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„Dieses Bayern-Derby ist immer ein besonderes Spiel, auf das man sich freut. Auch das Niveau war gut“, sagte Diagonalspielerin Hänsel später. „Umso enttäuschter ist man, wenn man so verliert.“ Als aussichtslos schätzt die 30-Jährige die Situation des VfL nicht ein. „Aber die Luft wird dünner.“ Und zu Hause mit ihrem Ehemann ist es zunehmend frustrierend, ständig über den Abstiegskampf zu sprechen. „Bei uns wird jede freie Minute in Volleyball investiert, da wünscht man sich einfach mal ein Erfolgserlebnis.“
Zunächst sah es sogar danach aus, als ginge dieser Wunsch gegen den Erzrivalen in Erfüllung. Von der ersten Sekunde an waren die Gastgeberinnen voll da. Sie setzten Lohhof sofort mit dem Aufschlag unter Druck, der Block stand bombensicher, und die Schmetterbälle krachten ins gegnerische Feld. Nach dem 3:1 entwickelte sich ein zähes Ringen mit dem SVL, der auch mit 9:8 und 10:9 in Führung ging. Als eine Einheit, deren Feuer und Entschlossenheit spürbar war, zwangen die VfL-Frauen die Gäste aber immer wieder zu Fehlern und erspielten sich so einen Sechs-Punkte-Vorsprung (19:13). Als seine Frau Sabrina mit einem platzierten Diagonalschlag zum 24:21 den Satzball holte, ballte Trainer Michael Hänsel die Becker-Faust. Er musste allerdings wieder zittern, denn noch dreimal glich Lohhof aus, bis die VfL-Frauen den ersten Durchgang verdient mit 28:26 unter Dach und Fach bringen konnten.
Wer nun glaubte, ein knapp gewonnener, mit großem Willen erkämpfter Satz wäre Balsam fürs Selbstvertrauen und gäbe einen Schub, der sah sich getäuscht. Das Gegenteil war der Fall. „Sie haben sich von den Fehlern am Ende des ersten Satzes verunsichern lassen, statt sich mit dem Satzgewinn aufzubauen“, sagte Trainer Hänsel. „Dadurch sind sie wieder in den Fehlermodus hineingekommen.“
Plötzlich wirkten die Nürnbergerinnen wie gelähmt und agierten fahrig. „Das war wohl Angst vor der eigenen Courage“, vermutete Sabrina Hänsel. Schnell waren der zweite und dritte Satz weg. Im vierten Durchgang war bis zum 6:6 ein Aufbäumen spürbar, doch nach dem 6:7 und einer unberechtigten Gelben Karte für VfL-Coach Hänsel riss der Faden erneut.
Außenangreiferin Florentina Büttner (23) war ratlos: „Wenn wir wüssten, warum wir nicht konstant spielen, würden wir’s ändern und alle Spiele gewinnen.“ Eine Erklärung fand auch Annette Groner nicht. „Wir hatten uns viel mehr vorgenommen“, sagte die 29-jährige Zuspielerin. Sie glaubt weiter an den Klassenerhalt. „Solange es rechnerisch möglich ist, gebe ich die Hoffung nicht auf. Nach der halben Saison den Kopf in den Sand zu stecken, das macht kein Sportler.“ Der Coach ist für Groner nicht der „Sündenbock“: „Wir kommen jede Woche mit Begeisterung ins Training, sind motiviert und haben Spaß, auch mit unserem Trainer.“
Michael Hänsel, ehemaliger Bundesligaspieler in Dachau, Unterhaching und Eltmann, ist durchaus kritisch mit sich, zumal der VfL Nürnberg für ihn die erste Station als Chefcoach ist. „Ich muss mich als Trainer ganz klar hinterfragen“, sagte der 33-Jährige, der beim VfL bereits als Co-Trainer unter Michael Raddatz gearbeitet hat. „Aber ich habe ein gutes Gewissen, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich werde weiter alles versuchen.“
Die Lage des VfL Nürnberg ist allerdings schon jetzt prekär, das weiß auch der Coach: „Um nicht abzusteigen, brauchen wir Schützenhilfe von den anderen Teams.“ Und einen Sieg am Samstag in Vilsbiburg.
VfL: Groner, Muswieck, Wrede, Hänsel, Büttner, Müller, Wirth, Colburn, Soloninkina, Neumüller.
Mo. 07.05.12
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12