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Große Pläne mit den jungen Wilden

FCN-Tennis hat talentierte Juniorinnen - 30.01. 17:26 Uhr

NÜRNBERG  - Graf war vorgestern, Petkovic ist heute – und morgen? Sophia Mejerovits, Lara Schmidt, Patricia Avram und Alicia Dinkelmeyer sind Namen, die man sich merken sollte. Die vier Mädchen – keine ist älter als zwölf – mischen zurzeit die bayerische und deutsche Tennisszene der Juniorinnen ordentlich auf.

Talente im Tennis: Lara Schmidt gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Talente im Tennis: Lara Schmidt gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Foto: Wolfgang Zink
Talente im Tennis: Lara Schmidt gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Talente im Tennis: Lara Schmidt gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Foto: Wolfgang Zink

„Sie gehören in ihren Altersklassen zur deutschen Spitze, das freut uns“, sagt Franz-Josef Wich, der Manager der Tennisabteilung des 1.FC Nürnberg, und es schwingt ein gewisser Stolz mit. So viel Qualität hatte der FCN wohl schon lange nicht mehr bei den Juniorinnen. Tatsächlich finden sich alle vier Mädchen in den Top Ten der Bayern-Rangliste für die Jahrgänge 1999 und 2000. Deutschlandweit steht die erst elfjährige Alicia Dinkelmeyer sogar auf Rang vier der „U12“-Juniorinnen. Da ist es kein Wunder, dass man große Hoffnungen in den talentierten Nachwuchs setzt.

Während die „jungen Wilden“ dieses Jahr zunächst einmal in den Landesliga-Kader der zweiten Damenmannschaft integriert werden sollen, lautet das Ziel für 2013, die erste Mannschaft in der Bayernliga zu verstärken und mittelfristig in die Regionalliga zu hieven. Natürlich sind das keinesfalls Pflichtaufgaben, aber wer das Power-Quartett live erlebt, sieht vier selbstbewusste junge Mädchen, die genau wissen, was in den kommenden Jahren von ihnen erwartet wird.



Dass man von den teilweise deutlich älteren Frauen der zweiten Mannschaft noch einiges lernen kann, gibt Lara Schmidt (12) unumwunden zu: „Die haben eben einfach mehr Erfahrung. Ich will aus meinen Spielen lernen und vielleicht einige gewinnen.“

Selbstbewusst und selbstkritisch

Die physisch schon sehr starke Sophia Mejerovits ist da etwas offensiver: „Ich glaube schon, dass ich mithalten kann. Für mich geht es darum, viel zu gewinnen und vielleicht auch meine Leistungsklasse zu verbessern.“ Als angehende Profispielerin weiß die Zwölfjährige aber auch, dass es immer Schwächen gibt, die noch auszumerzen sind: „An der Vorhand hab’ ich gearbeitet, und meine Volleys muss ich auch noch ein bisschen trainieren.“


Talente im Tennis: Sophia Mejerovits gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Talente im Tennis: Sophia Mejerovits gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Foto: Wolfgang Zink
Talente im Tennis: Sophia Mejerovits gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Talente im Tennis: Sophia Mejerovits gehört zu den Hoffnungen der deutschen Nachwuchsszene.
Foto: Wolfgang Zink

Trainer Günther Ganser weiß, was er an seinen Schützlingen hat. Er lobt die technische Stärke der zierlichen Patricia Avram, das Grundlinien-Powertennis von Sophia Mejerovits, die Rückhand von Lara Schmidt oder die freche Spielweise von Alicia Dinkelmeyer. „Alicia hat ein sehr gutes Spielverständnis und zockt eher wie ein Junge: Drall, Stopp, Angriff ans Netz, Kickaufschlag“, sagt Ganser. „Das ist für das Alter schon sehr erstaunlich und nicht das typische Damentennis, das oft solide von der Grundlinie auf Sicherheit ausgerichtet ist.“

Bei allem Stolz ist es jedoch gerade Ganser, der seine Spielerinnen auf dem Teppich hält und vor zu hohen Erwartungen warnt. Schon zu den 14-Jährigen gibt es „körperlich teilweise riesige Unterschiede. Die spielen die Bälle im Schnitt 10 bis 15 Prozent schneller“. Da muss man erst mal mithalten und hart trainieren.

Doch in diesem Alter schon harte Krafteinheiten mit Hanteln zu schieben, wie das teilweise in Russland gemacht wird, kommt für Ganser nicht in Frage: „Das ist bei uns altersgemäß angepasst. Da wird mit Gummibändern, Medizinbällen und dem eigenen Körpergewicht trainiert.“

Insgesamt fünfmal pro Woche feilen die Nachwuchshoffnungen an ihrer Kondition, Kraft und Technik. „Es passieren immer noch zu leichte Fehler“, kritisiert der Coach. „Das ist für das Alter völlig normal, aber mit den Zielen, die diese Mädchen haben, müssen wir das konsequent angehen.“


Patricia Avram
Patricia Avram
Foto: Wolfgang Zink
Patricia Avram
Patricia Avram
Foto: Wolfgang Zink

Das bedeutet vor allem harte Arbeit und auch Stress. Denn neben dem Vereinstraining ist da ja auch noch die Schule, die bei allen vier Mädchen Priorität hat. Das ist einerseits vernünftig, wirft sie aber zumindest bis zum Schulabschluss noch hinter die internationale Konkurrenz zurück, die „vier bis fünf Stunden am Tag trainieren kann“, wie Ganser verrät. Das G8 hat die Sache auch nicht unbedingt leichter gemacht: „Die guten Kinder wissen eigentlich nicht mehr, wie sie den Tag planen sollen, damit alles irgendwo abgedeckt ist.“

Lara Schmidt bestätigt Gansers Einschätzung: „Man wird bei Turnieren von der Schule befreit. Die anderen finden das manchmal unfair, dass ich nicht da bin und keine Schule habe, aber man muss eben auch alles wieder nachholen, das ist dann schon auch schwer.“

Allen Schwierigkeiten zum Trotz bleiben die jungen wilden Mädchen der FCN-Tennisabteilung auf Erfolgskurs. Während Dinkelmeyer (Lehrgang) und Avram (Fußverletzung) bei den bayerischen Hallenmeisterschaften am Wochenende nicht eingreifen konnten, wurde Mejerovits Zweite. Schmidt scheiterte in der ersten Runde an der zwei Jahre älteren Turnierfavoritin, obwohl sie den ersten Satz sogar für sich entscheiden konnte. „Das ist eben das Lehrgeld, das sie noch zahlen müssen“, resümiert Ganser. „Da sind der Respekt und die Ehrfurcht vor den Älteren vielleicht doch einfach noch zu groß.“ 



Sebastian Zelada

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