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Preppy trifft Ghetto
„Preppy-Style“ - gehört haben Sie diese Bezeichnung vielleicht schon einmal. Was aber soll das sein? Ganz einfach, es ist der Streber-Look für alle Nicht-Streber. Entstanden ist dieser Modestil in den 1950er Jahren an US-amerikanischen Privatschulen. Mit Poloshirt, Pullunder, Chinohose, Hornbrille und einer protzigen Armbanduhr wollten die jungen Leute zeigen, dass sie aus gutem Hause kommen und sich eben etwas mehr leisten können als der einfache Pöbel.
In den 1980er Jahren erlebte der Look bei den bei Punks so verhassten Poppern ein Revival. Auch damals ging es zunächst darum, möglichst elitär auszusehen – bis das Markenbewusstsein auch in der Unterschicht angekommen war und der Stil dadurch wieder an Reiz verlor.
Heute ist der Preppy-Style erneut im Kommen. Aber weil reines Kopieren auf Dauer langweilig ist, wird die moderne Variante einfach einmal durch die Gosse geschickt. Was dabei herauskommt? Ganz einfach: Zum aufgebügelten Faltenrock trägt man jetzt künstliche Fingernägel. Zum Kaschmirpulli gibt es eine bunte Herzchensonnenbrille. Statt einer Armbanduhr trägt man Schlagring-Klunker und das dezente Make-Up wird dank Spritze durch Schlauchbootlippen ersetzt.
Vorbilder:Lana del Rey macht es vor. Die 26-jährige Sängerin bezeichnet sich selbst als Lolita, die sich im Ghetto verlaufen hat. Und so sieht sie auch aus: Zur perfekten Fönwelle trägt sie übertrieben aufgeblasene Lippen, zum klassischen Rock dicke Goldketten. Die Mischung macht es eben aus. Schade nur, dass sie manchmal auch daneben greift.
Alltagstauglichkeit:
Absolut – allerdings eher in der Nobelvariante des neuen Bond-Girls. Bérénice Marlohe kombiniert im Film billige Krallennägel zur edlen Abendrobe. Wenn Sie Ihr Abendkleid momentan mangels Gelegenheit nicht ausführen können, dann peppen Sie doch einfach Ihr langweiliges Büro-Outfit auf. Dazu brauchen Sie schließlich nichts weiter als ein riesiges Schmuckstück oder einen dicken Lidstrich. Aber nicht vergessen: Hier zählt Klasse, nicht Masse! Julia Vogl
Früher trug man das, was heute als cool gilt, nur auf bestimmten Partys. Die standen unter dem Motto „Bad taste“ und hatten als Voraussetzung entweder sammelwütige Eltern, die die Kleidung aus ihrer Jugend auf dem Dachboden bunkern, oder einen Second-Hand-Shop, der Klamotten aus den 70ern und 80ern im Sortiment hatte.
Alles, was einst als hässlich galt, ist nun ein Muss, möchte man als modische Avantgarde gelten: Schweißbänder aus Frottee um Handgelenk und Kopf, Sonnenbrillen mit bunten Plastikrahmen und Farbverlauf. Jogginganzüge aus knisterndem Polyester, geringelte Tennissocken. Sieht aus wie von vorvorgestern. Und ist gerade deswegen so modern.
Vorbilder:
Schauen Sie alte Filme. Wenn die Protagonisten in diesen Kleidung tragen, die ein Gefühl der Peinlichkeit und gleichzeitig Wehmut erzeugen, eignen sie sich als Stilvorbilder. Auch gut: „Die Royal Tenenbaums“. Diese Tragikomödie ist zwar von 2001, bringt den kindisch-nostalgischen Style aber auf den Punkt.
Alltagstauglichkeit:
Geringelte Frottee-Strümpfe gibt es inzwischen in allen möglichen Farbkombinationen – sehen sehr frech aus, wenn das Hosenbein beim Sitzen hochrutscht. Für wagemutige, zwingend junge Damen sind sie auch als Overknee erhältlich. Sonnenbrillen mit Farbverlauf sind ein toller Hingucker.
