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Man muss schon genau hinschauen, um Stilelemente des Nürnberger Wahrzeichens zu entdecken: „Das Modell ist nur an Nürnberg angelehnt“, heißt es auf dem Stand. Das ist eben die künstlerische Freiheit des Anlagenbauers.
Den Herstellern der Fahrzeuge lässt die Fangemeinde nicht so viel Freiheit. Sie müssen detailgetreu bis hin zum richtigen Farbton sein: „Dafür kratzen wir auch schon mal am Original etwas Farbe ab, um den Ton dann exakt zu treffen“, verrät Geschäftsführer Stefan Löbich vom Marktführer aus Göppingen. Die Detailverliebtheit der Kunden ist den Herstellern aber nicht lästig. Im Gegenteil: Sie führt dazu, dass immer neue, in Farbe oder Kleinigkeiten geänderte Varianten auf dem Markt Anklang finden.
Und es werden sogar noch mehr. Denn die Konsolidierung der Branche scheint abgeschlossen zu sein. Firmen wie die Modelleisenbahn Holding mit den Marken Roco und Fleischmann oder Märklin mit Trix und LGB verdienen wieder Geld. Geld, das in neue Produkte gesteckt wird. Beispiel Roco-Fleischmann: Nachdem sich die Firma in der Phase der klammen Kassen darauf konzentriert hatte, unter der Marke Fleischmann nur Modelle früherer Epochen anzubieten, kommt in diesem Jahr neben zahlreichen Jubiläumsmodellen ein moderner ICE. Die Neuerungen sollen den Umsatz weiter ankurbeln, den Holding-Chef Leopold Heher für 2011 auf 47 Millionen Euro bezifferte – bei einer Rendite von vier Prozent. „Auch Fleischmann verdient nach der Restrukturierung wieder Geld“, gab Heher zu Protokoll.
Positiv äußert sich auch der Marktführer. „Der Umsatz lag 2011 im Plan und wir haben ein hervorragendes Betriebsergebnis erzielt“, so Märklin-Chef Stefan Löbich. Er erwartet auch nicht, dass die Branche in diesem Jahr von der Krise eingeholt wird: „Wir sind im Segment Konsum Richtung Luxusgüter unterwegs. Das läuft.“
Löbich will die neu gewonnene finanzielle Basis im Jahr zwei nach der Insolvenz dazu nutzen, die drei Marken wieder stärker zu trennen. „Wir wollen Trix aus dem Schatten von Märklin herausholen“, verspricht er. Und er will den Fachhandel motivieren. Das Konzept dafür klingt einfach: „Hinfahren, reden, hinfahren, reden.“ Wo er mit LGB hin will, kann man an Loks und Waggons ablesen. Es gibt den Santa Claus Express und Waggons von Union Pacific. Zielmarkt ist die USA.
Mit Gartenbahnen will auch René Wilfer, Chef der Firma Piko aus Thüringen punkten. Er bringt in diesem Jahr mit dem TEE allerdings ein Modell, was eher europäische Fans ansprechen dürfte. Den Weg, den Märklin im letzten Jahr mit der Produktfamilie „My World“ – Bahnen für Kinder ab drei Jahren – begonnen hat, will Wilfer nicht mitgehen. Ihn schrecken die gesetzlichen Vorgaben bei den Kinderbahnen ebenso wie der Preiskampf mit Konzernen wie Lego. „Wir freuen uns aber über alles, was die Zielgruppe verbreitert.“
Für Märklin jedenfalls hat sich der Einstieg in das neue Segment gelohnt. 25000 Packungen gingen im Weihnachtsgeschäft über die Theke. „Wir mussten sogar nachproduzieren“, so der Märklin-Chef. Nun stellt LGB sogar einen etwa 1,60 Meter langer, kindgerechten ICE auf die Gleise der Gartenbahn.
Den Konkurrenten aus Thüringen lassen solche Nachrichten kalt. Auch der zunehmenden Digitalisierung mit Steuerungen über moderne Handys und Computer zeigt Wilfer noch weitgehend die kalte Schulter. Er glaubt, dass der Reiz der Modelleisenbahn nicht im stundenlangen Bespielen der Anlagen besteht („Das macht man doch nur, wenn man es Freunden zeigen will.“), sondern in der Planung, dem Aufbau und der Elektrifizierung. Die Strategie scheint Piko nicht zu schaden: Ein Umsatzplus von 17 Prozent gibt Wilfer für 2011 an.
Die Konkurrenz sucht dennoch ihr Glück in der moderneren Kommunikationstechnik: Nachdem Märklin bereits 2011 eine Zugsteuerung via iPhone vorgestellt hat und nun mit dem iPad aufsattelt, setzt auch die Modelleisenbahn-Holding auf die neuen digitalen Möglichkeiten. Die Steuerung von Loks inklusive Sound und Geräuschen kennt man, doch die neue Steuerung Z21 aus Österreich bietet mehr. Sie bildet den jeweiligen Führerstand auf dem Bildschirm nach – mit allen Hebeln, Schaltern und Knöpfen. Auf dem Bildschirm kann der Hobby-Lokführer die Bedienungselemente einzeln antippen und wie beim Original regeln – „alles intuitiv und ohne vorher eine ellenlange Bedienungsanleitung zu lesen“, heißt es.
Und das ist noch nicht alles: Im Lokfenster über den Bedienelementen soll irgendwann einmal das reale Bild eingeblendet werden, das die Lok mit einer Mini-Kamera bei der Fahrt durch die heimische Anlage übermittelt. „Wir wollen damit Türen aufstoßen zu neuen Zielgruppen – junges Publikum ansprechen, das nicht aus der Modellbahn-Ecke kommt“, erläutert der Holding-Chef Heher. Den Einwand, dann könne man im nächsten Schritt doch ganz auf die Anlage verzichten und nur noch virtuell Eisenbahn spielen, wollten die Österreicher nicht gelten lassen. So viel Zukunft ist ihnen dann doch zu viel.
Di. 07.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
So. 05.02.12