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Johanniser Ringer verpatzten den Start

Beim 15:19 gegen Thalheim standen acht Eigengewächse auf der Matte - 21.08. 18:13 Uhr

NÜRNBERG  - Kann das noch klappen?, fragten die einen. Das packen die nicht mehr!, dachten die anderen: Es war Pause, nach fünf Kämpfen hieß es 12:7 für die Gäste. Das können wir schon noch schaffen!, entgegneten die Optimisten trotzig.

David Vala (blaues Trikot) war 2007 EM-Zweiter. Der 23-jährige Philipp Vanek bekam es zu spüren.
David Vala (blaues Trikot) war 2007 EM-Zweiter. Der 23-jährige Philipp Vanek bekam es zu spüren.
Foto: Roland Fengler
David Vala (blaues Trikot) war 2007 EM-Zweiter. Der 23-jährige Philipp Vanek bekam es zu spüren.
David Vala (blaues Trikot) war 2007 EM-Zweiter. Der 23-jährige Philipp Vanek bekam es zu spüren.
Foto: Roland Fengler

Letztere sollten aber nicht Recht behalten: Am Ende hieß es etwas überraschend 19:15 für den RV Thalheim. Die Johanniser waren zwar mit acht Eigengewächsen angetreten, spielten damit wieder so etwas wie das Vorbild für die deutschen Ringerklubs, doch die Punkte, die Punkte hatte der Gegner.



Vor einem Jahr startete die SV Johannis 07 ebenfalls gegen die Thüringer in die neue Saison der Bundesliga Ost, damals legte der Aufsteiger mit einem 23:17-Erfolg schon den Grundstein für eine erfolgreiche, mit Platz fünf abgeschlossene Runde. Und was erwartet die fränkischen Fans diesmal? Genau 456 waren am Samstagabend erwartungsfroh in die Halle am Zeisigweg gepilgert, in der dem interessierten Beobachter zuvor erstmals ein öffentlich durchgeführtes Wiegen präsentiert wurde. Zum Schluss war es allerdings recht ruhig geworden, nur die Gästefans sangen noch.

Hinterher sprach Abteilungsleiter Guido Fischer von „unserer Philosophie, immer 70 Prozent eigene Leute einsetzen zu wollen“. Die beiden Trainer Bernhard Rieger und Andreas Buchhorn ergänzten, der Verein habe eben nicht die finanziellen Mittel, um gleich zwei oder drei gleichstarke Athleten in jeder Gewichtsklasse aufbieten zu können.

Neuzugang Schön fehlte noch

So wurde auf Neuzugang Fredrik Schön – der Schwede hätte im Schwergewicht (griechisch-römisch) eingesetzt werden können – verzichtet; auf der Ausländerposition bekam der Serbe Alexandar Maksimovic (74kg/griechisch-römisch) den Vorzug vor dem Kubaner Yoel Romero (96kg/Freistil). Maksimovic, der vor dem Kampf für seinen dritten Platz bei der WM im Vorjahr in Dortmund geehrt wurde, indes rechtfertigte seine Nominierung mit einem 3:0 über Kevin Mehlhorn.

„Wir haben uns nicht verkalkuliert“, entgegneten Rieger und Buchhorn auf eine entsprechende Frage, meinten aber vielsagend: „In vielen Kämpfen hat das letzte Quäntchen gefehlt. Die Kämpfe haben einiges aufgezeigt.“ Und sie wollten auch nicht verschweigen, welch große internationale Erfahrung der Tabellensechste des Vorjahrs, der als Saisonziel lediglich den Klassenerhalt angegeben hat, mitbrachte. Den Thüringern fehlte in Erik Weiß (66kg/griechisch-römisch) allerdings auch ein guter Mann, der sich wie der Johanniser Schön wohl schon auf die WM im September in Istanbul vorbereitet.

