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„Wichtiges Dokument“ sind die beiden Worte, die in den Sätzen von Waldemar Felix an diesem Tag am häufigsten vorkommen. Und um ihm dieses wichtige Dokument zu überreichen, ist sogar Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil gekommen. Felix ist seit gestern offiziell Zerspanungsmechaniker. Das allein wäre noch nichts Besonderes. Doch der seit 1996 in Deutschland lebende Pole ist der Erste, dem bescheinigt wurde, dass seine Ausbildung im Heimatland einer deutschen gleichzusetzen ist.
Auf dieses „wichtige Dokument“ hat er lange gewartet. Für ihn, der nach seiner Ankunft erst am Bau arbeitete und schließlich über eine Zeitarbeitsfirma nun bei einem Automobilhersteller eingesetzt ist, macht es den Unterschied zwischen „einen Beruf haben und keinen Beruf haben“. Und es macht den Unterschied, so hofft er, zwischen Zeitarbeit und einer direkten Anstellung mit einem höheren Lohn.
Wie Waldemar Felix haben nach Angaben von Ulrich Pahlmann, dem Geschäftsführer von IHK Fosa, seit Anfang April mehr als 250 Menschen Anträge in Nürnberg eingereicht. Theoretisch könnten es insgesamt etwa drei Millionen werden. Ein 20-köpfiges Team bearbeitet sie. Es recherchiert in den Heimatländern Ausbildungsinhalte und vergleicht sie mit den deutschen Anforderungen Dass das Team „16 Sprachen abdeckt“, erleichtert die Arbeit.
3000 bis 4000 Anträge erwartet Pahlmann bis Jahresende. „Das Ganze nimmt langsam Fahrt auf“, hat er beobachtet. Werden es mehr, müsste das Personal aufgestockt werden. Allerdings seien bislang viele Anträge noch unvollständig: „Die Qualität muss besser werden“, appelliert er.
Ermöglicht wird die Arbeit durch das im April in Kraft getretene Anerkennungsgesetz, mit dem die Bundesregierung auf den drohenden Facharbeitermangel in Deutschland reagiert hat: „Wir wollen, dass der Taxi fahrende Ingenieur, dass die Taxi fahrende Ärztin der Vergangenheit angehören“, fasste Zeil plakativ die Zielsetzung zusammen. Die Nürnberger Anlaufstelle kümmert sich allerdings „nur“ um die IHK-Berufe, die Handwerkskammern beispielsweise haben sich für ein dezentrales System entschieden.
Für IHK-Präsident Dirk von Vopelius hat die Anerkennung ausländischer Qualifikationen über die direkte Zielsetzung hinaus auch eine atmosphärische Dimension: „Es ist ein Teil einer Willkommenskultur, an der wir noch ein bisschen arbeiten müssen.“ Und für Monika Frenzel, Chefin von Lorenz Personal, bietet das Verfahren Firmen und Antragstellern die Perspektive, „sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln“ – und vielleicht Platz für einen Arbeitnehmer ohne Ausbildung zu machen.
Waldemar Felix rät jedenfalls anderen, „alles zu versuchen, was geht“ um die Anerkennung der Ausbildung zu erhalten. Die gut 400 Euro, die er für die Bearbeitung und das „wichtige Dokument“ bezahlt hat, hat er nicht bereut.
Do. 18.04.13
Di. 09.04.13
Mo. 18.02.13
Fr. 18.01.13
Mi. 09.01.13