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HCE: Nürnberg bleibt eine Option

Aufsichtsratschef Bissel zur Erlanger Hallenproblematik - 23.02. 09:00 Uhr

ERLANGEN  - Derzeit belegt der HC Erlangen in der zweiten Handball-Bundesliga Rang drei, der am Ende zum Aufstieg berechtigen würde. Bis zum 30. April muss der Verein prophylaktisch den Antrag auf eine Lizenz bei der Handball-Liga (HBL) einreichen, was die Hallendiskussion in der Stadt neu angefacht hat. Die NZ fragte bei HCE-Aufsichtsratschef Carsten Bissel nach.

Aufsichtsratschef Carsten Bissel (r.) freut sich mit Trainer Frank Bergemann über die Erfolge des HC Erlangen. Die Hiersemannhalle wäre allerdings nicht bundesligatauglich.
Aufsichtsratschef Carsten Bissel (r.) freut sich mit Trainer Frank Bergemann über die Erfolge des HC Erlangen. Die Hiersemannhalle wäre allerdings nicht bundesligatauglich.
Foto: Sportfoto Zink
Aufsichtsratschef Carsten Bissel (r.) freut sich mit Trainer Frank Bergemann über die Erfolge des HC Erlangen. Die Hiersemannhalle wäre allerdings nicht bundesligatauglich.
Aufsichtsratschef Carsten Bissel (r.) freut sich mit Trainer Frank Bergemann über die Erfolge des HC Erlangen. Die Hiersemannhalle wäre allerdings nicht bundesligatauglich.
Foto: Sportfoto Zink

NZ: Herr Bissel, kann man es sich leisten, das Thema Halle auf die lange Bank zu schieben? Oder steht die Stadt Erlangen jetzt extrem unter Druck, schnell handeln zu müssen?

Carsten Bissel: Die Stadt Erlangen steht genauso wie wir alle unter dem Druck, innerhalb der von der HBL vorgegeben Frist bis zum 30. April ein Konzept zu präsentieren, das den Vorgaben der Handball-Bundesliga entspricht. Dafür ist, das steht fest, die Hiersemannhalle im jetzigen Zustand nicht geeignet.

NZ: Die Alternativen haben Sie bereits benannt: die Option Nürnberg, die Option einer stillgelegten Gewerbehalle sowie die eines Zeltes. Wie realistisch sind die einzelnen Möglichkeiten für Sie?



Bissel: Für uns geht es alleine darum, den Vorgaben der HBL gerecht zu werden. Welche dieser Lösungen es am Ende wird, spielt nur eine sekundäre Rolle. Natürlich sind wir damals angetreten, um den Handball in Erlangen neu zu strukturieren und letztlich zu sanieren. Damit verbunden war auch der Standort Erlangen. Deshalb haben wir uns – jedenfalls bisher – darauf konzentriert, diese Möglichkeit in Erlangen zu schaffen, entweder durch ein mobiles Hallensystem, in dem Stahlrohrtribünen aufgebaut werden, oder durch die Suche nach einer bisher gewerblich genutzten Halle, ebenfalls mit Stahlrohrtribünen und mobilem Boden. Welche dieser beiden Lösungen letztlich kommt, hängt von den Gegebenheiten, aber letztlich auch von den Vorstellungen der Stadt Erlangen ab.

NZ: Eine vierte Option wäre es, die Lizenz gar nicht zu beantragen...

Bissel: Wir sehen uns als ein Team, das die Basis dessen, was die Mannschaft schafft, verwaltet, und zwar verwaltet für diese Stadt. Für uns ist es völlig ausgeschlossen, ernsthaft darüber nachzudenken, diese Mannschaft in ihrer Entwicklung massiv zu stören und letztlich diese Mannschaft zu zerstören, indem man die Lizenz nicht beantragt.

NZ: In welchen finanziellen Größenordnungen würden sich denn die Übergangslösungen bewegen?

Bissel: Zu den finanziellen Größenordnungen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine zuverlässigen Zahlen nennen. Ich meine, es ist wirklich an der Stadt und an der Verwaltung, hier endlich vernünftige Grundlagen zu schaffen, indem man nicht nur auf Maklerangebote wartet, sondern nunmehr – und das muss in wenigen Tagen, vielleicht Sunden geschehen sein – Angebote verschiedener Anbieter einholt, um endlich zu wissen, wo man steht und welche Kosten entstehen, um dann nach Lösungen zu suchen.

