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Hier produzierte ein kleiner Betrieb hochwertige Motorräder. Der aus Thon stammende Maschinenbauingenieur Hans Hecker stellte seit 1924 eigene Motorräder her und konnte beachtliche Erfolge im Rennsport erzielen. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1942 übernahmen seine Schwiegersöhne Friedrich und Paul Scharold den Betrieb und verlegten die Produktion nach Eberhardshof. Die Motorradkrise in den 1950er Jahren ging an der Firma Hecker nicht spurlos vorüber; das Auto verdrängte das Motorrad. Im Jahr 1956 kam das Ende. Die Produktionsstätte an der Lenaustraße musste einem Wohnhaus weichen.
Unser Streifzug führt uns weiter in die nach einem Nürnberger Zirkelschmied benannte Hautschstraße. Hier befand sich von 1950 bis 1965 die legendäre Kampfbahn-West, deren Tribüne 8000 Zuschauern Platz bot. Außerdem soll die Aschenbahn die beste in ganz Nordbayern gewesen sein. Neben der Leichtathletik betrieben die „Wester“, wie der Verein allgemein genannt wurde, eine breite Palette an Sportarten. Das ehemalige Sportgelände ist heute teilweise überbaut und wird als Bolzplatz genutzt.
Wir gehen nun wieder einige Meter zurück und wenden uns nach links in die Wandererstraße, bis wir unter der Hausnummer 13 auf ein ansprechend renoviertes Anwesen stoßen, die ehemalige Fabrikantenvilla der Blechspielwarenfabrik Bruno Ulbricht, deren Fabrikationsgebäude im Hinterhof inzwischen in ein Wohnhaus umgebaut wurde. Spezialität der Firma Ulbricht waren Metallspielwaren und maßstabsgerechte Puppenmöbel.
Wir folgen nun weiter der Wandererstraße nach Westen. Gleich nach der Ulbrichtsvilla in dem umzäunten Gelände befand sich bis zum Erntedankfest der einzige Nürnberger Stadtgarten, der sicher im nächsten Jahr wieder erblühen wird. Unser Streifzug führt uns an den in den 1920er und 1930er Jahren errichteten Häusern der Baugenossenschaft West vorbei. Der einmalige runde Saalbau West ist leider nur noch auf Bildern zu bewundern, da er im Krieg durch einen Bombentreffer zerstört wurde. Wir gehen weiter in der Wandererstraße und folgen dem Hinweisschild zur Gaststätte Eberhardshof.
Ein kleiner Weiler gab dem Stadtteil seinen Namen. Der Eberhardshof überrascht uns mit einem Ensemble aus alten Sandsteingebäuden. Im Jahr 1344 ist hier der Hof eines Eberhard erstmalig erwähnt. Seit 1585 kann man in der Gaststätte Bier trinken. Das Gebäude stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Unser Weg führt uns wieder zurück in die Wandererstraße, der wir diesmal in östlicher Richtung folgen. Wir überqueren den ehemaligen Quelle-Busparkplatz in Richtung Fürther Straße. Die Geschichte der Quelle begann in Fürth: Am 26. Oktober 1927 wurde das „Versandhaus Quelle, GmbH, Sitz Fürth“ ins Handelsregister eingetragen. Schickedanz musste allerdings dafür sorgen, dass er mit seinem Versandhandel nicht den von ihm belieferten Einzelhändlern das Geschäft verdarb. Deshalb warb er vor allem in abgelegenen Gebieten Norddeutschlands und im Ruhrgebiet um neue Kunden. Grundlage war eine umfangreiche Adressenkartei.
Im Nationalsozialismus ging die Expansion von Quelle weiter. Schickedanz war in den nächsten Jahren auch als eifriger Immobilienkäufer unterwegs. Unter anderem erwarb er die Vereinigten Papierwerke („Tempo“) der Familie Rosenfelder und die Papierfabrik M. Ellern in Forchheim. In einem Zwischenbericht für die Spruchkammer für die Spruchkammer Fürth vom August 1947 liest sich das wie folgt: „Nach Meinung des zuständigen Obersekretärs Heinrich vom Grundbuchamt Fürth sind diese Kaufverträge wohl rechtskräftig, aber nicht preiswürdig und es ist anzunehmen, dass Schickedanz hier mit Hilfe der Partei und sonstiger Stellen Arisierungsgewinne erzielte.“ Nach dem Einmarsch der Amerikaner bekam er erst einmal Berufsverbot. Erst 1949 bekam Schickedanz seine Unternehmen zurück, nachdem ihn die Hauptspruchkammer Nürnberg nur als Mitläufer eingestuft hatte.
Danach folgte ein rasanter Wiederaufstieg. 1953 erwarb er ein riesiges Grundstück an der Fürther Straße, um darauf in den nächsten Jahren eines der größten Versandzentren Deutschlands bauen zu lassen. 1999 fusionierte die Quelle mit der Karstadt AG zur Karstadt Quelle AG zu Europas größtem Warenhaus- und Versandhauskonzern. Seit 2010 steht das Quelle-Areal unter Zwangsverwaltung. Die Zukunft des unter Denkmalschutz stehenden Versandzentrums und der Parkplatzflächen ist weiter ungewiss.
Unser Streifzug führt uns nun über die Adam-Klein-Straße zur Fürther Straße, wo wir uns nach rechts Richtung Stadtmitte bewegen. Vorbei an der schön renovierten Münzprägeanstalt Balmberger nehmen wir die nächste Fußgängerampel an der Fürther Straße. Auf dem Grünstreifen vor dem Admira-Einkaufscenter finden sich die letzten Gleise der alten Straßenbahn. Hier sammelte der kleine Max Grundig Beifußblätter und verkaufte sie an die Hausfrauen der Umgebung für die Zubereitung ihres Gänsebratens.
Wo sich heute das Einkaufszentrum befindet, produzierten die Herculeswerke von 1895 bis 1963 Fahrräder, Motorräder und auch Autos. Der aus Burghaslach stammende Carl Marschütz hatte während seiner Lehre in Neumarkt mit größter Begeisterung sein erstes Hochrad gesehen und wenige Jahre später mit seinem Lehrherrn und dem Mechaniker Eduard Pirzer mit den „Expresswerken“ in Neumarkt die erste Fahrradfabrik Deutschlands gegründet. 1886 eröffnete er in der Rosenau die erste Fahrradfabrik Nürnbergs. Schon nach wenigen Jahren ließ er in der Fürther Straß2 191-193 eine moderne Fabrik errichten. 1938 musste der Firmengründer wegen seiner jüdischen Herkunft in die USA emigrieren. Der Betrieb wurde zwangsarisiert. Carl Marschütz starb 1957 in den Vereinigten Staaten.
Gleich daneben, in der Fürther Straße 194, befand sich bis in die 1920er Jahre die „Restauration zum Radfahrerheim“. Seit August 2012 hat hier das Quartiersbüro Weststadt seine Pforten geöffnet und bietet Interessenten Informationen zu Stadtentwicklung und Stadtplanung.
„Geschichte für alle“ bietet 2013 erstmals Rundgänge durch Eberhardshof an. Der erste findet am Sonntag, 10. Februar, um 14 Uhr, statt. Treffpunkt Fürther Straße, Ecke Lenaustraße.
