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Sportvorstand Martin Bader will sein Ja-Wort geben

Interview über seinen Vertrag, das Stadion und die Sponsorensuche - 01.08.2012 18:59 Uhr

Es gibt viel zu tun für Martin Bader – auch im Trainingslager in Längenfeld hat Nürnbergs Sportvorstand das Handy immer auf Empfang.

Es gibt viel zu tun für Martin Bader – auch im Trainingslager in Längenfeld hat Nürnbergs Sportvorstand das Handy immer auf Empfang. © Wolfgang Zink




NZ: Herr Bader, Sie sind erst ein paar Tage später ins Trainingslager nach Längenfeld nachgereist. Lag noch zu viel Arbeit auf Ihrem Schreibtisch?

Martin Bader: Es gab schon einiges zu tun. Aber für mich persönlich war das erste Trainingslager in Oberstaufen wichtiger. Gerade am Anfang wollte ich sehen, wie sich die Sozialstruktur im Team aufbaut. Es geht darum, zu erkennen, wer sitzt am Erwachsenentisch oder wer nimmt unter den jungen Spielern schon eine Führungsrolle ein. Ich muss die Spieler herausfiltern, mit denen man Dinge umsetzen kann, sollte es mal schlechter laufen oder auch sehr gut. Ich kann ja nicht immer mit allen 25 sprechen.

NZ: Am Montag waren Sie in Nürnberg noch damit beschäftigt, persönlich den Neubau am Valznerweiher abzunehmen. Verlief alles, wie geplant?

Bader: Ich habe das ja nicht alleine gemacht. Der Architekt, unser Hausmeister und auch jemand von der Baufirma waren dabei. Das wird alles genau protokolliert. Im Großen und Ganzen ist alles genau dort, wo wir es haben wollen. Die Kleinigkeiten, ob da noch eine Türklinke oder eine Sichtblende verändert werden muss, kriegen wir auch noch problemlos geregelt. Wir liegen absolut in der Zeit und können uns sogar den Luxus erlauben, die Büros noch ein wenig leerstehen zu lassen. Denn wir werden erst einziehen, wenn das Club-Museum fertiggestellt ist. Spätestens in der Woche vor oder nach dem HSV-Spiel (25. August, Anm. d. Red.).

NZ: Beschreiben Sie doch kurz Ihren ersten Eindruck vom neuen Zuhause des 1.FCN.

Bader: Das ist schon beeindruckend. Und wenn das Ganze noch mit Leben gefüllt wird, wird das ja noch runder. Diese Möglichkeiten für den Lizenzspielerbereich, das Museum oder auch die neuen Bedingungen für die Angestellten, das ist schon enorm. Effektives Arbeiten ist gewährleistet.

NZ: Am 13. August tagt der Aufsichtsrat. Dabei geht es in erster Linie um die Verlängerung Ihres Vertrags bis 2017, die ja nur noch Formsache zu sein scheint...

Bader: Es gab zwei, drei Gespräche mit dem Vorsitzenden Klaus Schramm. Ich bin anfangs von insgesamt drei Jahren ausgegangen, also bis 2015, da mein Vertrag ja noch bis 2013 läuft. Deshalb war der Gedanke zunächst ein bisschen fremd, so lange zu verlängern. Aber wenn das der Wunsch des Aufsichtsrats ist, verschließe ich mich nicht – im Gegenteil. Es ist ja auch eine Dokumentation dafür, dass man mit meiner Arbeit zufrieden ist.

NZ: Die Sie inzwischen seit achteinhalb Jahren machen. Und Sie haben noch Visionen?

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Zum zweiten Mal in wenigen Wochen fährt der 1. FC Nürnberg in ein Trainingslager in die Berge. Im österreichischen Längenfeld will Dieter Hecking verstärkt Spielformen einüben, die Kondition sollte nach dem vorherigen Aufenthalt in Oberstaufen stimmen.


