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Im Ultimate Frisbee sind Fairness und Teamgeist Trumpf

Beim Erstliga-Qualifikationsturnier mischten auch die „Frankas“ mit - 06.08.2012 19:12 Uhr

NÜRNBERG  - „Das ist ja der fairste Sport der Welt!“, stellt ein Zuschauer fest, der sich das Treiben auf dem Ziegelsteiner Sportplatz erklären lässt, und lacht. Hier, auf dem Gelände der DJK BFC wird gerade das Qualifikationsturnier für die Erste Liga der Frauen im Ultimate Frisbee ausgetragen.

Laufen, Werfen, Freispielen: Spielführerin Vici (re.) und Babsi sind mit Begeisterung dabei, schaffen es aber nicht unter die besten vier Teams.
Laufen, Werfen, Freispielen: Spielführerin Vici (re.) und Babsi sind mit Begeisterung dabei, schaffen es aber nicht unter die besten vier Teams.
Foto: Sportfoto Zink
Laufen, Werfen, Freispielen: Spielführerin Vici (re.) und Babsi sind mit Begeisterung dabei, schaffen es aber nicht unter die besten vier Teams.
Laufen, Werfen, Freispielen: Spielführerin Vici (re.) und Babsi sind mit Begeisterung dabei, schaffen es aber nicht unter die besten vier Teams.
Foto: Sportfoto Zink

Jetzt ist ein „Dive“ angesagt: Die Scheibe kommt in hohem Tempo aus gut zehn Metern angesegelt – doch viel zu tief. Spielerin Alexandra visiert sie in vollem Lauf an, springt ab und schnappt sich das Frisbee in einem eleganten Hechtsprung. Szenen wie diese sind keine Seltenheit beim Ultimate Frisbee. Spektakuläre Fänge à la Manuel Neuer gehören bei großen Turnieren zum guten Ton. Elf Teams treten an, unter anderem aus Berlin, Dortmund, Potsdam. Die Region Nürnberg vertreten die Lokalmatadorinnen „Frankas“.

Auf drei Spielfeldern wird in 40-minütigen Begegnungen um die Qualifikation für das Erstliga-Turnier im September in Frankfurt am Main gespielt. Und jedem, der den Powerfrauen zusieht, wird schnell klar: Die aus den USA stammende Sportart ist ebenso anstrengend wie unterhaltsam. Das fängt bei den Mannschaftsnamen an: Die „Frankas“ müssen auf dem Platz, der die Länge und halbe Breite eines Fußballfeldes misst, etwas gegen die Mainzelmädchen aus der Karnevalsmetropole ran.

Doch von den oftmals amüsanten Namen und der Tatsache, dass alle „Frankas“-Spielerinnen ihre Vornamen auf die Trikots gedruckt haben, darf man sich nicht in die Irre führen lassen: Ultimate Frisbee ist zwar in vielerlei Hinsicht lockerer, doch auch anstrengender und aktionsreicher als viele andere Sportarten. Da braucht es viel Laufarbeit und noch mehr gute Würfe, um die Scheibe in die gegnerische Endzone zu transportieren.

Dabei sind die Regeln im Grunde einfach: Die Scheibe muss in der 18 Meter tiefen gegnerischen Endzone gefangen werden. Wer sie in der Hand hält, bleibt stehen – nur Sternschritte sind erlaubt – während sich der Rest der siebenköpfigen Mannschaft möglichst geschickt freiläuft, um Pässe empfangen zu können. Schlecht für Egoisten, die das Spiel alleine machen wollen, doch ideal für Teamplayer, denen viel an Mannschaftsgeist und dem füreinander Laufen liegt. Will der Gegner in den Besitz des Frisbees gelangen, gilt für ihn: Die Scheibe aus der Hand reißen ist verboten; nur bei abgefangenen Würfen oder Fehlpässen wechselt der Scheibenbesitz. Der Rest ist Spielfreude, Taktik und Konzentration.

„Es ist definitiv eine Laufsportart“, sagt Babsi. „Man muss sehr schnell und wendig auf dem Feld sein. Schnelle Richtungsänderungen gehören dazu, aber man muss auch sehr viel mit dem Kopf spielen. Es ist taktisch sehr anspruchsvoll.“ Die wurfstarke Flügelspielerin der „Frankas“ steht am Rande des Spielfeldes zwischen zwei weißen Pavillons und beobachtet ihre Mannschaft. Die „Frankas“ um Spielführerin Vici stehen in den meisten Partien zwar hinten zunächst sehr sicher und zeigen einige passsichere, schnelle Wurfstafetten – „Flow“ genannt –, doch nach gutem Start lässt häufig die Konzentration nach, Fehler häufen sich.

So reicht es am Ende des Wochenendes nur für die Qualifikation zum Zweitliga-Turnier. „Wir wollten unter die ersten Vier kommen“, sagt Babsi enttäuscht, zumal die „Frankas“ gerade im letzten Spiel gegen die Dortmunderinnen immer wieder nah dran waren am Sieg und durch starke Scheiben-Eroberungen von Babsis Kolleginnen Dani und Kaya, sowie nimmermüde Laufarbeit zu überzeugen wussten.


Guter Mannschaftsgeist: Die besten Ultimate-
Frisbee-Spielerinnen der Region treten unter dem Namen „Frankas“ gemeinsam an.
Guter Mannschaftsgeist: Die besten Ultimate- Frisbee-Spielerinnen der Region treten unter dem Namen „Frankas“ gemeinsam an.
Guter Mannschaftsgeist: Die besten Ultimate-
Frisbee-Spielerinnen der Region treten unter dem Namen „Frankas“ gemeinsam an.
Guter Mannschaftsgeist: Die besten Ultimate- Frisbee-Spielerinnen der Region treten unter dem Namen „Frankas“ gemeinsam an.

Im ansonsten fast „körperlosen“ Ultimate Frisbee geht es beim Nürnberger Turnier ungewöhnlich kampfbetont zur Sache. Die blutige Nase, die sich eine der Dortmunderinnen im Zweikampf mit ihrer Nürnberger Gegenspielerin holt, wird jedoch, wie jede strittige Entscheidung, zwischen den Teams einvernehmlich und ohne Schiedsrichter geklärt. Denn Referees gibt es im Ultimate Frisbee nicht. „Man wird vom ersten Training an dazu erzogen, den Spirit hochzuhalten“, erklärt Babsi nicht ohne Stolz, „das heißt, dass man fair spielt und sein Gegenüber achtet. Wenn ein Foul passiert, kann der Gegner das beanstanden. Das wird entweder akzeptiert, oder der Wurf wird wiederholt. Das funktioniert unwahrscheinlich gut. Diese Fairness finde ich super!“

Nicht so toll finden die „Frankas“ dagegen die Tatsache, dass sie auch in diesem Spiel nach einem 70-minütigen Krimi knapp mit 8:9 als Verlierer vom Platz gehen. In einer für Ultimate Frisbee typischen Aktion versammeln sich beide Teams nach Spielende, um gemeinsam die Partie aufzuarbeiten und Unklarheiten aus der Welt zu schaffen. Für die Heimfahrt geben die „Frankas“ den Dortmunderinnen dann noch ihren selbstbetitelten „Franka-Wein“ mit. Eine nette Geste, die in anderen Sportarten für überraschtes Stirnrunzeln sorgen würde, hier jedoch ganz alltäglich wirkt – im vielleicht fairsten Sport der Welt. 

Sebastian Zelada


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