Das Plus der Thalheimer: Sie verloren zwar ebenso wie die Nürnberger fünf Duelle, doch sie konnten dabei besser punkten als die Hausherren, für die die unterlegenen Philipp Vanek (0:4), Fabian Appel (0:4), Mario Besold (0:3), Christoph Pscherer (1:3) und Marc Pöhlmann (0:3) nur eine einzige Runde „rüberreißen“ konnten. Dabei hatte gerade Pscherer eine spektakuläre erste Runde hingelegt, in der ihm ein „Dreier“ und ein „Fünfer“ gelangen. Doch dann musste er wohl auch seinen Bandscheibenproblemen, die ihn in der Vorbereitung behindert hatten, Tribut zollen. Auch Besold war ein Sieg zuzutrauen. „Einige sind noch nicht so weit“, analysierte Fischer später. Als der gerade 18-jährige Pöhlmann, der erst einen Bänderriss auskuriert hat, das vorletzte Gefecht gegen Florian Rau mit 0:3 verloren hatte, war auch der Kampf verloren; Maksimovic’ 3:0 kam zu spät.

Dabei hatte der Abend recht gut begonnen. Fabian Schmitt beherrschte den Jugendlichen Benjamin Opitz klar (4:0). Tim Schleicher, der in der Vorrunde wieder im ungeliebten klassischen Stil antreten muss, gab gegen Thomas Berger nach einem 0:7 in der ersten Runde – was ihn sichtlich wurmte – keinen Zähler mehr ab (3:1). Andras Horvath indes gewann zwar 3:1-Runden gegen Petr Novak, weil er aber keine technische Wertung schaffte, wurde ihm nur ein 1:0 gutgeschrieben. Stark die Leistung von Sven Dürmeier beim 3:1 über den nicht immer sauber kämpfenden Tobias Löffler.

Auf die „Grizzlys“ warten nun bis zur Weltmeisterschaftspause zwei (fast) unlösbare Aufgaben – am kommenden Samstag in Burghausen und am 3. September dann wieder vor eigenem Publikum gegen Aalen. Als Vorbilder für die anderen können sie aber auch da dienen – mit vorwiegend eigenen, „hungrigen“ Leuten.

Kampfverlauf, bis 55kg (Fr.): Schmitt (J) 4:0-TüPS (7:0, 2:0, 3:0) über Opitz (T) – Stand 4:0; bis 120kg (gr.-rö.): Vala (T) 4:0-TüPS (1:0, 5:0, 5:0) über Vanek (J) – 4:4; bis 60kg

(gr.-rö.): Schleicher (J) 3:1-PS (0:7, 2:0, 3:0, 2:0) über Berger (T) – 7:5; bis 96kg (Fr.): Dublinowski (T) 4:0-TüPS (2:0, 3:0, 6:0) über Appel (J) – 7:9; bis 66kg A (Fr.): Sadowski (T) 3:0-PS (1:0, 2:0, 3:1) über Besold (J) – 7:12; bis 84kg B (gr.-rö.): Horvath (J) 1:0-PS (0:1, 1:0, 1:0, 1:0) über Novak (T) – 8:12; bis 66kg B (gr.-rö):

S. Dürmeier (J) 3:1-PS (0:1, 2:0, 3:0, 1:0) über Löffler (T) – 11:13; bis 84kg B (Fr.): Baranowski (T) 3:1-PS (2:8, 1:0, 3:0, 1:0) über Pscherer (J) – 12:16; bis 74kg A (Fr.): Rau (T) 3:0-PS (1:0, 3:2, 2:0) über Pöhlmann (J) – 12:19; bis 74kg B (gr.-rö.): Maksimovic (J) 3:0-PS (3:0, 1:0, 1:0) über Mehlhorn (T) – Endstand 15:19 / Kampfrichter: Manz (TuS Bönen/NRW) / Zuschauer: 456.

Bundesliga Ost, 1. Kampftag: SV Johannis 07 – RV Thalheim 15:19, KSV Aalen – SV Siegfried Hallbergmoos 20:16, AC Lichtenfels – SV Wacker Burghausen 11:22, SV Luftfahrt Berlin – Luckenwalder SC 3:30.

Bundesliga West, 1. Kampftag: ASV Mainz – KSV Köllerbach 24:11, KSK Neuss – TuS Adelhausen 19:14, AV Germania Weingarten – TKSV Bonn-Duisdorf 22:12, ASV Nendingen – RWG Mömbris-Königshofen 17:20. 



Hermann Hempel

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