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Werkstatt–Hocker wird zum Designer-Möbelstück

Drehhocker erleben eine Renaissance - 04.02.2013 10:00 Uhr

Nürnberg  - Noch vor einigen Jahren gehörten Drehhocker einfach in jede Werkstatt, jedes Atelier und auch an jedes Klavier, denn sie erlauben eine große Beweglichkeit:

Hocker liegen voll im Trend und daher gibt es sie in allen möglichen Formen und Höhen.
Hocker liegen voll im Trend und daher gibt es sie in allen möglichen Formen und Höhen.
Foto: oh
Hocker liegen voll im Trend und daher gibt es sie in allen möglichen Formen und Höhen.
Hocker liegen voll im Trend und daher gibt es sie in allen möglichen Formen und Höhen.
Foto: oh

Durch einfaches Drehen am Sitz lassen sich diese Hocker mittels eines Gewindes höher oder niedriger einstellen, man kann schnell aufstehen oder die Haltung des Körpers ändern, trotzdem sind sie dank der Füße sehr stabil. Drehhocker erleben derzeit eine Renaissance: Herausgeputzt findet man sie immer häufiger in den modernen Möbelkollektionen.

Wegen des Gewindes muss ich unwillkürlich an Leonardo da Vinci und an seine Studie eines Hubschraubers denken: Das Prinzip des Schraubengewindes fasziniert mich, denn ich verbinde damit ein Gefühl von Bewegung und Freiheit. Deswegen konnte ich auch den Designer Flip Sellin verstehen, als er mir auf der diesjährigen Kölner Möbelmesse IMM erzählte: „Die Ästhetik des geschnittenen   Holzgewindes hat mich anfangs gereizt. Das war die eigentliche Inspiration zur „Thread Family“ (Thread ist Englisch für Gewinde), einer Gruppe von höhenverstellbaren Kleinmöbeln in der Form von Drehhockern, die ich letztes Jahr entworfen habe.“


Die farbig aufgepeppten Hocker der Thread-Family (l.) erinnern ebenso an den einst häufig und gern genutzten Drehhocker wie die Modelle „Tom&Jerry“ (r.).
Die farbig aufgepeppten Hocker der Thread-Family (l.) erinnern ebenso an den einst häufig und gern genutzten Drehhocker wie die Modelle „Tom&Jerry“ (r.).
Foto: oh
Die farbig aufgepeppten Hocker der Thread-Family (l.) erinnern ebenso an den einst häufig und gern genutzten Drehhocker wie die Modelle „Tom&Jerry“ (r.).
Die farbig aufgepeppten Hocker der Thread-Family (l.) erinnern ebenso an den einst häufig und gern genutzten Drehhocker wie die Modelle „Tom&Jerry“ (r.).
Foto: oh

Während seines Studiums hat Sellin meist auf Drehhockern gearbeitet, sei es beim Zeichnen oder auch in der Werkstatt. „Auch heute entwerfe ich am liebsten auf einem Hocker sitzend, immer in Bewegung und in alle Richtungen des Raums offen“ fügte er hinzu. Es stimmt, der Hocker ist ein „Universalmöbel“, das durch seine Flexibilität und Verwandlungsfähigkeit gut zu unserem mobilen Alltag passt. Das Design-und Architekturbüro Coordination lässt von der „Thread Family“ zuerst 100 Stück durch zwei Manufakturen fertigen, die meisten davon sind allerdings schon verkauft.

Dabei ist ein solcher Hocker aus amerikanischem Nussbaumholz kein ganz billiges Vergnügen. Die Sitzfläche hat einen Durchmesser von 35 Zentimetern. Der Preis hängt von der maximalen Höhe ab, die erreicht werden kann. Er bewegt sich zwischen 369 und 449 Euro. Passend dazu wird ein Bistrotisch angeboten, der noch etwas teurer ist.


Die Gestelle, die mit der Holzoberfläche und dem Holzgewinde kontrastieren, sind aus rostfreiem Stahlrohr geschweißt und in den Farben sonnengelb, grasgrün, minzblau und schiefergrau lackiert: Sie erinnern an hochwertige Fahrradrahmen – das Konzept der Mobilität ist so perfekt umgesetzt.

Einen weiteren modernen Drehhocker habe ich bei der italienischen Firma Magis aufgespürt. Er heißt „Tom and Jerry – The Wild Bunch“: Entworfen hat dieses drehbare und höhenverstellbare Möbelstück aus massiver Buche der deutsche Designer Konstantin Grcic.

Mit Hockern haben sich bereits in der Vergangenheit berühmte Designer beschäftigt, und gerade durch ihr Interesse für den alten Schemel gewann dieses multitaskingfähige Möbelstück auch eine ästhetische Würde – beispielsweise beim Barcelona-Hocker von Ludwig Mies van der Rohe. Der „Hocker 60“ (Stool 60) des finnischen Designers Alvar Aalto feiert dieses Jahr sogar sein 80. Jubiläum. Sicherlich hat sich der Architekt Le Van Bo auch vom schlichten Ulmer-Hocker von Max Bill (1954) für seinen multifunktionalen „Berliner-Hocker“ inspirieren lassen: Er gehört zu einer Möbelserie mit dem vielsagenden Titel „HartzIV Möbel – Konstruieren statt konsumieren“.



Einfache Hocker gehören in jeden Haushalt und machen sich seit jeher in vielen Situationen nützlich, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen. Sie helfen, wenn man etwas in der Höhe erreichen will und ein paar Zentimeter fehlen, dienen als zusätzliche Sitzmöglichkeit bei unerwartet vielen Gästen oder ersetzen den Kindersessel. Mit einem Kissen sind sie auch eine bequeme Fußbank. Sie nehmen vor allem wenig Platz weg, lassen sich einfach stapeln und stehen als Beistell- oder Nachtische, aber auch als Abstellflächen zur Verfügung: In meinem Büro steht ein Hocker aus Pappkarton, der schon lange einen Stapel schwerer Bücher problemlos und elegant erträgt! Hocker trifft man nicht nur an der Bar, sie lassen sich immer öfter auch zuhause in der Küche blicken. In der Vergangenheit präsentierten sie sich ziemlich bescheiden und meistens nicht besonders glamourös: Die ersten Hocker findet man schon in der Steinzeit – man vermutet sogar, dass der erste Hocker ein Thron aus Stein war. Heute sind sie nicht nur praktisch und bequem, sondern oft auch aus hochwertigen und edlen Materialien gefertigt. Viele zeigen ausgesprochen anspruchsvolle Designs – und es gibt sogar Modelle mit integrierten Leuchten, die mich wirklich vom Hocker gerissen haben!

Infos über die Thread-Familiy unter www.coordination-berlin.de

  

Nicoletta de Rossi


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