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Jedes Elfmeterschießen generiert Helden – strahlende und tragische. Uli Hoeneß kann ein Lied davon singen. „Ich habe ja auch mal einen wichtigen Elfmeter verschossen“, erinnert er an seinen legendären Fehlschuss im EM-Finale von 1976 gegen die Tschechen. Der Legende nach suchen sie den Ball, den er in den Nachthimmel von Belgrad drosch, noch heute.
Das Runde, das Bastian Schweinsteiger am Samstagabend um 23.25 Uhr partout nicht ins Eckige zu befördern vermochte, kullerte lediglich ein paar Meter weiter, nachdem es der 28-Jährige nach kurzem, unterbrochenem Anlauf an den rechten Pfosten bugsiert hatte. Frustriert und beschämt zog sich der Bayern-Vizekapitän das Trikot über den Kopf, und als Didier Drogba wenig später Chelseas Triumph zementierte, heulte „Schweini“ hemmungslos wie ein Schlosshund. Dass ihn der Ivorer kurz darauf tröstend in den Arm nahm, konnte seinen Schmerz auch nicht lindern. Apathisch, fast wie betäubt, trabte er eine Viertelstunde später an UEFA-Präsident Michel Platini vorbei, ohne sich die verhasste Silbermedaille umhängen zu lassen. Nicht einmal Bundespräsident Joachim Gauck reichte er die Hand.
„Das ist ganz, ganz bitter für ihn. Wenn so ein renommierter Nationalspieler verschießt, muss er das erst einmal verkraften. Das wird dauern“, fürchtet Heynckes, dass Schweinsteiger nun psychisch angeknackst zur Nationalmannschaft reist. Dabei war es ausgerechnet Schweinsteiger, der im Halbfinal-Rückspiel in Madrid den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte. „Das alles gehört nun mal zum Fußball, damit muss man umgehen können“, weiß Heynckes nur zu gut.
Vermutlich wäre der erst kürzlich wieder fit gewordene Schweinsteiger, dem die 120 Minuten besonders in den Knochen steckten, gar nicht in die Verlegenheit gekommen, einen Elfmeter schießen zu müssen, wenn Arjen Robben seinen im Spiel verwandelt hätte. Doch der Stürmer, der früher selbst bei Chelsea gespielt hat, scheiterte in der 94. Minute an Petr Cech. Ein ähnlich folgenschwerer Fehlversuch wie jener vor ein paar Wochen in Dortmund, der den Bayern die letzte Titelchance raubte. Immerhin hatte der Holländer in Madrid verwandelt, und im Pokalfinale eine Woche zuvor ebenfalls. „Ich bewundere seine Courage, immer wieder an den Punkt zu gehen“, staunte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über die Willenskraft des exzentrischen Stars, der nun „am liebsten eine Woche auf einer unbewohnten Insel verbringen würde“, wie er einem holländischen Reporter anvertraute.
Geht aber nicht, denn schon morgen muss er wieder ran in der Allianz Arena. Der FC Bayern lädt zum Kick gegen Hollands Nationalelf – garantiert ohne Elfmeterschießen.
So. 16.06.13
Fr. 14.06.13
Do. 13.06.13
Mo. 10.06.13
So. 09.06.13