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Kleine und die Kunst der Grätsche

Er kultivierte den Begriff "Ausputzer": - 29.04.2012 19:46 Uhr

Hart gegen sich, hart gegen den Gegner: Thomas Kleine (rechts, hier gegen Karlsruhes Louis Clement Ngwat-Mahop) war in dieser Saison die Beständigkeit in Person und verpasste keine einzige Minute.

Hart gegen sich, hart gegen den Gegner: Thomas Kleine (rechts, hier gegen Karlsruhes Louis Clement Ngwat-Mahop) war in dieser Saison die Beständigkeit in Person und verpasste keine einzige Minute. © Sportfoto Zink


Die Spieleröffnung zu kultivieren, ist nicht seine Sache, andere wissen mit dem Ball sicher weitaus prätentiöser umzugehen. Aber der Kapitän der SpVgg Greuther Fürth hat ganz andere Eigenschaften, die auch im modernen Fußball noch immer gefragt sind.

Kleine ist keiner der Profis, die ihre Wertigkeit überschätzen. Sollen andere zu jedem Spiel mit einer neuen Haarfrisur antreten, sollen sich die Spieler im Teenageralter doch mit pinkfarbenen Tretern beschuhen – er nicht. Und das liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht daran, dass Kleine mit 34 Jahren inzwischen der älteste Fürther im Team ist. Der Routinier ist die personifizierte Bodenständigkeit, das mag in Interviews nicht immer zu reißerischen Sprüchen führen, aber Kleines Wort hat trotzdem Gewicht. „Er ist ein ganz wichtiger Führungsspieler“, sagt etwa Manager Rachid Azzouzi über den einstigen Mitspieler, der selbst das funktionierende Kollektiv beim Kleeblatt als einen der Eckpunkte des Aufstiegs schätzt.

„Fußballerisch ist diese Mannschaft ohnehin super, aber diese Einheit ist schon etwas besonderes. Es kam auch keine Unruhe in die Mannschaft, als wir in Düsseldorf und in Dresden verloren haben“, sinnierte der Abwehrchef über die ganz alltäglichen Befindlichkeiten innerhalb einer Profitruppe, in der jeder Einzelne spielen will, der Trainer aber gemäß den bestehenden Regularien nur elf Spieler in die Startelf beordern kann. Natürlich traten Meinungsverschiedenheiten auch in Fürth auf, nur mit einem ganz entscheidenden Unterschied. „Klar gab es mal Streit und Konflikte. Aber wir haben das immer untereinander geklärt.“

Eingebremst hat Thomas Kleine auch nicht wenige Stürmer gegnerischer Mannschaften. Es ist zweifellos nicht zuletzt sein Verdienst, dass die Spielvereinigung so wenige Gegentreffer wie sonst kein Team im Unterhaus kassiert hat. Im Spätherbst seiner Karriere, in der er in Leverkusen, Hannover und Mönchengladbach Bundesligaerfahrung sammelte, zeigte Kleine noch einmal alle Tugenden eines knallharten Abwehrrecken. Wer gegen ihn spielt, kommt meist nicht ohne blaue Flecken davon. Kleine deckt hautnah, näher kommt ihm wohl nur seine Frau. Schon bei der Ballannahme wird der Gegner entscheidend gestört. Grätschen, Kratzen, Beißen – das ganze Programm, bei allem Körpereinsatz aber betont fair. Das schmeckte auch Borussia Dortmunds Torjäger Lewandowski überhaupt nicht. Betonen mag er es nicht, aber das ist das beste Beispiel, warum Kleine dem Fürther Debüt in der Beletage des deutschen Fußballs einigermaßen gelassen entgegensehen kann.

„Wir müssen uns da nicht verstecken“, glaubt Kleine an sich und die Mannschaft: „Wir haben ja schon im Pokal bewiesen, dass wir da ganz gut mithalten können.“ Ein Jahr Vertrag hat er noch in Fürth, ein Jahr, das er in vollen Zügen genießen will. Was danach kommt, ist völlig offen. Aber einer wie Kleine ist nicht gänzlich unvorbereitet: Ein Fernstudium (Sportmanagement) hat er bereits begonnen, später wird sicher der Trainerschein folgen. Erst einmal steht aber noch das Abenteuer Bundesliga an. Und Kapitän Kleine will da vorangehen. 

Florian Pöhlmann

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