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Meyer will kein Besserwisser sein

Der Ex-Clubtrainer sitzt seit kurzem im Gladbacher Aufsichtsrat - 20.09. 20:19 Uhr

NÜRNBERG  - Der Gesprächspartner trägt einen roten Pullover. Etwa aus Verbundenheit zum 1.FCN? "Nein, das ist reiner Zufall", stellt dessen ehemaliger Trainer Hans Meyer klar.

Hans Meyer
Hans Meyer
Foto: FCN
Hans Meyer
Hans Meyer
Foto: FCN

Aber er bekennt auch, dass er nach wie vor ein Faible für seinen ehemaligen Verein hat. Doch am kommenden Samstag wird der 68-Jährige die Sympathie unterdrücken, wenn die Nürnberger in Mönchengladbach antreten. Eine logische Verhaltensweise, denn schließlich gehört Meyer seit einiger Zeit dem Präsidium der Borussia an.



Wie kam es zu diesem Engagement, das in Fußballkreisen Überraschung ausgelöst hat? Die Gladbacher, die in der letzten Saison den Abstieg praktisch in letzter Minute verhindert haben und sich heftige Vorwürfe einer Opposition um Ex-Spieler Stefan Effenberg gefallen lassen mussten, unterbreiteten Meyer eine Offerte, die ihm behagte. „Es kann doch nicht schlecht sein, wenn ein fast 69-Jähriger, der 39 Jahre im Hochleistungsfußball tätig gewesen ist, seine Kompetenz einbringt“, begründet er seine Zusage.

Meyer als Berater, aber keineswegs als Besserwisser. „Es gibt auch Sitzungen des Präsidiums, bei denen ich nur interessiert zuhöre“, bekennt er. Gemeint ist dabei der ökonomische Aspekt. Die Tätigkeit bei den Gladbachern macht ihm Spaß und bedingt keinen Wohnortwechsel. Er fühle sich in Nürnberg pudelwohl und werde deshalb auch hier bleiben, sagt er im Brustton der Überzeugung. Und klärt auf, dass er keineswegs, wie man annehmen könnte, ein Berater mit Ferndiagnosen ist: „Ich fliege regelmäßig zu den Sitzungen am Dienstag. Einmal habe ich die Maschine nach Düsseldorf kurz nach 18 Uhr bestiegen und war um 23 Uhr schon wieder zu Hause.“

Hans Meyer fühlt sich in seiner neuen Funktion pudelwohl und denkt im Traum nicht mehr daran, auf die Trainerbank zurückzukehren. Könnte ihn aber nicht ein lukratives Angebot umstimmen? „Dieses Thema ist endgültig abgeschlossen“, behauptet er. Wankelmütig haben ihn auch nicht interessante Offerten von seriösen Bundesliga-Klubs – Namen verschweigt er – werden lassen. Im Leben des ehemaligen Club-Trainers hat sich ein Wandel vollzogen. Er kümmert sich mehr um seine zahlreichen Enkelkinder – und er hat ein neues Hobby, das ihn fasziniert: Drei Weltreisen, unter anderem in die Antarktis, in die Südsee und nach Australien waren der Anfang, die Schönheiten dieser Welt kennenzulernen.

Zurück zum Thema 1. FCN. Der hat ihn ein Dreivierteljahr nach dem Pokaltriumph entlassen, weil es in der Bundesliga nicht wunschgemäß lief. „Dinge, die persönlichen Belangen zuzuordnen sind, haben für mich keine Bedeutung mehr“, zieht er einen Schlussstrich. Ein Satz lässt aber aufhorchen: „Man darf in der heutigen Zeit keinen Dank erwarten. Nirgendwo. Auch nicht von den eigenen Kindern, die man liebevoll und großzügig aufgezogen hat.“ Aber der Schwenk auf eine positive Beurteilung der Tätigkeit am Valznerweiher gelingt. Er habe hier eine schöne Zeit erlebt und mit vielen tollen Menschen zusammengearbeitet, betont er.

Dem Club-Sportdirektor Martin Bader bescheinigt er, in den letzten Jahren mit der Verpflichtung der Trainer („Es begann mit Wolfgang Wolf und endet jetzt bei Dieter Hecking“) ein goldenes Näschen gehabt zu haben. Als einzige unrühmliche Ausnahme wertet er die Verpflichtung Thomas von Heesens. Die Tätigkeit von Hecking nötigt Meyer größten Respekt ab: „Was er mit seiner Truppe nach dem Abgang der vier Stammspieler Gündogan, Wolf, Ekici und Schieber bislang zeigt, ist richtig stark, ist toll. Schon das Auftaktspiel in Berlin war imponierend. Meyer zollt den Talenten seine Anerkennung, aber ein Riesenlob hat er für den Oldie der Truppe, für Timmy Simons, parat: Seine Verpflichtung sei ein absoluter Glücksgriff gewesen, „denn der Bursche spielt eine überragende Rolle und ist unersetzlich“.

Wenn es seine Zeit erlaubt, sitzt der im Ruhestand befindliche Trainer bei den Club-Heimspielen auf der Tribüne im Stadion. Der Dauerkartenbesitzer drückt der Mannschaft von Dieter Hecking kräftig die Daumen. Nur eben am Samstag beim Gastspiel in Mönchengladbach nicht. Dafür muss man Verständnis aufbringen. Denn wie heißt es bekanntlich so treffend: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. 



Dieter Bracke

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