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Die Nachrichtenagenturen zitierten Sammer in Zusammenhang mit der Meldung, dass der 17-jährige Schalker Jungprofi Julian Draxler auf Anraten seines Trainers Felix Magath die Schule abgebrochen hat, um sich ganz dem Fußball zu widmen.
Die Bertolt-Brecht-Schule liefert derzeit jedoch das beste Beispiel, um Sammers These zu widerlegen: In acht Wochen wird dort ein gewisser Ilkay Gündogan seine Abiturprüfungen schreiben, und das vor allem dank einer intensiven individuellen Förderung seiner Schule. „Die BBS soll ja auch einer der Gründe gewesen sein, warum er von Bochum nach Nürnberg gekommen ist“, formuliert es Schmidt vorsichtig. Gündogan und seine Eltern wollten, dass er Abitur macht, doch im heimischen Nordrhein-Westfalen klappte mit der Schule nicht, was in Nürnberg funktioniert.
„Es ist machbar, Leistungssportler individuell entsprechend zu fördern, wenn auch mit viel Aufwand und Mühe, und bei Fußballern ist es noch schwieriger als bei anderen Sportarten“, sagt der BBS-Direktor. „Nachführunterricht“ heißt das Zauberwort im Beamtendeutsch, um verpassten Stoff und Prüfungen nachzuholen. Dabei hilft ein spezieller Lernberater, der die notwendigen Maßnahmen koordiniert. Der heißt an der BBS Uwe Köberlein, der als früherer Schiedsrichter und Lehrwart eine Fußballaffinität nicht leugnen kann.
Und die BBS reizt die staatliche Schulordnung voll aus, um „bei ganz besonderen Ereignissen“ ihre Spitzensportler wie Gündogan vom Unterricht zu befreien. Schmidt macht kein Hehl aus der Tatsache, dass die Maßnahmen und der hohe Ressourceneinsatz der Schule an den Rand der personellen Kapazitäten gehen, aber „das entspricht der Philosophie unserer Schule“. Wobei Gündogan nicht der erste Fußballprofi ist, den die BBS zum Abitur führt. Der erste war vor einigen Jahren Patrick Schönfeld, der heute bei Rot-Weiß Oberhausen in der 2.Liga spielt.
Gündogan selbst weiß den Einsatz seiner Schule wohl zu schätzen, ohne dass er groß Aufhebens macht angesichts der aktuellen Doppelbelastung. Aber der 20-Jährige räumt durchaus ein: „Es ist nicht leicht, wenn man frühmorgens vor dem Training eine Klausur schreibt, dann zwei Trainingseinheiten hat und zwischendurch nochmal in die Schule muss“, sagte er in einem Interview für den Bayerischen Fußball-Verband. Anstrengend sei es, aber kein Stress. „Ich nehme mir durchaus Phasen zum Entspannen. Und genaugenommen sehe ich die Schule nicht als Belastung, sondern als Abwechslung zum Fußball.“

Do. 24.05.12
Do. 24.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12