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Bis zur letzten Sekunde hatten sich die vom Weltmeister von 1978 trainierten B-Junioren des Handball-Leistungszentrums (HBLZ) Großwallstadt einen packenden Kampf mit dem Post SV geliefert. Das bessere Ende in dieser Spitzenbegegnung mit Finalcharakter hatten die favorisierten Gäste, denen das hartumkämpfte 28:28 nun alle Möglichkeiten auf den Gewinn der bayerischen Meisterschaft offen lässt.
„Das war hohes deutsches Niveau“, lobte auch der ausgelaugte Post-Coach Heiner Böttger die Leistung beider Teams: „Es war ein hochklassiges Spiel, das wir hätten gewinnen müssen. Auf meine Mannschaft kann ich aber nichts kommen lassen.“ Die Chancen auf einen Sieg seiner Handballer im Prestigeduell mit der TVG-Junioren-Akademie waren jedenfalls da. „Wir haben die Grenze erneut nicht überschritten“, haderte Böttger. „Unser sportlicher Anspruch war ganz klar, Landesmeister zu werden. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht.“
Zwar darf die Post auf einen Patzer des HBLZ hoffen, um doch noch den Titel zu holen, „realistisch ist das aber nicht“, weiß Böttger. „Man muss bei 1:3-Punkten im direkten Vergleich akzeptieren, dass sie noch vor uns stehen. Wir haben eben nicht die Möglichkeit, eine Landesauswahl als Klubmannschaft zu präsentieren. Es ist schon ein Unterschied, wenn Geld und professionelle Strukturen dahinterstecken oder eben ‚nur‘ engagierte Leute wie Thomas Löw, Bernd Wittmann und ich.“
Während die Gäste in ihrer stärksten Besetzung anreisten und sich auf A-Jugend-erfahrene Auswahlspieler wie Jannik Kohlbacher, Sebastian Damm und Torhüter Dominik Plaue verlassen konnten, musste die Post auf Leistungsträger Timo Löw verzichten: Der Linkshänder hatte in der Vorwoche beim 19:13 beim HC Erlangen in der Schlussminute eine umstrittene Rote Karte gesehen und musste aufgrund der folgenden „unsäglichen Sperre“ (Heiner Böttger) zuschauen.
Dennoch spielten die Post-Junioren über 50 Minuten nicht nur auf Augenhöhe, sondern drückten der Partie in Hälfte eins den Stempel auf. Nach einem schnellen 1:3-Rückstand nahm der PSV um die überragenden Max Scheithauer und Johannes Bayer das Heft in die Hand und baute die eigene Führung vor den Augen des mitfiebernden Post-Präsidenten Carsten Eckardt mit gefährlichen Tempogegenstößen kontinuierlich aus.
Beim Stand von 14:9 für die Post nahm Gästetrainer Christian Plesser die überfällige Auszeit, in der sich das HBLZ tatsächlich erholte und danach zum 15:14-Pausenstand herankämpfte. Nach dem Wechsel agierte der Post-Nachwuchs erneut gedankenschneller, was Gästetrainer Manfred Hofmann derart in Rage versetzte, dass er im Stile Jürgen Klinsmanns nicht gegen eine Werbetonne, sondern energisch gegen die Hallenwand trat.
„Beim 22:19 hätten wir das Spiel für uns entscheiden müssen“, resümierte Heiner Böttger. Doch statt in Überzahl nachzulegen, schlichen sich nun wiederholt Abspielfehler ein, das nun physisch deutlich präsentere HBLZ drehte die Partie. „Wir mussten volles Risiko gehen, um eine Chance zu haben“, nahm Heiner Böttger seine Mannschaft in Schutz und lobte deren tolle Moral.
Denn 90 Sekunden vor Schluss hieß es bereits 26:28. Nach zwei schnellen PSV-Toren hatte Johannes Bayer den Sieg Sekunden vor dem Ende sogar in der Hand, scheiterte jedoch im Alleingang am glänzenden HBLZ-Torhüter Dominik Plaue – es blieb beim 28:28. „Da soll doch bitte nochmal jemand sagen, dass wir keine gute Jugendarbeit leisten“, meinte Weltmeister-Torwart Manfred Hofmann.
Während die Philosophie des Handballleistungszentrums darin besteht, mit einer professionellen Ausbildung junge Spieler gezielt an den Leistungs- und im besten Falle an den Profibereich heranzuführen – sechsmal Training wöchentlich ist da die Regel –, versuchen die Post-Verantwortlichen, vor allem über das Spielerische und den Zusammenhalt eine weitgehend ausgeglichene Mannschaft zu formen.
„Wir sind jetzt aber auch an einem Punkt angelangt, an dem man entscheiden muss, was man tut“, erklärt Heiner Böttger. „Wir haben eine sehr, sehr gute Generation und die Möglichkeit, in Nürnberg wieder Leistungshandball zu installieren.“ Nach dieser Saison wird sich dann zeigen müssen, welche Spieler bereit sind, den Weg in Richtung Leistungsbereich weiter zu verfolgen. „Das kann nur jeder Spieler selbst entscheiden“, sagt der Trainer und bricht eine Lanze für sein Team: „Die Entwicklung der Mannschaft macht mich stolz, sie hat einen klasse Handball gezeigt“, gerät Böttger geradezu ins Schwärmen.
Mo. 14.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12