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Weil zu einem Überraschungscoup gegen den deutschen Meister aber noch ein bisschen mehr gehört als nur ein guter Keeper, musste Schäfer knapp eine Stunde später ein 0:2 erklären – und konnte seine Enttäuschung nicht verhehlen.
Den „absoluten Knackpunkt“ für die Niederlage sah Schäfer weniger in den beiden Gegentoren der zweiten Halbzeit, als Borussia Dortmunds Profis längst Betriebstemperatur aufgenommen hatten und das Spiel kontrollierten. Vielmehr ärgerte sich Schäfer, dass sein Team es versäumt hatte, den anfangs schockgefrostet wirkenden Titelträger mit einem frühen Rückstand vielleicht dauerhaft aus der Spur zu bringen. „Gegen so eine gute Mannschaft muss man die wenigen Chancen, die sie uns angeboten hat, auch nutzen. Das haben wir leider nicht geschafft, und das ist sehr, sehr ärgerlich“, resümierte Schäfer. Und auch Routinier Timmy Simons pflichtete seinem Kapitän bei: „Wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, war es heute möglich, gegen Dortmund zu punkten. Sehr schade, dass wir es nicht geschafft haben.“
Dabei haderte der Belgier auch mit seinem Kopfball aus der elften Minute, den der Japaner Kagawa wohl sogar erst hinter der Linie klärte. Auch Trainer Dieter Hecking sah den Ball nach Studium diverser TV-Bilder „mehr im Tor als außerhalb“, wollte Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) aber keinen expliziten Vorwurf machen: „Das war eine Millimeterentscheidung.“ Konnte man bei dieser Situation noch von Pech reden, kam bei Tomas Pekhart schlicht und ergreifend blankes Unvermögen hinzu. Wie der Tscheche in der 19. Minute den Ball aus zwei Metern amateurhaft über das Dortmunder Tor drosch, war eines ambitionierten Nationalspielers jedenfalls unwürdig.
Wohl vor allem mit Blick auf jene Szene bemängelte Schäfer „fehlende Kaltschnäuzigkeit“ und appellierte an seine Kollegen, wieder „diese gewisse Geilheit auf Tore“ an den Tag zu legen. Oder weniger frivol formuliert: „Nicht irgendwie abschließen, sondern so, dass der Ball im Netz landet.“ Das freilich gelingt dem Club in dieser Saison eher selten. Mit 19 Treffern in 20 Spielen stellt Nürnberg gemeinsam mit Aufsteiger Augsburg die zweitschlechteste Offensive der Liga – nur Kaiserslautern präsentierte sich bislang noch harmloser (15). Im Mittelfeld ging von Christian Eigler, Jens Hegeler und Daniel Didavi erneut kaum Gefahr aus – alle drei brachten es bislang erst auf je ein Törchen. Der erhoffte Effekt durch die Einwechslungen von Alexander Esswein und Timothy Chandler blieb ebenfalls aus – auch weil die ball- und kombinationssicheren Gäste die Partie zu diesem Zeitpunkt souverän im Griff hatten.
Wenn sich zur kollektiven Torschusspanik dann auch noch individuelle Aussetzer im Defensivverbund gesellen, erscheint die elfte Saisonniederlage eben als logische Folge. Das 1:0 durch Sebastian Kehl, nicht gerade bekannt für ausgeprägte Goalgetter-Qualitäten, bezeichnete Coach Jürgen Klopp als „Dosenöffner“ an einem Abend, der dem neuen Tabellenführer erwartungsgemäß „harte Arbeit“ abverlangte, „weil mein Kollege ein sehr schlauer und cleverer Trainer ist“, wie Klopp generös in Richtung Hecking anmerkte.
Hecking, der sich zuvor am Spielfeldrand emotionale Wortgefechte mit Klopp geliefert hatte, blickte bei allem Frust dezent optimistisch in die Zukunft: „Ich bin sicher, dass die Mannschaft auch diese Lektion gelernt hat und die nötigen Punkte einfahren wird, auch wenn es in der Tabelle wie jetzt mal wieder etwas enger wird.“ Schäfer sieht seine Mannschaft ebenfalls „auf dem richtigen Weg“, allerdings gehe es „auch darum, Punkte zu sammeln, sonst bringt das ja nichts“. Am nächsten Sonntag beim Kellerkonkurrenten Augsburg sollte statt netten Komplimenten lieber etwas Zählbares herausspringen. Damit der Torhüter nicht wieder der Held für eine Halbzeit bleibt.

Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12