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Kollektive Ernüchterung beim Club

Verpatzte Nürnberger Heimpremiere: 1:2-Pleite gegen Freiburg - 29.08. 19:30 Uhr

NÜRNBERG  - Dieter Heckings Offenheit in Ehren, aber Gutes verheißt sein Statement nach der verpatzten Bundesliga- Heimpremiere nicht gerade. "Besser als in den ersten 40 Minuten können wir nicht spielen", verkündete der Trainer des 1.FC Nürnberg nach dem 1:2 (1:1) gegen den SC Freiburg. Hoppla: Wenn das schon das Nonplusultra gewesen sein soll, was der aktuelle Club-Kader zu leisten im Stande ist, dann drohen dem Relegationsteilnehmer der letzten Saison erneut stürmische Zeiten.


Das sah es noch gut aus für den 1. FC Nürnberg: Nach einer Viertelstunde köpfte Stürmer Juilan Schieber (Bildmitte) zur 1:0-Führung ein.
Das sah es noch gut aus für den 1. FC Nürnberg: Nach einer Viertelstunde köpfte Stürmer Juilan Schieber (Bildmitte) zur 1:0-Führung ein.
Foto: Wolfgang Zink

Dem verheißungsvollen Start mit dem Pokalsieg in Trier und dem Remis in Mönchengladbach folgte die kollektive Ernüchterung auf den Rängen. Trotz der frühen Führung durch Julian Schieber (15.) stand der Club am Ende mit leeren Händen da. Und das gegen lange Zeit defensiv und hausbacken agierende Breisgauer, deren Torjäger Papiss Cissé die Partie mit einem verwandelten Foulelfmeter (40.) und einem Kopfballtor (52.) drehte.

Der Gesamteindruck lässt vermuten, dass beim 1.FCN erneut Abstiegskampf pur angesagt ist. Hecking hat zweifellos Recht mit der Feststellung, dass seine Elf vor der Pause meist dominierte. Es war aber beileibe nicht so, dass sie die Freiburger nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und eine Torchance nach der anderen herausgespielt hätte. Dazu fehlte es dann doch an Finesse im Spielaufbau und an Durchschlagskraft im Strafraum. Es reichte zwar, um Freiburg ins Wanken zu bringen - aber wie will man so einen hochkarätigen Gegner knacken? Von der über weite Strecken dürftigen Darbietung im zweiten Durchgang ganz zu schweigen.

Die Nürnberger hatten vor 36.780 Zuschauern immerhin fast 40 Minuten Zeit, den 1:2-Rückstand noch umzubiegen. Die Pleite allein am Fehlen des erkrankten Spielmachers Ilkay Gündogan festzumachen, wäre zu billig. Zumal sein Vertreter Mehmet Ekici, die Leihgabe vom FC Bayern München, im zentralen Mittelfeld eine starke Leistung bot und vor allem bei Standards brandgefährlich in Erscheinung trat. So traf er in der 49. Minute per Freistoß die Querlatte.

Schieber sorgte für das frühe Führungstor

Zuvor war der junge Deutsch-Türke maßgeblich am Nürnberger Führungstreffer beteiligt gewesen. Nach einer Viertelstunde bugsierte er den Ball ebenfalls per Freistoß im hohen Bogen in den Freiburger Strafraum. SC-Torwart Simon Pouplin verschätzte sich gewaltig, Verteidiger Felix Bastians verlängerte unfreiwillig zu Club-Stürmer Schieber, der aus sechs Metern zum 1:0 einköpfte. Nach zähem Beginn war der Bann gebrochen - ausgerechnet nach einer Standardsituation, die in der vergangenen Saison wahrlich nicht zu den Spezialitäten der Franken zählten.

Fast hätte Schieber nach einer Flanke von Rückkehrer Mike Frantz auf 2:0 erhöht (23.), traf den Ball aber nicht richtig. Freiburg sah zunächst überhaupt kein Land, erst ein langer Pass des Ex-Nürnbergers Ivica Banovic auf Cedric Makiadi verschaffte den Freiburgern im gegnerischen Strafraum Präsenz (27.).

