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Wir beginnen am Kettensteg. Was Sie über diesen wissen wollen, steht auf einer Bronzetafel. Die revolutionäre Statik einer Hängebrücke hatten die Erbauer gut berechnet, aber nicht mit den bösen Buben gerechnet, die die Konstruktion immer wieder aufgeschaukelt haben. Deshalb wurden um 1930 Stützen darunter gestellt. Erst dank des Vereins „Baulust“ hängt der Steg jetzt wieder frei. Sie können gerne probieren, ob er wieder schaukelt.
Wir gehen über den Steg und am nördlichen Pegnitzufer weiter, also dort, wo der rosarote ovale Turm steht. Ein automatisches Klappwehr regelt hier den Wasserstand. Bis zur Kriegszerstörung haben an beiden Ufern große Mühlenanlagen gehämmert, geschmiedet, gesägt, geschliffen, poliert und gedrechselt. Die Nägeleinsmühle am gegenüberliegenden Ufer hatte zwölf Mühlräder, darunter ein Pumpwerk, das das Wasser aus einem nahe gelegenen Grundwasserbrunnen in einen Turm hob, von wo es unter Druck den Tritonenbrunnen speiste.
Von hier aus machen wir einen Abstecher in das Kreuzgassenviertel, das in den 1980er Jahren erbaut wurde. Wenige Schritte vom Fluss entfernt ist der Kaspar-Hauser-Platz. Eingefasst von allerliebstem Sichtbeton links, sperrholzartigen Holzfassaden rechts und Stahlkonstruktionen geradeaus , die an den Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses erinnern, haben wir Gelegenheit, uns über zeitgenössische Architektur Gedanken zu machen.
Am Ende des Platzes führt rechts eine Gasse bis zur Stadtmauer. Wieder nach rechts gehen wir diese entlang. An deren Ende steht ein schönes Fachwerkhaus, der Denkmalstadl der Stadt. Hier lagern historische Bauteile zur gelegentlichen Wiederverwendung. Rechts daneben finden wir Zugang zu einem der Innenhöfe dieses Viertels: Mit den Fassaden muss man nicht unbedingt einverstanden sein, aber dieser Hof ist eine Freude: Kopfsteinpflaster, Sandsteinmauern, ein Springbrunnen. Viel zartes Grün wird allerdings erst im Mai geliefert.
Nach unserem Exkurs in die Moderne stellen wir uns für ein Kontrastprogramm auf die Maxbrücke. Den klassischen Blick zum Weinstadl kennt jeder. Interessanter ist der Blick in die andere Richtung, entlang der Pegnitz abwärts. Der Turm rechts, an die Fronveste anschließend, die als Teil der Befestigung die Pegnitz überbrückt, ist der Schleyerturm. Vor dem Krieg und seit undenklichen Zeiten war er nicht höher als das Dach der Fronveste. Nach der Kriegszerstörung wurde er ein Stockwerk höher neu erbaut. Unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes ist das nicht unbedingt korrekt, es sieht aber deutlich besser aus!
Das zweite Haus am linken Flussufer ist ein Fachwerkhaus von 1470 mit aufgemalten Balustraden und wunderschönem Fachwerk, es gehörte zeitweise zur einstigen Dürrenmühle. Wenn man genau hinschaut, erkennt man auf der Wasserseite im unteren Geschoss eine Kartusche mit Mühlrad. Gleich ums Eck an der Straßenseite des Hauses fällt uns auf, dass es vier Haustüren hat – es handelt sich um das spätmittelalterliche Wohnhaus der Mühlenknechte.
