Gerade mal 7450 Menschen fanden am Sonntag zur Saisonpremiere gegen den Karlsruher SC den Weg in den wieder einmal halbleeren Ronhof, der seit kurzem Trolli Arena heißt. Das mag eingefleischten Anhängern nicht gefallen, ist aber aus kaufmännischen Gesichtspunkten durchaus nachzuvollziehen. Man will wettbewerbsfähig bleiben.
Zusätzliche Einnahmen sind da Pflicht, mit den Zuschauereinnahmen alleine könnte der Traditionsverein wirtschaftlich nicht überleben. Ein Millionen-Transfer wie der von Topstürmer Sami Allagui zum Bundesligisten FSV Mainz05 verschafft den Fürthern Handlungsspielraum. Für eine gewisse Zeit, mehr aber auch nicht.
Das Kernproblem bleibt die anhaltend schwache Resonanz bei Heimspielen. Andernorts sind die Stadien voll, in der Bundesliga wird Jahr für Jahr ein neuer Rekord im Verkauf von Dauerkarten vermeldet, nur in Fürth hinkt man der allgemeinen Entwicklung seit Jahren hinterher. Der Zuspruch im Ronhof stagniert nicht nur, seit zwei Jahren sind die Zuschauerzahlen sogar rückläufig. Lediglich 6600 Besucher pilgerten in der abgelaufenen Spielzeit im Schnitt zu den Heimpartien des "Kleeblatts".
Versucht haben die Verantwortlichen in Fürth schon so einiges. Neben den obligatorischen Besuchen von Schulen oder öffentlichen Einrichtungen sind aber auch Freikartenaktionen, Autogrammstunden oder andere angeblich verkaufsfördernde Maßnahmen bislang ohne Erfolg geblieben. Jetzt aber gehen die Marketingfachleute der Spielvereinigung voll in die Offensive. Die jüngste Strategie wirkt bewusst aggressiv: "Heimspiel heißt nicht, dass man zu Hause bleiben soll", prangt in metergroßen Lettern auf Plakatwänden. Na hoppla, das rüttelt auf.
Werbung ist das eine, Ursachenforschung die andere Komponente. So liegt die Vermutung nahe, dass den potenziellen Fürther Fan die vielen fünften Plätze der Vergangenheit regelrecht eingeschläfert haben. Die gute Arbeit, die der in seiner Außendarstellung "etwas andere Verein" trotz klammer Finanzlage immer wieder zu leisten vermag, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung längst keine Rolle mehr.
Auch der Trainerwechsel vom norddeutsch ruhigen Benno Möhlmann zum charismatischen "Eurofighter" Mike Büskens ist allenfalls ein Mosaiksteinchen in einem Puzzle, das längst noch nicht zusammengefügt ist. "Wir möchten eine positive Emotionalisierung schaffen", hatte Büskens jüngst etwas verklausuliert verkündet. Es soll nach einer simplen Rechnung heißen: mehr Zuschauer, mehr Unterstützung, bessere Stimmung, mehr Punkte.
Mit dem 4:1-Heimsieg über den Karlsruher SC wollen sie in Fürth nach den vielen Heimpleiten der Vorsaison einen neuen Anfang gemacht haben. "Wir wünschen uns natürlich mehr Zuschauer", sagte SpVgg-Manager Rachid Azzouzi und betont den entscheidenden Punkt. Nur Erfolge machen sexy: "Die Euphorie muss von uns ausgehen, ganz klar."