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Die Tasche mit den Tanzutensilien hat sie am Vorabend gepackt, den Selbstbräuner bereits am Donnerstag angelegt und selbigen unter einem hochgeschlossenen Rollkragenpulli versteckt, „weil sonst die Kommilitonen dumme Bemerkungen machen.“ Die Studentin der Geschichte für das Lehramt ist bestens vorbereitet für den großen Tag.
Samstag, Punkt acht Uhr, klingelt der Wecker. Valeria treiben Ehrgeiz, Aufregung und die Vorfreude auf ein „großes emotionales Erlebnis“ – das vierte Bundesligaturnier – aus den Federn. Es folgt das Frühstück mit Eiern, Konfitüre, Müsli. Das ist Nahrung für die Nerven und die Substanz – „sonst nehme ich noch ab“. Dann geht’s zur Halle am Berliner Platz, wo sie um 12 Uhr auf ihren Tanzpartner Heiko Dinfelder und die anderen 14 Kollegen der Standard-A-Tanzformation des TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg trifft.
In der Halle üben auch die „Lateiner“, unter ihnen Vereinskollege Marco Scherer (23) sowie Partnerin und Lebensgefährtin Elena von Hanstein (22), für die der Tag bereits um sechs Uhr begonnen hat. Unter den strengen Augen von Trainer Ingo Körber testen sie das Parkett und absolvieren das komplette Programm, bestehend aus Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive, die sogenannte Stellprobe. Körber hält mit der Videokamera alles fest. Um 13 Uhr sind die Standardtänzer an der Reihe. Anschließend bespricht Trainerin Andrea Grabner letzte Einzelheiten und schwört ihr Team auf baldige Großtaten ein.
Danach und zwischendurch essen die Tänzer eine Kleinigkeit – Gesundes vom mitgebrachten Buffet. Um 14 Uhr steht ein ganz wichtiger Termin an: Schminken und Frisieren. Dafür ziehen sich die acht weiblichen Mitglieder ins improvisierte Haarstudio zurück. Gelen, Sprayen und Legen – für Elena kein Problem. Vor vier Jahren, als sie den Sprung ins Standard A-Team schaffte, wurde sie zur „Tanzfriseuse“ erkoren. Eine gute Wahl, schließlich „haben wir von Januar bis März Friseurverbot“, sagt Valeria lachend, die den „Job“ liebt.
Die Halle füllt sich, Freunde und Verwandte tummeln sich. Für die Lateiner beginnt nun die heiße Phase kurz vor dem Auftritt. Noch 30 Minuten warm machen und los geht’s: Angeführt von Körber schreitet das Team auf die Bühne. Körber setzt sich auf den Trainerstuhl, das Maskottchen „Brot“ – ein Plüschlöwe passend zum Motto „Children of Africa“ – fest im Arm. Die nächsten sechs Minuten gilt es für Scherer, von Hanstein und Co. Scherer gibt alles, schmilzt dahin – es ist ein Riesenerlebnis für den tanzbesessenen Architekturstudenten. Unfassbare 28 bis 30 Stunden pro Woche widmet der 20-Jährige seiner Leidenschaft. Am Ende strahlt er übers ganze Gesicht: „Das Publikum gibt uns unglaubliche Energie.“ Platz sieben und der Abstieg in die Regionalliga sind fast zweitrangig. Da er diesmal auf einen Start in der Standard-B-Formation verzichtet, ist Scherers sportliches Tagwerk damit beendet.
Auch für Valeria beginnt der Countdown. 45 Minuten vor dem Auftritt herrscht in den Katakomben Hochbetrieb. Und rein in die Robe! Die Nürnberger Schneiderkunst offenbart einen Traum von einem Kleid: Knallorange mit einer pinken Schärpe und einem silbernen Gürtel – eine wahre Augenweide, schließlich soll Joe Cockers „Unchain my heart“ (Die Befreiung des Herzens von inneren Ketten) auch optisch zelebriert werden. Es folgen ein letzter magischer Kreis und ein kollektiver Schrei.
Die Auslosung ergab: Casino tanzt zuerst: Um 19.10 Uhr hat das Warten ein Ende. Andrea Grabner führt ihre Truppe unter ohrenbetäubendem Lärm von 700 Zuschauern auf die Bühne, ein großes Plüschherz im Arm. Die Vorrunde verläuft noch verhalten, doch im Finale rocken sie die Arena, und das Publikum flippt förmlich aus. „Adrenalin pur“, inhaliert Valeria, wie sie hinterher begeistert berichtet. Auch Grabner gibt ihre Zurückhaltung auf. „Wir waren super“, lobt die Trainerin. „Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben: das tänzerische Potenzial zu erhöhen, den Ausdruck zu verbessern und in jeder Sekunde Präsenz zu zeigen.“
Danach wird kräftig gefeiert. Die After-Show-Party am Venusweg, dem Hauptquartier von Rot-Gold-Casino geht bis zum frühen Morgen. Mitorganisiert übrigens von Valeria Svirskaja und Marco Scherer, bei denen am nächsten Tag garantiert kein Wecker klingelt.
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12