Ein paar Schritte weiter sind wir am Unschlittplatz, da gibt es rundum viel Schönes: Die Häuser Nr. 8 bis 12 am westlichen Platzrand haben die Altstadtfreunde Ende der 1970er Jahre unter großer Anteilnahme der Bürger vor dem Abbruch gerettet. Besonders schön ist das Fachwerk am Haus 8. Auf dem Erdgeschoss aus solidem Sandstein stehen zwei Stockwerke mit Fachwerk aus dem 15. Jahrhundert und ein drittes Stockwerk mit erkennbar anderer, viel jüngerer Fachwerkstruktur. Schauen Sie neben Haus 12 ums Eck auf dessen Schmalseite. Hier kann man die Baugeschichte ablesen. Im ersten Stock verplattetes Fachwerk vor 1500, im zweiten und dritten Stock jüngeres, verzapftes Fachwerk. Entdecken Sie selbst den Unterschied zwischen den beiden Zimmermannstechniken!
An der Stirnseite des Unschlitthauses gehen wir vorbei und dann bergauf in die Mühlgasse, drehen uns aber nach wenigen Schritten noch einmal um. Das Unschlitthaus hat den Krieg unbeschädigt in seiner behäbigen reichsstädtischen Pracht überstanden. Auch die renovierte Almosenmühle am Eck zur Hutergasse ist einen Blick wert, ebenso wie das gewaltige Haus Nr. 3 rechts daneben. An dessen Fassade finden wir die Jahreszahl 1617 und das in Sandstein gehauene Relief eines Mühlrades. Wieso eigentlich Mühle? Die Erklärung ist einfach: Einst floss der Fischbach hier durch und hat das Mühlrad angetrieben.
Rechts von uns blicken wir in den Stadtgraben des vorletzten Mauerringes. Als dieser Graben durch den neuen erweiterten Mauerring überflüssig geworden war, nutzte die Stadt den Baugrund und setzte das Unschlitthaus sowie weiter oben – im Krieg zerstört – das Städtische Weißbierbrauhaus da hinein.
Weiter oben mündet von links die Hintere Ledergasse. Das Haus Nr. 43 gehört den Altstadtfreunden. Sie werden es kaum glauben – unter der grauen Fassade steckt die historische Struktur eines Gerberhauses. Das Baujahr können Sie an der Fassade ablesen. Warten wir ab! Viele Häuser haben nicht besser ausgesehen, bevor die Altstadtfreunde sie mit tätiger Arbeit, Beitrag zahlenden Mitgliedern und großzügigen Sponsoren einer Kur unterzogen haben.
Zum Weißen Turm finden Sie jetzt selbst. Dann gehen wir am Ostchor der Jakobskirche vorbei (waren Sie da schon mal drin?), nach links durch die kurze Knorrstraße. Dort ist ein traditionsreicher Gasthof, falls Sie kalte Füße und Hunger haben (ob ich wohl ein Freibier bekäme, wenn ich den Namen dieses Wirtshauses erwähnt hätte?).
Weiter in die Zirkelschmiedsgasse, am weniger sehenswerten Parkhaus vorbei, gelangen wir zu einem der schönsten Ensembles der Lorenzer Stadtseite. Zunächst das Haus der Wurstbraterei. Gehen Sie nicht achtlos weiter! Lassen Sie das Fachwerk auf sich wirken, beachten Sie die goldene Sau am First und laufen Sie mir nicht davon – unser Spaziergang ist bald zu Ende.
Daneben der „Königshof“ Zirkelschmiedsgasse 28, ehemals Weißbierbrauerei. Die anstoßende Scheune der Altstadtfreunde beherbergte zeitweise die dazugehörige Mälzerei. Jetzt rechts ums Eck in die Pfeiffergasse. Zunächst beeindruckt der gewaltige Giebel der Scheune mit seinen vier Dachgeschossen und dem Aufzugswalm, ansonsten reizende kleinstädtische Handwerkerhäuser, ein Kleine-Leute-Viertel zwischen dem vorletzten und dem letzten Mauerring – die Mehrzahl davon von den Altstadtfreunden gerettet und restauriert – am Ende der Gasse finden sich aber auch noch uralte unrenovierte Häuschen im Dornröschenschlaf. Eine spätere Generation wird sie hoffentlich wachküssen.
Treten Sie jetzt durch das Jakobstor auf den Ring und vermeiden Sie den Blick nach rechts. Wir verabschieden uns hier. Danke, dass Sie mir so lange geduldig gefolgt sind!
