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GfK: Konsum erweist sich als Stabilisator der Wirtschaft

Sparen? Lieber kaufen die Deutschen Autos und Uhren - 09.02. 18:42 Uhr

NÜRNBERG  - Billig war gestern. Heute ist Qualität – und die lassen sich die Deutschen jetzt auch gerne etwas kosten. "Weniger ist mehr, lautet das Motto der Verbraucher", sagte Wolfgang Adlwarth. Der Handelsexperte der Nürnberger GfK betrachtet dies durchaus als eine Art Gegenbewegung zu der "Geiz-ist-geil-Mentalität" der vergangenen Jahre. Vor allem junge Leute leisteten sich öfter das teurere, aber eben auch bessere Produkt.

Krise? Nicht in Deutschland. Statt zu sparen konsumieren die Bundesbürger lieber.
Krise? Nicht in Deutschland. Statt zu sparen konsumieren die Bundesbürger lieber.
Foto: dapd
Krise? Nicht in Deutschland. Statt zu sparen konsumieren die Bundesbürger lieber.
Krise? Nicht in Deutschland. Statt zu sparen konsumieren die Bundesbürger lieber.
Foto: dapd

Von dem neuen Qualitätsbewusstsein profitierte im vergangenen Jahr auch der deutsche Handel, der zwar weniger Produkte absetzte, damit aber mehr Umsatz erwirtschaftete. Dieser stieg im Non-Food-Bereich um ein Prozent auf 148,4 Milliarden Euro. Der Lebensmittel-Einzelhandel konnte um 1,7 Prozent auf knapp 157 Milliarden Euro zulegen.

Auch schlugen sich Preiserhöhungen in beiden Bereich nieder. Als Verlierer sieht Adlwarth die Lebensmittel-Discounter, die zwar auch ein Plus für sich verbuchen konnten, aber dennoch hinter anderen Vertriebsschienen zurückblieben. Eine Tendenz, die sich laut Adlwarth weiter fortsetzen wird.

Insgesamt aber bleibt die Konsumlaune der Deutschen ungebrochen. „Das Geld auf die Bank zu tragen, ist für viele Menschen keine Alternative“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Weder seien die Konditionen sonderlich attraktiv, noch das Vertrauen in die Finanzmärkte sehr ausgeprägt. „Die Sparneigung ist gering, die Anschaffungsneigung dagegen robust.“ Investiert werde das Geld in Immobilien, in Autos – ob neu oder gebraucht –, aber auch in Schmuck und Uhren, wo es im vergangenen Jahr allein einen Zuwachs von elf Prozent gab. „Die Juweliere jubilieren derzeit“, sagte Bürkl.



Dass die Deutschen trotz der Schuldenkrise so optimistisch sind, sei einer gewissen Routine im Umgang mit Krisen geschuldet. „Außerdem gehen die Bundesbürger davon aus, dass in Deutschland eine Rezession vermeidbar ist.“ Der Optimismus sei durchaus gerechtfertigt: Die Beschäftigung nahm im vergangenen Jahr zu, dadurch sowie durch Tariferhöhungen kam es zu Einkommenszuwächsen. Ein Trend, der sich nach Ansicht des Konsumexperten 2012 fortsetzen werde. „Die Verbraucher haben Planungssicherheit.“

Sportereignisse erhöhen auch Nachfrage nach Bier und Salat

Zusätzlich könnten die beiden sportlichen Großereignisse – die Fußball-EM und die Olympischen Spiele – den Konsum ankurbeln, etwa bei TV-Geräten, Bier und bei allem, was man zum Grillen braucht – von Saucen bis hin zu Papiertischdecken und sogar Salat. Für das gesamte Jahr prognostizieren die Marktforscher der GfK ein Konjunkturplus von einem Prozent.

Ähnlich positiv könnten nur noch die Schweden und die Esten in die Zukunft blicken. In vielen Ländern des Euroraums herrsche hingegen ein ausgeprägter Konjunkturpessimismus, allen voran in Griechenland, Portugal und Italien. „Das lässt auch Deutschland als Exportland nicht unberührt“, so Bürkl.

So wird sich voraussichtlich auch in diesem Jahr der private Konsum wieder als Stabilisator der deutschen Wirtschaft erweisen müssen. Im vergangenen Jahr lag dieser bei 1,475 Billionen Euro, was 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. „Die Schuldenkrise wird für die Deutschen dann relevant, wenn sie diese am eigenen Leib zu spüren bekommen“, machte Bürkl deutlich. Und verschärft sich die Auseinandersetzung mit dem Iran, könnte diese die Energiepreise in die Höhe treiben. Das bekämen auch die Deutschen empfindlich im Geldbeutel zu spüren. 



Anja Kummerow

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