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Das Tölzer Land taugt noch immer als adäquate Kulisse für Heimatfilme. Doch wer behauptet, dass dort nur seichte Streifen entstehen können? Vielleicht wird Andreas Brockmann in einigen Monaten an seine pittoreske Heimat denken und milde lächeln, wenn er die famose Saison der Thomas Sabo Ice Tigers erklären soll. Fünf Tage verbrachten Nürnbergs Eishockey-Profis in oberbayerischer Idylle, sie logierten nicht in einem Luxushotel, sondern in einer Jugendherberge. Einen Fernseher suchten sie in ihren Zimmern vergebens. Die Spieler, dachte sich Trainer Brockmann, sollen miteinander kommunizieren, sie sollen sich frühzeitig besser kennenlernen.
Fünf Wochen sind seitdem vergangen. Fünf Wochen, die den Ice Tigers genügten, um bereits eine erstaunliche Einheit zu bilden. Noch weniger Zeit benötigten sie, um Euphorie zu säen. In den 60 Minuten gegen die Augsburger Panther verband sich bei den Ice Tigers all das, was auf eine prominente Rolle in der kommenden DEL-Saison hoffen lässt. Das Destillat war ein am Ende furioser 7:3 (0:1, 3:1, 4:1)-Sieg im letzten Test vor dem Ligastart am Freitag in Ingolstadt. "Wir haben uns Schritt für Schritt verbessert", stellte Brockmann gewohnt nüchtern fest. Tatsächlich bieten die Ice Tigers auf dem Eis nicht nur ein Produkt harter Arbeit an, sie lassen weitaus mehr Talent aufblitzen als die Tigers-Ausgabe 2009/10. "Wir sind in der Verteidigung viel agiler geworden, können aggressiver spielen", meinte Brockmann.
Gegen den amtierenden Vizemeister, der nach einem kompletten Neuaufbau noch seine Identität sucht, bestachen die Ice Tigers nach anfänglichen Problemen vor allem im Powerplay. Mit zwei harten, vor allem aber akkuraten Schlagschusstoren ließ der Schwede Fredrik Eriksson Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aufleben, als der akkurat, vor allem aber hart schießende Jame Pollock von der blauen Linie aus Angst und Schrecken verbreitete. "Diesmal hat es super geklappt", gab sich Eriksson bescheiden. "Es war großartig, den vielen Fans ein solches Spiel zeigen zu können." Vieles erinnerte an diesem Nachmittag schon an ein Punktspiel. Offiziell knapp 4500 Zuschauer waren zur Saisoneröffnung gekommen, und auch die Partie entfaltete ihre gewohnte Brisanz.
"Hier geht es hin und her, das gefällt mir", sagte Eriksson. Dass er seine Treffer gegen den zum besten Spieler der vergangenen Weltmeisterschaft gewählten Dennis Endras erzielte, wusste er nicht. "Ich hatte keine Ahnung. Aber der beste Torwart in Deutschland ist ohnehin Patrick Ehelechner." Brockmann möchte den Überschwang seines Teams nicht bremsen, er vertraut auf den Charakter seiner mit zwölf Neuzugängen gespickten Truppe. "Wir haben bewusst nach Spielern gesucht, die charakterlich zu uns passen. Und bis jetzt machen die Jungs einen sehr guten Eindruck. Wie es ist, wenn wir mal eine schwierige Phase haben, muss sich aber noch herausstellen."
Als kluger Schachzug könnte sich die Verpflichtung von "Nachzügler" Clarke Wilm erweisen. Der Kanadier arbeitet nicht nur defensiv mit vollem Einsatz, an der Seite von Ryan Bayda und Vitalij Aab bewies er schon nachhaltig seine Scorerqualitäten. Manager Lorenz Funk warnte jedoch davor, die guten Ergebnisse in der Vorbereitung zu hoch zu hängen. "Das hat nur wenig Aussagekraft", wurde Funk, der im Vorspiel mit vier Toren das Sternstunden-Team zu einem 8:2 (2:0, 4:0, 2:2)-Sieg gegen die EHC 80-Allstars schoss, in den vergangenen Wochen nicht müde zu betonen. Vielleicht hat er Recht. Vielleicht ist es auch nur Tiefstapelei, weil die Ice Tigers längst dabei sind, eine besondere Geschichte zu schreiben.
Nürnberg: Ehelechner - Likens, Kemp; Blanchard, Eriksson; Ancicka, Leask; Schüle - Aab, Wilm, Bayda; Beardsmore, G.Leeb, Barta; Grygiel, Chouinard, Frosch; Oblinger, Fischhaber / SR: Aumüller (Ottobrunn) / Zuschauer: 4449 / Strafminuten: Nürnberg 14 (Wilm, Leask je 4, Kemp, Bayda, Barta je 2) - Augsburg 22 / Tore: 0:1 (12:12) Bentivoglio (5-4), 1:1 (25:34) Frosch (Chouinard/Grygiel), 1:2 (28:55) Radja, 2:2 (33:45) Eriksson (Aab/Wilm, 5-3), 3:2 (37:56) G.Leeb (Barta), 3:3 (45:20) Fletcher (5-4), 4:3 (46:05) Aab (Bayda/Kemp), 5:3 (53:23) Eriksson (Blanchard, 5-4), 6:3 (55:12) Bayda (Blanchard/Wilm, 5-4), 7:3 (56:21) Aab (Eriksson, 5-3).