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"Typisch Club? Diesmal nicht!"

Sportvorstand Martin Bader blickt der Rückrunde mit Zuversicht entgegen - 18.01. 20:15 Uhr

NÜRNBERG  - Der Rückrundenstart am Samstag gegen Hertha BSC Berlin bietet dem 1.FC Nürnberg zumindest in statistischer Hinsicht einen Grund zum Feiern. Sportvorstand Martin Bader ist zuversichtlich, dass der Club auch am Saisonende jubeln kann.

Auch Sportvorstand Martin Bader ist froh, wenn der Ball wieder rollt.
Auch Sportvorstand Martin Bader ist froh, wenn der Ball wieder rollt.
Foto: Wolfgang Zink
Auch Sportvorstand Martin Bader ist froh, wenn der Ball wieder rollt.
Auch Sportvorstand Martin Bader ist froh, wenn der Ball wieder rollt.
Foto: Wolfgang Zink

NZ: Am Samstag tritt der Club zum 1000. Mal in der Bundesliga an. Angesichts der sportlichen Brisanz dürfte dieses Jubiläum für Sie allenfalls eine nette Randnotiz darstellen.

Martin Bader: Keineswegs. Ein 1000. Bundesligaspiel ist eine Auszeichnung, auf die wir stolz sind. Es ist aber auch eine Verpflichtung, noch viele weitere folgen zu lassen. Und da ist die Partie gegen Berlin natürlich sehr wichtig. Ein guter Auftakt ist immer hilfreich, um den Glauben zu erzeugen, den man braucht, um in einer komplizierten Rückrunde zu bestehen. Und wir würden gerne den Schwung aus der Vorbereitung mitnehmen, wo gut und konzentriert gearbeitet wurde. Aber es kommen auch noch 16 weitere Spiele, deshalb werden wir nicht alles von dieser Partie abhängig machen.



NZ: Wie weit spukt denn die Derbypleite noch im Hinterkopf herum? Haben Sie das Gefühl, für die Fans ist diese Blamage abgehakt, oder besteht noch Rehabilitationsbedarf?

Bader: Einerseits müssen wir dieses Spiel abhaken, weil wir es nicht die ganze Zeit als Rucksack mit uns herumschleppen können und dabei vielleicht vergessen, uns auf den Klassenerhalt zu konzentrieren. Denn der steht über allem. Aber die Niederlage wird immer als Makel in unserer Historie bleiben, davon kann sich kein beteiligter Spieler lösen. Diesen Spagat müssen wir hinbekommen und das Vertrauen der Fans durch gute Leistungen in der Rückrunde wieder zurückgewinnen.

NZ: Nach dem massiven Verletzungspech in der Vorrunde begann auch das neue Jahr mit einigen Tiefschlägen. Wie hoch war im Trainingslager in Belek der Frustfaktor?

Bader:Ich muss vor Dieter Hecking den Hut ziehen, wie er es immer wieder hingekriegt hat, sich nicht runterziehen zu lassen und womöglich Mannschaft und Trainerstab anzustecken mit einer Frustration, die natürlich da ist. Wenn man eine Idealformation im Kopf hat und ständig bricht ein Baustein raus, dann ist das bitter. Aber es zeichnet Hecking aus, dass er sich nicht mit Dingen beschäftigt, die er nicht ändern kann, sondern versucht, aus seinen Möglichkeiten das Optimale rauszuholen. Der Trainer gibt allen Spielern das Gefühl, dass sie wichtig sind und er ihnen vertraut. Aber wir wollten natürlich hohen Konkurrenzkampf im Kader haben, um bei jedem die bestmögliche Leistung herauszukitzeln, deshalb tut jeder Ausfall weh.

NZ: Mit Hanno Balitsch wird ein wichtiger Neuzugang ebenfalls zumindest in den ersten beiden Spielen verletzt ausfallen. Hätte man bei seiner Verpflichtung vielleicht genauer hinschauen müssen? Wäre ein Transfer dann womöglich gescheitert?

Bader (erbost): Wir hätten ihn trotzdem geholt! Sein Vertrag ist auf zweieinhalb Jahre angelegt und nicht auf zwei Spiele. Wer so etwas Blödsinniges sagt, hat keine Ahnung von der Materie. Das ist dummes Gequatsche. Balitsch saß bei Bayer im letzten Vorrundenspiel gegen uns auf der Bank und hat hier zunächst auch ganz normal mittrainiert, bis die alte Verletzung aufgebrochen ist. Das hätte auch vier Wochen später passieren können. Und es ist ja kein Kreuzbandriss. Wir haben ihn natürlich vor seiner Verpflichtung sportärztlich untersucht und Chancen und Risiken abgewogen. Und da war überhaupt kein Risiko. Aber wir hatten die Chance, einen Qualitätsspieler zu holen, der in der Saison unter Jupp Heynckes, als Leverkusen Vizemeister geworden ist, 24 Einsätze absolviert hat. Und auch Peter Hermann (ehemaliger Co-Trainer bei Nürnberg und Leverkusen, Anm. d.Red.) hat uns bestätigt, dass wir einen Guten bekommen.

NZ: Abwehrspieler Omar Gonzalez, der ausgeliehen werden sollte, musste nach seinem Kreuzbandriss wieder abreisen. Sind Sie dennoch mit Ihren Transferaktivitäten zufrieden?

