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Deutsche Areva soll Hauptlast tragen

Beschäftigte in Erlangen sind enttäuscht von den Plänen zum Stellenabbau - 14.12. 08:01 Uhr

ERLANGEN  - Die Erlanger Areva-Belegschaft stand in den vergangenen Jahren ihrem Unternehmen überwiegend loyal gegenüber. Besonders nach dem Reaktorunfall im Fukushima war es für viele nicht immer leicht, sich im persönlichen Umfeld weiter für die Atomkraft stark zu machen.

Hauptsächlich soll es die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Projektarbeit treffen – allesamt stark in Erlangen vertreten.
Hauptsächlich soll es die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Projektarbeit treffen – allesamt stark in Erlangen vertreten.

Diese Loyalität hat in den vergangenen beiden Tagen tiefe Risse bekommen. Seit bekannt ist, dass vor allem die deutsche Belegschaft – fast 3800 Angestellte plus rund 650 externe Mitarbeiter allein in Erlangen – die weltweiten Folgen des japanischen Reaktorunglücks für den Nuklear-Konzern tragen sollen. „Die Stimmung bei den Mitarbeitern ist sehr angespannt“, sagte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Heidi Heinlein.

Jede vierte Stelle der deutschlandweit fast 5900 Stellen steht auf dem Spiel. Am Ende könnten bis zu 1500 Arbeitsplätze wegfallen, bestätigte gestern Areva Deutschland. Hauptsächlich soll es die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Projektarbeit treffen – allesamt stark in Erlangen vertreten.


Areva begründet die Notwendigkeit des Stellenabbaus in Deutschland explizit auch mit dem Atomausstiegsbeschluss der Bundesregierung: „Neben internationalen Themen wirkt sich nicht zuletzt die plötzliche Stilllegung beinahe der Hälfte der deutschen Kernkraftwerke negativ auf die Arbeitsauslastung bei Areva in Deutschland aus“, heißt es in einer Mitteilung. „Der Beschluss hat eine Lücke gerissen“, formuliert es ein Sprecher knapp.

Die Arbeitnehmer lassen dieses Argument mit Blick auf den hohen Exportanteil der Areva in Deutschland so nicht gelten. Es dürfe kein deutsches Sonderopfer für Frankreich – dort sollen lediglich freiwerdende Stellen nicht mehr besetzt werden – geben, kritisiert der Erlanger IG-Metall-Chef Wolfgang Niclas. Wenn schon Stellen gestrichen würden, dürfe das nicht nach Nationalität gehen, sondern danach, „was nicht mehr benötigt wird“.

Ähnlich sehen das die Betriebsräte – nicht nur hierzulande. Das europäische Gremium will ein Gutachten in Auftrag geben, wie die Lasten des Personalabbaus solidarisch unter den Ländern aufgeteilt werden könnten. Die Betriebsräte fordern die Konzernspitze auf, die Sparmaßnahmen so lange auf Eis zu legen, bis ein Ergebnis vorliegt.

Zudem wirft das Gremium dem Management vor, seine Informationspflichten verletzt zu haben. „Sollte der Vorstand unseren Forderungen nicht entsprechen, bin ich beauftragt, vor Gericht zu ziehen“, sagte Betriebsratsmitglied Maureen Kearney der französischen Wirtschaftszeitung „La Tribune“.


Unabhängig von diesem Prozedere dürfte kaum einem Areva-Mitarbeiter in den nächsten Tagen die Kündigung drohen. Denn das Unternehmen will den Arbeitsplatzabbau bis 2016 strecken – und: „Erklärtes Ziel der Unternehmensführung ist es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“ Auch der Betriebsrat hofft auf Angebote in den bald beginnenden Verhandlungen: „Wir wollen alle Möglichkeiten des sozialverträglichen Stellenabbaus nutzen und setzen vor allem auf attraktive Vorruhestandsregelungen“, so Betriebsratschefin Heinlein. Das Potenzial dafür – auch in Erlangen – sei groß, nachdem Areva solche Programme in den vergangenen Jahren aufgrund der guten Auftragslage nicht angeboten hat.

„Eine Schließung von Standorten in Deutschland ist nicht geplant“, hat das Unternehmen gestern zudem mitgeteilt. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass alle Standorte und Aktivitäten auch in Zukunft zu Areva gehören werden. „Das wird zurzeit alles überprüft“, sagte der Unternehmenssprecher. Areva ist hierzulande neben Erlangen in Offenbach mit fast 1000 Beschäftigten plus 250 externen Mitarbeiter vertreten – sowie in Lingen (350 Mitarbeiter), Duisburg (175) und Karlstein (150).

Der Konzernchef Luc Oursel hatte bereits am Montag in Paris angekündigt, durch Verkäufe von Aktivitäten in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Euro erzielen zu wollen. 



Josef Hofmann



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