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Maroh und die fehlenden Millimeter

Club-Profi erträgt seine Reservistenrolle klaglos - 02.09. 18:16 Uhr

NÜRNBERG  - Oft sind es im Sport nur ein paar Zentimeter, die über Triumph oder Tragödie entscheiden. Und manchmal sogar noch weniger. Als "Millimeterentscheidung" bezeichnete Trainer Dieter Hecking die Maßnahme, Dominic Maroh zum Saisonstart die frustrierende Rolle des Reservisten zuzuweisen. Trotz einer guten Vorbereitung musste der 23-Jährige im Abwehrzentrum des 1.FC Nürnberg letztlich Andreas Wolf und Per Nilsson den Vortritt lassen. Der misslungene Auftritt des fränkisch-schwedischen Duos bei der 1:2-Heimpleite gegen den SC Freiburg lieferte freilich jenen Kritikern neue Nahrung, die Maroh prinzipiell eigentlich für den fähigsten Innenverteidiger in Nürnberger Reihen halten.


Grübeln statt Grätschen: Reservist Dominic Maroh wartet brav auf seine Chance.
Grübeln statt Grätschen: Reservist Dominic Maroh wartet brav auf seine Chance.
Foto: Wolfgang Zink

Maroh selbst mag sich an den Diskussionen um die Leistung seiner Kollegen verständlicherweise nicht beteiligen; auch neigt er nicht dazu, öffentlich seine Degradierung zu beklagen oder gar eine Wachablösung einzufordern. "Natürlich habe ich bis zuletzt gehofft, dass ich von Anfang an das Vertrauen des Trainers bekomme. Aber es war ein Dreikampf, und am Ende können eben nur zwei spielen", nimmt der stets faire Grätschkünstler, der vergangene Saison immerhin 26 Bundesliga-Einsätze bestritt, seine schwierige Situation ganz pragmatisch. Stattdessen rückt er als Teamplayer brav das Kollektiv in den Vordergrund: "Wichtig ist doch allein der Erfolg der Mannschaft."

Heckings Entscheidung sei "völlig in Ordnung", findet Maroh, zumal der Coach ihm seine Wahl erklärt habe: "Er hat gesagt, dass es sehr knapp war und gemeint, ich soll mich jetzt nicht hängenlassen." Auch vor der internen Konkurrenz zeigt der gebürtige Slowene, den just mit Ex-Nebenmann Wolf längst eine echte Freundschaft verbindet, großen Respekt: "Das sind zwei erfahrene Profis, die in ihrer Karriere schon einiges erlebt haben. Da muss man sich als jüngerer Spieler eben hinten anstellen."

Vor allem, wenn der eine Rivale der von der Mannschaft mit großer Mehrheit wiedergewählte Kapitän ist und der andere ein 450000 Euro teurer Neuzugang mit Länderspielerfahrung und Führungsqualitäten. "Über so was mache ich mir keine Gedanken. Ich bin überzeugt, dass bei uns alles sportlich fair abläuft", sagt Maroh. Auch Hecking versichert, dass in erster Linie "sportliche Gründe" den Ausschlag pro Wolf und Nilsson gegeben hätten: "Wir sind der Meinung, dass es so besser zusammenpasst."

Folglich dürfte sich an Marohs Status kurzfristig kaum etwas ändern. Nilsson muss derzeit zwar wegen einer schweren Rückenprellung pausieren, soll aber Anfang nächster Woche wieder ins Training einsteigen. Und auch der immer noch nach seiner früheren Form suchende Wolf steht kaum zur Disposition, weil sich Hecking mit dem Auftritt beim 1:1 in Mönchengladbach durchaus zufrieden zeigte und seine Stammelf nicht schon nach einem schlechten Saisonspiel in Frage stellen will.

Für Maroh lautet also die Devise, konzentriert weiterzuarbeiten, sich im Training anzubieten und für den Tag X gerüstet zu sein. "Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Ich glaube schon, dass ich noch gebraucht werde. Und ich habe immer gezeigt, dass man sich dann auf mich verlassen kann", betont Maroh, der auch keine Gedanken an einen Vereinswechsel verschwendet hat: "Jetzt abzuhauen wäre völlig falsch. Da bin ich nicht der Typ dafür." Zudem fühle er sich in Nürnberg sehr wohl, beteuert der 2008 vom SSV Reutlingen an den Valznerweiher gekommene Abwehrrecke, "ich bin ja glücklich hier". Auch wenn zur ganz großen Erfüllung wohl noch ein paar entscheidende Millimeter fehlen. 





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