Bader: Schlimm, wenn ich es nicht wäre. Die Sache mit Gonzalez ist natürlich schade, weil das eine hochinteressante Geschichte gewesen wäre. Aber auch das ist nicht mehr zu ändern und gehört zum Fußball eben dazu.

NZ: Werden Sie in der Innenverteidigung noch einmal nachrüsten oder vertrauen Sie lieber auf Per Nilsson, der nun ja wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist?

Bader: Wir haben immer gesagt: Wenn Pelle Nilsson oder Mike Frantz so wettkampffähig zurückkommen, dass sie eine Alternative sind, dann brauchen wir da keinen Aktionismus zu betreiben. Die Entwicklung bei Nilsson ist erfreulich, aber ihm fehlen noch der Rhythmus und die körperliche Konstitution. Das Gleiche gilt für Frantz. Javier Pinola wird in drei bis vier Wochen zurückkehren, Juri Judt kann in den nächsten Tagen ins Mannschaftstraining einsteigen. Und ich hoffe, dass auch Timothy Chandler und Timm Klose in zehn bis 14 Tagen wieder voll dabei sind. Das ist doch alles absehbar. Sollen wir die jetzt alle wegschicken und dafür neue Spieler holen? So etwas machen vielleicht andere Vereine. Außerdem gibt es keine Alternative zu wirtschaftlicher Vernunft. Wir werden den Club nicht sehenden Auges extrem verschulden.

NZ: Gibt es Spieler, von denen Sie sich in der Rückrunde einen Schritt nach vorne erhoffen?

Bader: Ein Daniel Didavi, der fast die ganze Vorrunde ausgefallen ist, hat angedeutet, dass er die Qualität mitbringt, uns zu helfen. Darauf freuen wir uns. Aber auch Alexander Esswein, Philipp Wollscheid, Almog Cohen, Christian Eigler. – jeder hat noch Luft nach oben. Hätten alle so gespielt wie in der vorherigen Saison, hätten wir fünf Punkte mehr und einige Sorgenfalten weniger.

NZ: Der Vertrag mit Timmy Simons wurde jüngst um zwei Jahre verlängert. Wie sehen die Planungen bei Dominic Maroh, Christian Eigler, Juri Judt und Albert Bunjaku aus?

Bader: Wir setzen die Gespräche dann fort, wenn wir einen großen Schritt in Richtung unserer Hausaufgaben gemacht haben. Jeder hat die Chance, sich zu zeigen und uns Argumente zu geben, warum und zu welchen Konditionen wir uns um ihn bemühen sollten. Alle haben entsprechende Signale bekommen, aber es steht zunächst nicht das Einzelschicksal im Vordergrund, sondern die Gesamtsituation. Nur bei Timmy war es von der Lebensplanung her eine ganz andere Ausgangslage. Wir mussten uns entscheiden, sonst hätte er für die nächsten zwei Jahre bei Anderlecht oder Brügge unterschrieben. Und mit ihm wollten wir ja schon im Sommer verlängern. Nachdem er jetzt grünes Licht von seiner Familie bekommen hatte, war die Sache klar.

NZ: In der vergangenen Saison ist mit Eintracht Frankfurt noch eine Mannschaft abgestiegen, die zur Winterpause niemand auf der Rechnung hatte. Haben Sie ein Team im Auge, dem es heuer ähnlich ergehen könnte?

Bader: Ich hoffe natürlich, dass sich der Abstiegskampf nicht nur auf drei oder vier Mannschaften konzentriert. Wenn wir gegen Hertha gewinnen, überholen wir sie in der Tabelle, wenn Köln verliert, sind die auch wieder mit dabei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Teams, die momentan unten drinstehen, den Abstieg unter sich ausmachen, ist natürlich groß. Aber wenn wir wieder unsere 18 bis 20 Punkte holen, gehe ich schwer davon aus, dass wir die Klasse halten.

NZ: Sie haben oft betont, dass 2012 für den 1.FCN ein richtungweisendes Jahr werden kann – neues Funktionsgebäude, bessere finanzielle Möglichkeiten durch höhere TV-Einnahmen

Bader: Exakt. Dieser Verein ist auf einer sehr guten Entwicklungsstufe. Es heißt immer, man braucht drei Jahre in der Bundesliga, um mal richtig atmen zu können. Wir haben viele Weichen gestellt, der Club ist inzwischen wesentlich stabiler und hat mehr Substanz als 2008. Auch durch einen Abstieg würde der Verein zwar zurückgeworfen, aber nicht in seinen Grundfesten erschüttert. Ein längerer Aufenthalt in der 2. Liga wäre natürlich eine Katastrophe. Aber warum sollten wir denn mit 18 Punkten jetzt in Depression verfallen? Klar, wir sind gebrannte Kinder aufgrund des unerklärlichen Abstiegs 2008, und reflexartig kommt das bei allen wieder hoch: Jetzt abzusteigen, wäre typisch Club. Aber vielleicht ist es ja mal nicht typisch, und wir schaffen das. Wir glauben jedenfalls fest daran und werden alles dafür tun. 



Fragen: Uli Digmayer

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Der Club-Kader in der Saison 2011/12

Galerie Kader 1. FC Nürnberg 2011/12

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