Wer sich traut, lässt der Natur freien Lauf und sich Koteletten und einen nicht zu langen Vollbart wachsen. Frauen sollten sich für eine Pony-Frisur entscheiden oder sich zumindest mit großen, auffälligen Haarklipsen schmücken. Dazu werden die Augen dunkel umrandet. Bitte nicht zu viel lächeln! Schnell wirkt man sonst wie ein amüsierter Gast einer der besagten Motto-Partys. Ngoc Nguyen
Wer großen Wert auf political correctness legt, überspringt diesen Stil. Denn um diese Geschmacksüberschreitung perfekt darzustellen, ist eine getönte Hautfarbe von Vorteil. Alles andere sieht leider gewollt und mies nachgemacht aus, der weiße Rapper „Vanilla Ice“ kann davon ein Lied singen. Eminem ist eine Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Ein glaubwürdiger Gangsta bringt am besten noch körperliche Präsenz mit, damit die Panzer-Goldkette auf der Brust nicht lächerlich wirkt. Gangsta-Frauen sollten so geformt sein, dass sie im glänzenden Bikini prall und ordinär wirken. Wer nicht weiß, wie das geht: Suchen Sie im Internet nach Bildern einer gewissen Coco. Als Ehefrau des Rappers Ice-T weiß sie, was sich in diesem Genre gehört. Mit Gold behangen, riesige Kreolen im Ohr, Diamanten an den Zähnen, im Mund Champagner – dieser Style liebt den neureichen „bling bling“.
Vorbilder:
Alle Hip-Hop-Stars, die früher angeblich Drogen verkauft haben, angeschossen und eingesperrt wurden und nun, derartig geläutert, nur noch Musik machen: 50 Cent, Sean „Diddy“ Combs, Ice-T.
Alltagstauglichkeit:
Eine Baseballmütze auf dem kurzgeschorenen Kopf deutet in die richtige Richtung. Tätowierungen, vor allem an sensiblen Stellen wie dem Kehlkopf, sind von Vorteil und nötigen Respekt ab. Je mehr und je sichtbarer die Tattoos sind, desto besser. Frauen sollten lange Haare und möglichst große Kreolen tragen. Künstlichkeit ist Trumpf – wer von Natur aus schwarzhaarig ist, lässt sich am besten blond färben. Als Lippenstiftton empfiehlt sich Pink. Ngoc Nguyen
Moderne Trash-Könige wildern gleich in zwei Revieren: in Läden, die glitzernde T-Shirts zu horrenden Preisen verkaufen, und an Verkaufsständen hinter der tschechischen Grenze, an denen es die gleiche Ware für billig gibt. Bling-Bling-Tattoo-Shirts von Ed Hardy und Polohemden mit überdimensionierter Logo-Stickerei (entweder von Camp David oder La Martina natürlich) lassen den nicht altern wollenden Trash-King schließlich wunderbar frisch, fröhlich und faltenfrei aussehen.
Eine Besonderheit beim Trash-Style ist, dass es nur bei den Herren auf die Wahl der richtigen Designer ankommt. Damen drücken ihre Liebe zum Trash lieber anders aus und setzen auf Tuning. Was beim Golf GTI funktioniert, geht schließlich auch am eigenen Körper. Statt Breitreifen gibt es weiße Stiefel, statt Ledersitzen gibt es Lederhaut, statt Chromfelgen Silikonbrüste, statt verdunkelter Fenster falsche Wimpern und statt Spoiler ein niedliches Arschgeweih. Die Jeans dazu sitzen – ganz wie der GTI – natürlich auch tiefer.
Als Deko braucht es dann nur noch riesige Glitzerohrringe, irgendetwas von Hello Kitty, ein Hündchen im Täschchen und eine extra Portion Spachtelmasse im Gesicht.
Vorbilder:
Stilprägend für den Trash-Style sind „Hohle Idole“. So bezeichnet eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung Stars und Sternchen wie Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger, die weniger durch ihr Können als durch ihr auffälliges Verhalten und ihr Aussehen bekannt wurden. Substanz und Qualität sucht man bei solchen Prominenten vergeblich – das spiegelt sich auch in der Kleidung wider.
Alltagstauglichkeit:
Denken Sie nicht einmal daran! Niemand, wirklich niemand würde es jemals schaffen, den Trash-Style mit einem Augenzwinkern in ein alltagstaugliches Outfit umzuwandeln – noch nicht einmal ein Lagerfeld könnte das. Einzige Ausnahme: Sie wollen sich an Fasching als die Geissens verkleiden. Julia Vogl