Bader: Wir sind doch längst noch nicht dort, wo wir uns selbst mit dem Verein gerne sähen. Wir haben jetzt erst eine Zwischenetappe geschafft. Das bedeutet, dass wir ein größeres Selbstbewusstsein entwickeln können. Denn wir müssten schon ganz viele Fehler machen, damit wir noch einmal abstürzen und es uns zerreißt. Von der Grundstruktur müssen wir weiter sein als viele andere Mannschaften. Ob es dann am Ende Platz zwölf, 13 oder neun ist, das sind Nuancen. Es geht darum, dass wir kontinuierlich in der Bundesliga spielen. Die wirtschaftlichen und sportlichen Voraussetzungen sind da. Mit dem neuen Funktionsgebäude, der Nachwuchsabteilung, dem Scouting, aber auch mit der momentanen Struktur in der Mannschaft. Außerdem haben wir im Trainerbereich seit zweieinhalb Jahren große Kontinuität. Vor einem Abstieg bist du zwar nie gefeit, Köln und Hertha haben es gezeigt, aber das sind hausgemachte Probleme. Und die müssen wir eben vermeiden.

NZ: Und sollte es anders kommen...

Bader: Für den Fall, dass es mal nicht funktioniert, gibt es auch Regelungen, damit der Verein sich von mir trennen kann. Ich kann ja nicht mit Trainern und Spielern über solche Sachen reden, ohne selbst ein Risiko zu haben. Das ist alles geregelt. Das ist mir auch wichtig, damit es hinterher nicht heißt, es wird an mir nur festgehalten, weil sie mich nicht entlassen können.

NZ: Welches Ziel wollen Sie konkret angehen?

Bader: Mit dem Status quo gebe ich mich nicht zufrieden. Das wichtigste Thema in den kommenden Jahren neben der Etablierung der Mannschaft und der weiteren wirtschaftlichen Gesundung des Vereins wird für uns sein, vernünftige Strukturen im Stadion zu haben.

NZ: Also doch kein Neubau in Eigenregie, wie zwischenzeitlich kolportiert?

Bader: Das ist nicht unbedingt unser Wunsch. Wir wollen eine Top-Spielstätte haben. In welcher Konstellation auch immer, idealerweise aber in Zusammenarbeit mit der Stadt. Spätestens ab 2015, wenn der Vertrag mit dem Stadion ausläuft, wollen wir den Betrieb mit der Stadt selbst übernehmen. Und dann auch mit der Vision, das Stadion zu einem reinen Fußballstadion umzubauen, mit den Vermarktungsmöglichkeiten, die 80, 90 Prozent der Bundesligisten schon haben. Wir wollen dahin kommen, dass der Betrieb für uns insgesamt mehr abwirft, aber die Stadt nicht mehr kostet. Mit dem Stadion wollen wir keine Flickschusterei betreiben, das ist in Nürnberg schon zu oft passiert.

NZ: Eine Unterschrift wird es demnächst auch unter einen neuen Dreijahresvertrag für Mittelfeldspieler Mike Frantz geben.

Bader: Wir haben uns intensiv ausgetauscht, es ist der Wunsch von beiden, über drei Jahre zu verlängern. Wir werden das nun in Papierform gießen und unterschreiben. Aber das wird nicht vor nächster Woche passieren.

NZ: Und wann nehmen Sie sich den aus wirtschaftlicher Sicht unverzichtbaren Trikotsponsor zur Brust?

Bader: Es ist im Moment nicht leicht, weil wir eben gewisse Vorstellungen haben. Viele Gespräche laufen bis zu einem gewissen Punkt gut, aber dann bekommt doch das eine oder andere Unternehmen Angst vor der eigenen Courage und möchte warten, weil die Perspektive für die Konjunktur nicht gerade die beste ist. Aber wir haben den Anspruch, unser sehr, sehr gutes Produkt, die Brust des 1.FC Nürnberg, so gut es geht zu vermarkten. Dafür warten wir dann eben noch die eine oder andere Woche.
  

Fragen: Stefan Jablonka

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