NZ: Sie hatten inzwischen auch direkten Kontakt zu Oberbürgermeister Siegfried Balleis, der sich in der Hallenfrage bislang nicht geäußert hat...

Bissel: Nachdem ich das Gefühl habe, dass die verantwortlichen Damen in der Stadtverwaltung durchaus mit Herz dabei sind und auch eine Lösung im Sinne des Handballs und der Stadt suchen, aber noch sehr unorganisiert auftreten, bin ich sehr, sehr froh, dass mir der Oberbürgermeister am Montag ernsthaft versichert hat, die Dinge ab Mittwoch in die Hand zu nehmen, selbst voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass wir die Grundlagen für die Lizenzierung für die erste Liga bekommen – natürlich immer unter der Voraussetzung, dass wir auch aufsteigen!

NZ: Balleis ist ja nicht unbedingt als Handballfan bekannt – haben Sie nicht die Befürchtung, dass der Radweg zur Halle schneller fertig ist als die Halle selbst?

Bissel: Ich bin froh, dass an einen Radweg zur Halle gedacht wird, aber ich vertraue ihm sehr, denn ich sehe ihn im Moment als Einzigen in der Stadt, der dieses Thema konkret und organisiert vorantreiben kann. Deswegen bin ich sehr froh, dass er mir versprochen hat, sich der Dinge selbst anzunehmen.

NZ: Der Zeitdruck ist enorm – wie realistisch ist es denn, überhaupt eine Lösung hinzubringen? Verwaltungen arbeiten sehr sorgfältig, aber ihre Mühlen mahlen langsam.

Bissel: Das ist in der Tat meine Angst, dass in der kurzen Zeit keine bewertbaren Grundlagen geschaffen werden. Das muss ganz schnell geschehen! Und daran kann ich nur appellieren.

NZ: Das Thema Hallenneubau ist nicht vom Tisch, aber jetzt geht es um eine Übergangslösung für den Fall des Aufstiegs?

Bissel: Genau! Es ist derzeit nicht an uns, einen Neubau zu fordern. Uns geht es allein darum, in der kurzen Zeit eine Lösung zu finden, die den Vorgaben der Handball-Liga gerecht wird. Wie gesagt, es gibt hier neben Mobillösungen auch – und das ist ernst gemeint – die Möglichkeit, eine der bestehenden Hallen in Nürnberg in Anspruch zu nehmen. Dieses Thema verfolgen wir gerade mit Blick auf die für uns unbefriedigende Entwicklung in der Stadtverwaltung Erlangen seit Montag absolut verstärkt. Wir müssen uns des Themas annehmen, denn wir sind auch der Auffassung, dass der Erlanger Handball in der Metropolregion mittlerweile einen Stellenwert erreicht hat, der auch eine Halle in Nürnberg füllen kann.

NZ: Stichwort Metropolregion – andere fränkische Städte vergleichbarer Größe können mit Erstligavereinen als Image- und Werbeträger punkten. Wie lange kann es sich Erlangen leisten, in Nordbayern diesbezüglich ein weißer Fleck zu bleiben?

Bissel: Wir alle haben wirklich großes Verständnis dafür, dass die Stadt Erlangen das sportliche Ziel eines ausgeglichenen Haushalts verwirklichen will. Dennoch darf man nicht übersehen, dass alle anderen Städte, die vergleichbar mit Erlangen sind, wie Würzburg, Bamberg, Bayreuth oder auch Aschaffenburg, längst den Werbewert einer Erstliga-Mannschaft in einer der vier großen europäischen Mannschaftssportarten erkannt haben. Das Geld, das Erlangen für eine Übergangslösung aufwenden müsste, wäre im Vergleich zu diesem Werbewert sehr gering, so dass man sagen kann: viel Werbung für sehr wenig Geld.

und Philipp Roser 



Fragen: Florian Pöhlmann

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Zum Thema
HC Erlangen
Gründungsdatum:
11.4.2002



Kurzbeschreibung:
Der HC Erlangen spielt seit dem Aufstieg 2004 wieder in der 2. Handball-Bundesliga;
hervorgegangen aus der Fusion von HG und CSG (2002); die HG war 19 Jahre zuvor aus TV 48 und TB 88 entstanden;