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Schlittschuhe an, raus aufs Eis und einfach drauflos. Bodychecks gehören genauso wenig zur Tagesordnung wie Schlagschüsse. Vor einer Woche besann sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) der Wurzeln seines Sports und lud zum 2. Pond-Hockey-Cup auf den Riessersee südlich von Garmisch. Mit dabei waren die Eisbären Lauf, eine Hobbymannschaft, die sich aus Spielern aus Nürnberg und der Umgebung zusammensetzt. Gleich zwei Teams stellten die Franken. Eines mit dem Namen „Eisbären“ und eines, das unter dem Etikett „Tanzbären“ firmierte, was den Freizeitspielern eine besondere Auszeichnung bescherte. Markus Möwius, Nikolaus Holdenried, Daniel Schulz, Thomas Neumann, Richard Surma, Marc Rösch und Philipp Dermer, der wegen einer Knieoperation als Betreuer für seine Teamkollegen sorgte, holten sich den Preis für die „beste Kostümierung“ – einen Kasten Bier, überreicht von DEB-Präsident Uwe Harnos.
Über die Homepage des Verbandes war die Hobbytruppe aus der Region auf den Wettbewerb auf dem Riessersee gestoßen. „Da haben wir dann nicht mehr lange überlegt“, sagt Möwius, der so eine Art Reise- und Vergnügungswart bei den Eisbären ist. Um das Aufgebot in zwei Mannschaften aufteilen zu können, „gab es ein knallhartes Casting“, erzählt Möwius schmunzelnd.
Im richtigen Leben arbeitet er als Wertpapierspezialist bei einer Direktbank. An den Wochenenden widmet er sich in der kalten Jahreszeit dem Eishockey. Seine Frau Anita begleitete das Team wie viele andere Frauen und Freundinnen der Eisbären mit an den Riessersee. Annika, die fünfjährige Tochter, durfte das Wochenende bei der Oma verbringen. Für Enkelkinder kann so was ja genau so spektakulär sein wie für einen 30-jährigen Familienvater zwei Tage, an denen er mit seinen Kumpels übers Eis flitzen und feiern kann. Gemeinsam hatte die fränkische Reisegruppe in einem Hostel im Ort eingecheckt. „Wir haben die Low-Budget-Variante gewählt“, so der „Reiseleiter“ der Nürnberger.
Insgesamt 56 Amateurmannschaften und 21 mit Profis gespickte Teams gingen auf dem eigens von einem österreichischen Spezialisten präparierten See auf Torejagd. Rundherum sorgten ein Spektakel mit Verpflegungsständen, Eishockey-Zubehör und Rahmenprogramm sowie rund 3000 Zuschauern für Volksfest-Atmosphäre. Abends kam das Miteinander nicht zu kurz. Amateure und Profis mischten sich bei der Spieler-Party.
Es wurden reichlich Kontakte geknüpft, einstige deutsche Eishockey-Größen und Hobbyspieler saßen zum Fachsimpeln zusammen. „Es ist selten, dass man solche Leute so locker erlebt“, berichtet Möwius von Unterhaltungen wie der mit dem ehemaligen Bundes- und Meistertrainer Hans Zach. Der sonst oft so knorrige Tölzer machte seinem Ruf bei der Gaudi-Veranstaltung keine Ehre.
Auch der frühere Torjäger Dieter Hegen, Peter-John Lee, heute Manager des Spitzenteams Eisbären Berlin, oder DEB-Generalsekretär Franz Reindl mischten mit bei dem bunten Treiben auf und neben der Spielfläche. „Es macht einfach Spaß“, erfreute sich Reindl an der Stimmung. „Die Highlights waren ganz klar der Gewinn des Kostümwettbewerbs und die Begegnung mit Zach“, erinnert sich Möwius.
Obwohl sich die „Tanzbären“ auch sportlich gut verkauften und nach vier Siegen und zwei Niederlagen als Zweiter ihrer Gruppe ins Achtelfinale einzogen. Eine ihrer Niederlagen kassierten die Männer in den Bärenkostümen, die sie im Internet für 20 Euro pro Stück erworben hatten, gegen ihre Mitstreiter von den „Eisbären“. Glücksgöttin Fortuna erlaubte sich bei der Auslosung das Späßchen, die zwei Teams aus dem gleichen Klub in eine Gruppe zu befördern. Die Eisbären gewannen alle sechs Spiele wie auch die Gruppe und schafften es gar bis ins Viertelfinale des Amateurklassements.
Alles in allem entpuppte sich der Ausflug als runde Sache. Im nächsten Jahr soll der Titel im Kostümwettbewerb selbstredend auf dem Riessersee verteidigt werden. Dort, wo die Taktik selbst für gestandene Trainer wie Zach keine große Geige spielt.
Do. 24.05.12
Mi. 23.05.12
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12