womöglich sogar versuchen, über eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit ihre Rückkehr in die erste Elf zu forcieren.
Rahn hatte vor dieser Saison einen Einjahresvertrag unterschrieben, der sich bei 18 Ligaeinsätzen automatisch um eine Spielzeit verlängert. Vorschnell aufgeben wird er sicher nicht, meint Reichel: "Das ist ein Junge mit Verstand und Charakter. Er ist lange genug im Geschäft, das wird ihn nicht umwerfen. Im Gegenteil." Rahn selbst war gestern nicht zu erreichen. Auch ein Kommentar.