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Viele von ihnen haben ihren Traum vom geruhsamen Alter nach der Rückkehr in der Heimat aufgegeben – nicht aber jenen, mit ihrer Religion alt zu werden. „Hier in Nürnberg gibt es ein reges Miteinander von Kulturen und Religionen.“ Mit diesen Worten beginnt die Islamwissenschaftlerin und Juristin aus Mainz ihren Vortrag am Institut für Gerontologie und Ethik der Evangelischen Hochschule in Nürnberg.
Im Thema „Kultursensible Pflege von Muslimen im Alter“ promoviert sie derzeit. Sie bezieht sich vor allem auf Muslime aus der Türkei. Als Arbeiter kamen sie in den 60er Jahren nach Deutschland und ließen sich mit ihren Familien nieder. Ihren islamischen Glauben haben die heutigen Senioren zumeist behalten und praktizieren ihn, so gut es eben in der Fremde geht. Wichtig sei es zu verstehen, dass es nicht „die Türken“ oder „die Muslime“ als homogene Gruppen gibt – so wenig, wie es „die Deutschen“ oder „die Christen“ gibt.
Wer mit Offenheit der religiösen Haltung anderer gegenübertrete, der sei auf einem guten Weg zu einem gemeinsamen Miteinander, wie es sich alle Menschen wünschen – unabhängig von Religion und Alter. Was, so fragt sie in ihrer Promotion, bedeutet dies für die Pflege von alten Muslimen? „ Weder unsere Pflegeschlüssel, noch die normalen Abläufe in Altenheimen und Krankenhäusern können gänzlich auf die religiösen Bedürfnisse von Muslimen abgestimmt werden.“ Das jedoch dürfe nicht davon abhalten, sich die Frage zu stellen, was für Muslime im Alter und im Sterben wichtig ist und wie man ihren Glauben schon durch einfache Gesten besser respektieren könne.
Ein Beispiel, das die Referentin anführt, ist das fünfmal am Tag stattfindende Pflichtgebet der Muslime. „Davor sind rituelle Waschungen durchzuführen und das Gebet selber wird auf einem Teppich in einer bestimmten Himmelsrichtung ausgeführt“, erklärt sie. Typisches Problem könnte es nun sein, dass die Gläubigen keinen Platz haben, an dem sie ungestört beten können. Die Gebete einzuhalten jedoch bedeutet für einen Muslim, seinen Gott, Allah, zu ehren und nicht zu beten wiederum stellt eine Pflichtvernachlässigung dar. Helfen könnte hier ein kleiner Gebetsraum für Muslime.
Ein weiterer Brennpunkt sei die Kommunikationskultur. Wenn eine Pflegekraft sich täglich um einen Muslim kümmert, so könne es durchaus passieren, dass diese eines Tages als Bezugsperson gilt und mit „Tochter“ oder „Sohn“ angesprochen wird. Dies träfe oft auf Unverständnis und Unsicherheit. Auch die Essgewohnheiten seien religionsbedingt anders.
Natürlich weiß man, dass viele Muslime kein Schweinefleisch und keinen Alkohol zu sich nehmen, aber wie oft wird nicht bedacht, dass Schweinegelatine in Kapseln oder Alkohol in einer Medizin dazu gehören? Es könnte hier bereits viel helfen, wenn man ein Ersatzmedikament anderer Herstellung verwendet.
Sinnvoll sei es zudem, wenn die Pflegeeinrichtungen für Patienten, die den muslimischen Glauben praktizieren, Kontakt mit den örtlichen Moschee-Vereinen hielten. Jene können helfen, den Heimaufenthalt und schließlich auch das Sterben und die Beerdigung der Muslime so zu gestalten, wie es ihre Religion und ihre Kultur vorgeben.