SC-Trainer Robin Dutt korrigierte die allzu passive Grundausrichtung seiner Elf mit der Hereinnahme von Stürmer Stefan Reisinger für Mittelfeldspieler Julian Schuster. Ein kluger Schachzug. Der Ex-Fürther, der schon vor Jahresfrist das entscheidende Tor zum Freiburger 1:0-Sieg in der Noris erzielt hatte, avancierte zum Wegbereiter des Ausgleichs.

Weil Neuzugang Per Nilsson nicht aufgepasst hatte, musste Andreas Wolf den durchgebrochenen Freiburger Joker im Strafraum höchster Not attackieren und traf ihn am Fuß. Schiedsrichter Tobias Welz entschied in seinem ersten Bundesliga-Spiel sofort auf Elfmeter und zeigte dem Club-Kapitän obendrein Gelb. Cissé verwandelte sicher - und ließ sieben Minuten nach dem Seitenwechsel seinen zweiten Treffer folgen.

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Freiburg bleibt der Angstgegner des 1. FC Nürnberg! Nach zwei Pleiten in der letzten Saison gab es für die Elf von Trainer Dieter Hecking auch bei der Bundesliga-Heimpremiere 2010/11 eine Bauchlandung gegen die Breisgauer.

Nach einer Flanke von Jonathan Jäger war der Senegalese, der schon beim Freiburger Auftaktmatch gegen St. Pauli (1:3) getroffen hatte, aus wenigen Metern mit dem Kopf zur Stelle und ließ die drei Nürnberger Verteidiger Javier Pinola, Wolf und Nilsson schlecht aussehen. Anstatt sich aufzubäumen, verkrampfte der Club mehr und mehr. Auch die Hereinnahme dreier Offensivkräfte - Debütant Robert Mak, "Phantom" Marek Mintal und Relegationsheld Christian Eigler - änderte nichts am fahrigen Spiel der Gastgeber.

"Wir haben es nicht mehr verstanden, so eine Dominanz wie im ersten Durchgang aufzubauen. Somit haben wir das mit Füßen getreten, was wir uns vorher aufgebaut hatten", ärgerte sich Hecking, während sein Kollege Dutt mit Wohlwollen bilanzierte: "Im Vergleich zur letzten Woche haben wir dazugelernt und die Führung über die Zeit gebracht." Für ein einzigen großen Aufreger im Freiburger Strafraum sorgte nach einer guten Stunde SC-Abwehrspieler Oliver Barth, als er in der Drehung den Ball mit der Hand berührte (62.).

Der Schiedsrichter unterstellte ihm keine Absicht und ließ weiterspielen. In der Schlussphase hätte es sogar noch schlimmer kommen können für den Club, doch Raphael Schäfer verhinderte mit einer Parade gegen Yacine Abdessadki das 1:3. Viel mehr hatte der Club-Torwart gar nicht zu tun an diesem Nachmittag. Das wird sich in den beiden folgenden Auswärtsspielen beim HSV und in Leverkusen sicher ändern.

Nürnberg: Schäfer - Judt, Nilsson, Wolf, Pinola - Hegeler (64. Eigler), Simons - Frantz (64. Mak), Ekici, Bunjaku (73. Mintal) - Schieber.

Freiburg: Pouplin - Mujdza, Barth, Butscher, Bastians - Schuster (29. Reisinger) - Abdessadki (90. Williams), Banovic, Makiadi, Jäger - Cissé (86. Krmas).

SR: Welz (Wiesbaden) / Tore: 1:0 Schieber (15.), 1:1, 1:2 Cisse (40., Foulelfmeter, 53.) / Zuschauer: 36780 / Gelbe Karten: Wolf, Ekicic - Mujdza.

  



Harald Büttner - Sport

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