Ein Spiel hat genügt, um aus einem zweitrangigen Derby einen Gipfel der Emotionen zu machen. Wer an den 23.Oktober des vergangenen Jahres zurückdenkt, denkt erst zuletzt an das Ergebnis. In Erinnerung geblieben sind vor allem ein unsägliches Spruchband und wüste Beschimpfungen, die darauf abzielten, Thomas Sabo, den Hauptsponsor der Ice Tigers, möglichst weit unterhalb der Gürtellinie zu beleidigen. Ins Gedächtnis eingebrannt haben sich auch 99 Strafminuten gegen die Tigers in einem Spiel, das Augenzeugen als fair beschrieben.
Nein, grün sind sich Nürnberg und Ingolstadt seitdem nicht mehr. Aber was passierte vor der Partie im Kabinengang? Man herzte sich. Richtig gelesen. Der Grund hörte auf den Namen Petr Fical. Acht Jahre lang spielte er in Nürnberg, acht Jahre lang tönte das lang gezogene Fiiiii-cal der Fans durch die Arena. Seit dem Sommer spielt der Stürmer in Ingolstadt, weil er dort den Zweijahresvertrag erhielt, den sie ihm in Nürnberg nicht anbieten wollten. Während die alten Kollegen mit Fical plauschten, dürften Nürnbergs Anhänger dem Wiedersehen weniger wohlgesonnen entgegengeblickt haben, kündigte der 32-Jährige im "Donaukurier" doch an, bei einem Sieg gegen Nürnberg seinen neuen Kollegen etwas ausgeben zu wollen. "Das lass ich mir schon etwas kosten", soll der brave Fical gesagt haben. Und: "Die Organisation ist super. Besser als in Nürnberg." Ungewöhnlich forsche Worte eines stillen Sportlers, aber auch nichts, was seine großartige Reputation in Nürnberg ernsthaft in Frage stellen sollte.
Auf dem Eis lebten die beiden Teams ihre Rivalität auf eine Art und Weise aus, wie man sie sich gewünscht haben dürfte. Statt eines schleppenden Auftaktspiels erlebte die Saturn-Arena einen temporeichen, intensiven Schlagabtausch. Ein Tor lag von der ersten Sekunde an in der Luft, nach sieben Minuten wandelte Ingolstadts Joe Motzko dieses Gefühl in eine Tatsache um. Und wie reagierte Nürnberg? Angemessen. Jeff Likens, der nur den Pfosten traf (9.), Simon Fischhaber (10.) und der auffällige Eric Chouinard (12., 19.) untermauerten Nürnbergs Ambitionen, Ingolstadts Goalie Ian Gordon hatte jedoch etwas gegen den Ausgleich. Die Emotionen schaukelten sich hoch, Christoph Gawlik verlor die Contenance, als er Likens von hinten in die Bande checkte. Der US-Amerikaner blieb benommen liegen, kehrte aber zurück aufs Eis.
Das Tempo verflachte trotzdem, beide Teams neutralisierten sich, was aus Nürnberger Sicht durchaus als Kompliment verstanden werden kann, zählen die Oberbayern doch zum Kreis der Titelanwärter. Ein bisschen erinnerte das Spiel der Ice Tigers tatsächlich an die Vorsaison. Sie spielten nicht schön, hielten sich aber mühelos im Spiel, um irgendwann doch noch zuzuschlagen. In Ingolstadt dauerte das über 51 Minuten, ohne dass man das Gefühl hatte, diese Nürnberger Mannschaft sei zuvor auch nur ein bisschen nervös oder ungeduldig geworden. Ein Schuss von Sean Blanchard zischte zwar am Tor vorbei, prallte von der Bande aber zurück vor Gordons Territorium und vor die Füße von Colin Beardsmore, der mühelos vollstreckte. Ein glücklicher Treffer, der Ingolstadt verunsicherte.
Eine unnötige Strafzeit Tyler Boucks bescherte den Ice Tigers noch ein Powerplay. Clarke Wilm wartete routiniert, bis Vitalij Aab Gordon die Sicht versperrt hatte und zog ab. Aab fälschte ab, und plötzlich stand es 2:1 für Nürnberg. 62 Sekunden blieben Ingolstadt noch, doch Michael Waginger vergab freistehend die letzte Chance. Und Fical? Fiel das erste Mal im letzten Drittel auf, als er nach einer Kollision mit Blanchard benommen vom Eis musste. Diesen Abend hatte er sich gewiss anders vorgestellt.
Ingolstadt: Gordon - Chartier, Degon; St.Jacques, Retzer; Hambly, Ficenec, Huebscher, Daschner - Bouck, Forbes, Fical; Waginger, Wren, Greilinger; Motzko, Hussey, Gawlik; Walsh, Buzas, Girard / Nürnberg: Ehelechner - Likens, Kemp; Blanchard, Eriksson; Ancicka, Leask - Aab, Wilm, Bayda; B.Leeb, G.Leeb, Barta; Grygiel, Chouinard, Frosch; Olbinger, Beardsmore, Fischhaber / SR: Schimm/Brill (Waldkraiburg/Zweibrücken) / Zuschauer: 4079 / Strafminuten: Ingolstadt 9 plus Spieldauerdisziplinar für Gawlik (19:22/Bandencheck) - Nürnberg 8 (Likens, Wilm, Chouinard, Bayda je 2) / Tore: 1:0 (7:10) Motzko (4-4), 1:1 (51:20) Beardsmore (Blanchard), 1:2 (58:58) Aab (Wilm/Bayda, 5-4).