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Kommentar: Bitter für Ballack

Kein Artenschutz nötig - 29.01. 18:56 Uhr

NÜRNBERG  - Mit 35 Jahren ist unsereins noch im besten Alter, am Arbeitsplatz sprüht man nur so vor Tatendrang, ist ein Quell nimmermüder Ideen und belächelt milde den Kollegen, der schon 711 Tage vor seinem 65. Geburtstag die Abschiedsfeier im Betrieb plant.

Michael Ballack
Michael Ballack
Foto: dapd
Michael Ballack
Michael Ballack
Foto: dapd

Nur hat das wahre Leben mit dem professionell betriebenen Fußball so viel zu tun wie das Dschungelcamp mit einem knallharten Überlebenstraining. Die Bundesliga ist grausam, und mitunter offenbart sie den Drang, ihre eigenen Kinder zu fressen.

Nun ist Michael Ballack kein Kind mehr, und es ist durchaus davon auszugehen, dass der ehemalige Capitano der Nationalmannschaft den ein oder anderen Euro, den er in seiner langen Laufbahn verdient hat, auch brav zurückgelegt hat. In der Diskussion um den gebürtigen Görlitzer, für den der Mauerfall in finanzieller Hinsicht einem Sechser mit Zusatzzahl gleichkam, muss sich niemand wirklich Sorgen machen. Marx und Engels wurden schließlich auch gestürzt, da ist es nicht einzusehen, warum die Entwicklung vor einem Ballack haltmachen sollte.



Artenschutz für alternde Mittelfeldspieler gibt es nicht, und Ballack kennt die Gesetze in der Bundesliga. Zig Kameras beobachten die Profis auf dem Rasen auf Schritt und Tritt. Genaugenommen auch die Auswechselbänke, was nun Ballack wieder ins Spiel bringt. Da wird jedes Nasepopeln mit einer eigenen 3-D-Analyse so akribisch wie knallhart aufgearbeitet. Insofern hat Ballack selbst die Diskussion erst in Gang gebracht: Er ging grußlos an seinem Trainer vorbei, nicht umgekehrt.

Eine Lösung in Leverkusen gibt es nicht. Die Pillendreher würden ihn auch vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen. Nur wer will ihn noch? Selbst beim Club hätten sie keine Verwendung für ihn, da setzt man ja auf die Jugend. Echt bitter für Ballack. 



Florian Pöhlmann

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