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Maria und Josef leben jetzt in einem alten Brotbackofen

Zwei bemerkenswerte Krippenausstellungen locken die Freunde des weihnachtlichen Brauchs - 17.12.2012 10:00 Uhr

Bad Windsheim  - In Franken finden sich zahlreiche Krippenausstellungen und etliche Krippenwege. Zwei Angebote in Neunkirchen am Sand und in Bad Windsheim sollen diesmal vorgestellt werden.

Beim Krippenweg in Neunkirchen am Sand soll jedes Detail stimmen. Die gezeigten Landschaften sind mal südländisch, mal fränkisch.
Beim Krippenweg in Neunkirchen am Sand soll jedes Detail stimmen. Die gezeigten Landschaften sind mal südländisch, mal fränkisch.
Foto: privat
Beim Krippenweg in Neunkirchen am Sand soll jedes Detail stimmen. Die gezeigten Landschaften sind mal südländisch, mal fränkisch.
Beim Krippenweg in Neunkirchen am Sand soll jedes Detail stimmen. Die gezeigten Landschaften sind mal südländisch, mal fränkisch.
Foto: privat

Der Heimat- und Geschichtsverein hat in Neunkirchen am Sand (Kreis Nürnberger Land) den mittlerweile größten Krippen-Rundweg Deutschlands auf die Beine gestellt. An 50 Standorten warten Krippenszenen auf die Besucher. Und keine ist wie die andere. Am besten beginnt man den Rundgang in der Bahnhofstraße. Wer eine Führung mitmacht, bekommt nicht nur einen Glühwein zum Aufwärmen, sondern fachkundige Erklärungen über die Machart der jeweiligen Krippe.

Was den Neunkirchener Krippenweg ausmacht, ist nicht nur die große Anzahl der Krippen. Wichtiger ist Franz Semlinger, dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, dass die Details der Krippendarstellung stimmen. Die Szene soll in eine passende landschaftliche Umgebung eingebettet sein. Die Proportionen müssen stimmen und die handwerkliche Ausführung exakt sein. Das trifft auf die erste Station des diesjährigen Krippenwegs zu. An der Dorfwiese steht eine fränkische Krippe, die die biblische Szene in eine bis ins letzte Detail stimmige, aber nicht idyllisierende fränkische Dorfumgebung einpasst. Der Hintergrund zeigt ein gemaltes Panorama, das von der Nürnberger Burg bis zur Burg Veldenstein reicht.


Ganz anders eine Krippe, die in einen alten Brotbackofen eingepasst ist und aus bemalten Betonfiguren besteht. Oder eine Krippe im Ortskern, die ein Junge im Alter von acht Jahren mit der Laubsäge hergestellt hat. Oder Krippen, die die Geburtsszene Christi in einem orientalischen Umfeld zeigen.

Krippen haben auch zum Ende des Ausstellungsjahres im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim im Museum „Kirche in Franken“, ihren festen Platz. Die „Fränkische Krippe im barocken Glanz“, die jetzt in der Bad Windsheimer Spitalkirche zu sehen ist, eröffnet eine ganz neue Dimension und „neue Perspektiven“. Die Krippe des Wendelsteiner Holzbildhauermeisters Norbert Tuffek lade ein, sich auf den Weg zur Weihnacht zu machen, meinte Pfarrerin Ulrike Schorn bei der Eröffnung. Der Krippenweg mit neun Stationen helfe, die Botschaft neu zu entdecken.

Der Künstler hat zwölf Jahre an dem Krippenzyklus gearbeitet, der das Leben Marias aufzeigt. 28 Quadratmeter groß ist die Krippenlandschaft im Zentrum der Ausstellung und füllt den gesamten Chorraum der Kirche aus. Je eineinhalb bis zwei Quadratmeter umfasst jede der acht Szenen auch auf den Emporen. So groß sei sie nicht geplant gewesen, sie habe sich im Lauf der Jahre so entwickelt, ließ der Holzbildhauermeister Tuffek wissen, der schon als Kind Krippen gebaut hatte.

Die mehr als 200 Figuren, an denen er mit beweglichen Gliedmaßen jeweils zwischen 30 bis 300 Stunden arbeitete, hat Tuffek aus Lindenholz geschnitzt und bis in das kleinste Detail barocke und biedermeierliche Kleidung und unendlich viele Elemente in dem Gesamtarrangement angefertigt. Sie entdeckt man erst bei längerem Betrachten.

Krippendarstellungen reichten bis in das Altertum zurück, führte Andrea Thurnwald aus. Erste biblische Darstellungen habe es bereits in konstantinischer Zeit gegeben, „damit die Gläubigen das Schauen der ersten Zeugen, der Hirten, auch visuell nacherleben konnten“. In der Geschichte der Krippendarstellungen seien im Lauf der Jahrhunderte immer neue Figuren dazugekommen. Man wisse nicht, so Thurnwald, „ob sich die figürlichen Darstellungen aus Altarbildern heraus entwickeln, ob sie Spielszenen nachbilden, die ursprünglich von lebendigen Menschen als Mysterienspiele aufgeführt wurden, oder ob sie vor allem aus didaktischen Gründen gezielt entwickelt wurden“.

In der Zeit der Aufklärung sei man der Ansicht gewesen, dass die mit der Krippenbegeisterung verbundenen „allzu weltlichen und sinnesfrohen Auswüchse der Volksfrömmigkeit“ mit Verboten bekämpft werden sollten, doch hätten sich die Menschen die Freude an den bunten Szenen nicht verderben lassen und die aus den Kirchen verbannten Krippen in häusliche Obhut genommen. Daraus sei im 19. Jahrhundert im katholischen Süddeutschland und in den Alpen der Brauch entstanden, Krippen in den Bürgerhäusern aufzustellen.

In Neunkirchen am Sand gibt es jeden Sonn- und Feiertag um 15 Uhr Führungen. Treffpunkt am Parkplatz gegenüber der Sparkasse, Bahnhofstraße; Info 09123/75640. Die „Fränkische Krippe im barocken Glanz“ im Museum „Kirche in Franken“ in Bad Windsheim, ist noch bis 16. Dezember von 11 bis 16 Uhr zu sehen, ferner am 25./26./30. und 31. Dezember sowie 1. und 6. Januar 2013.
  

Stephan Sohr, Harald Munzinger


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