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Elf Millionen Euro Fördermittel für "Service Factory Nürnberg"

Denk-Fabrik für neue Dienstleistungen - 06.12. 19:42 Uhr

NÜRNBERG  - Die Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services hat eine neue Fabrik eröffnet. Wer dabei an rauchende Schlote und automatisierte Produktionsstraßen denkt, liegt falsch: Bei der „Service Factory Nürnberg“ steht die Erforschung von neuen Dienstleistungen im Mittelpunkt, die künftig eine engere Verzahnung mit dem produzierenden Gewerbe eingehen sollen.


Was man sich darunter vorzustellen hat, erläutert Carsten Reuter, einer der beiden Verantwortlichen für die Service Factory, am Beispiel eines Kopierers: „Früher hat ein Kopierer kopiert. Das tut er auch heute noch. Aber heute haben die Geräte so viele Zusatzfunktionen, dass die Anwender regelmäßig nicht damit zurechtkommen.“ Die Schuld daran liegt laut Reuter nicht am Gerät – sondern an mangelndem Service.

Die Industrie habe vor allem im Bereich der IT und der Telefonie jahrelang ausschließlich auf die Technik als Alleinstellungsmerkmal gesetzt und dabei den Kunden aus den Augen verloren. Warum aber ein Gerät mit 100 Optionen kaufen, wenn nur zehn davon sinnvoll angewandt werden können? „Die Gerätehersteller müssen in Dienstleistungspersonal investieren, welches dann die Anwender so lange schult, bis alle mit dem Gerät sinnvoll umgehen können“, lautet die Lösung, die Reuter einer vom harten Verdrängungwettbewerb gezeichneten Branche anbietet.

Und hier kommt die Service Factory ins Spiel: Deren Aufgabe sei, „zu beobachten, Fragen zu formulieren und schließlich Lösungen für die Kunden anzubieten“. Dabei erarbeitet die „Factory“ nicht nur Konzepte für Auftraggeber aus Industrie und Mittelstand, sondern ist auch in der allgemein zugänglichen Grundlagenforschung involviert.

Deswegen wurde am Montag feierlich ein Fördermittelbescheid des Freistaates Bayern übergeben, der eine Förderung über elf Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre vorsieht. Diese Summe macht die Service Factory nach dem Energiecampus zum zweitgrößten Förderobjekt des insgesamt 115 Millionen Euro umfassenden „Strukturprogrammes Nürnberg/Fürth“, das nach der Quelle-Pleite aufgelegt wurde. „Wir im Freistaat wissen, dass wir Innovationen gerade auch im Dienstleistungsbereich benötigen“, lobte Staatssekretärin Katja Hessel das „Leuchtturmprojekt“.

Und auch Professor Heinz Gerhäuser, Leiter des weltbekannten MP3-Institutes Fraunhofer IIS, unter dessen Fittichen die neue Factory angesiedelt ist, glaubt fest daran, dass sich die Investition des Freistaates auszahlt. „Schon allein der demografische Wandel wird zu einer noch stärkeren Verschiebung von Arbeitsplätzen in den Dienstleistungssektor führen“, ist er sich sicher. Die Service Factory soll 2011 auf 14 Mitarbeiter aufgestockt werden. 



Sebastian Linstädt

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