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Die Spekulationen der vergangenen Wochen könnten damit zu einem Ende kommen. Dass es ein gutes ist, erwartet kaum noch jemand: Hieß es bislang, dass in Deutschland zwischen 800 und 1200 Stellen gestrichen werden könnten, wurde gestern in Paris von der Unternehmensspitze darüber informiert, dass es im schlechtesten Fall sogar 1500 der 5700 Stellen deutschen Areva-Mitarbeiter treffen könnte.
Details darüber, welche Standorte oder Abteilungen es genau treffen wird, erhoffen sich die Beschäftigten von den heutigen Informationsveranstaltungen. Am Morgen tagt der deutsche Aufsichtsrat, danach der Wirtschaftsausschuss. Ob die „gefährliche Verunsicherung“, vor der der Erlanger IG-Metall-Chef Wolfgang Niclas schon nach den ersten Gerüchten über einen Personalabbau geredet hat, danach vorbei ist, konnte gestern niemand sagen. Bei einer Größenordnung von 1500 wegfallenden Stellen besteht zudem die Gefahr, dass ganze Kompetenzbereiche aus Deutschland abwandern. Davor hatte besonders der Betriebsrat zuletzt gewarnt.
Für Frankreich, wo etwa 30.000 der 48.000 Menschen des größten Nuklear-Unternehmens der Welt arbeiten, hat die Firmenspitze bereits ein Freiwilligenprogramm zum Stellenabbau angekündigt – wie üblich abgefedert durch Abfindungen. Außerdem eine stufenweise Personalreduzierung, indem freiwerdende Stellen nicht mehr besetzt werden.
Auf Programme dieser Art hoffen auch die Beschäftigten an den deutschen Standorten: „Bislang war die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen gut“, hieß es zuletzt aus Kreisen des Betriebsrats. Auch gestern habe das Management betont, dass betriebsbedingte Kündigungen – soweit möglich – verhindert werden sollen, war zu hören. Und eine Quasi-Standortgarantie hatte der neue Chef aus Paris, Luc Oursel, in einem Handelsblatt-Interview auch schon gegeben: „Klar ist, dass Areva in Deutschland bleiben wird“, wurde er zitiert.
Doch Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Situation in Deutschland und Frankreich völlig unterschiedlich ist: Areva gehört zu 83 Prozent dem französischen Staat, der also auch für die Arbeitsplätze in der Pflicht steht. Wer die französische Streikkultur kennt, weiß, dass das die Verantwortlichen in Paris gehörig unter Druck setzt.
In Deutschland dagegen sind Politik und Gewerkschaften in der Zwickmühle: Nach dem von der Politik beschlossenen und von den Gewerkschaften begrüßten Atomausstieg fallen Schuldzuweisungen an das Unternehmen schwerer. Allerdings, so heißt es bei Areva, könne es nicht sein, dass der weltweite „Fukushima-Effekt“ ausschließlich auf dem Rücken der deutschen Beschäftigten ausgetragen wird. Schließlich arbeiten die Menschen beispielsweise am Ingenieursstandort Erlangen weitgehend für internationale Projekte.