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Gigaliner-Feldversuch wird heftig kritisiert

Riesenlaster unerwünscht? - 23.02. 09:00 Uhr

BERLIN  - Beim Überholen dürften sie Autofahrern ungewohnt vorkommen: Laster, die länger sind, als man es von Lastern kennt. Ob XXL-Transporter für Deutschlands Verkehr gut oder gefährlich sind, wird jetzt getestet.

Ein Lang-Lkw in seiner „natürlichen Umgebung“. Die Gespanne haben eine Länge von 25,25 Metern. Das zulässige Gesamtgewicht ist allerdings in der Regel auf 40 Tonnen beschränkt, entspricht also dem eines konventionellen Lastzuges.
Ein Lang-Lkw in seiner „natürlichen Umgebung“. Die Gespanne haben eine Länge von 25,25 Metern. Das zulässige Gesamtgewicht ist allerdings in der Regel auf 40 Tonnen beschränkt, entspricht also dem eines konventionellen Lastzuges.
Foto: dapd
Ein Lang-Lkw in seiner „natürlichen Umgebung“. Die Gespanne haben eine Länge von 25,25 Metern. Das zulässige Gesamtgewicht ist allerdings in der Regel auf 40 Tonnen beschränkt, entspricht also dem eines konventionellen Lastzuges.
Ein Lang-Lkw in seiner „natürlichen Umgebung“. Die Gespanne haben eine Länge von 25,25 Metern. Das zulässige Gesamtgewicht ist allerdings in der Regel auf 40 Tonnen beschränkt, entspricht also dem eines konventionellen Lastzuges.
Foto: dapd

Es gibt keinen symbolischen Knopfdruck, keine Zeremonie mit Schere und schwarz-rot-goldenem Band. Unspektakulär rollt auf deutschen Straßen gerade ein Versuch mit Riesenlastwagen an. Seit dem Neujahrstag gibt es von Verkehrsminister Peter Ramsauer grünes Licht für Transporter, die bis zu 6,50 Meter länger sein dürfen als bisher erlaubt – jedoch nur auf bestimmten Strecken. Der auf fünf Jahre angelegte Test soll die Vor- und Nachteile ergründen und sorgt schon jetzt für Krach: Befürworter werben für effizientere „Ökolaster“, Gegner machen Front gegen gefährliche „Monstertrucks“.



Was genau sind Riesenlaster?

Manche nennen sie noch „Gigaliner“, das Bundesverkehrsministerium spricht offiziell von „Lang-Lkw“. Denn am regulären Höchstgewicht von maximal 40 Tonnen soll sich auch nichts ändern. Die seit 1. Januar geltende „Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge“ gestattet aber XXL-Gespanne von bis zu 25,25 Metern. Bisher dürfen Sattelschlepper 16,50 Meter messen und Lastwagen mit Anhänger höchstens 18,75 Meter.

Wer macht beim Testlauf mit?

Einfach quer durch die Republik rollen dürfen Riesenlaster nicht. Für die Gespanne, die für alle Verkehrsteilnehmer ungewohnt sind, gilt ein festgelegtes Streckennetz. Dabei sind jedoch nicht alle Bundesländer, sondern nur Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Spediteure müssen sich zunächst bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) registrieren. Bestätigungen gingen bisher an drei Speditionen heraus, wie eine Sprecherin sagt. Interessiert angefragt hätten rund 50 Unternehmen. Ausgelegt ist der Feldversuch auf maximal 400 Riesenlaster.

Was sollen Riesenlaster bringen? „Wo heute drei Lkw pro Tag unterwegs sind, sind es nur zwei Lang-Lkw“, argumentiert Ramsauer. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wirbt, bei gleichem Transportvolumen könnten bis zu 30 Prozent Sprit und klimaschädliches CO2 gespart werden. „Der Lang-Lkw ist deswegen ein echter Ökolaster“, schwärmt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Weil Brummis meist sperrige Fracht laden, geht es nicht um mehr erlaubtes Gewicht, sondern um mehr Platz: Während in einen normalen Sattelzug 34 Paletten passen, soll ein Riesenlaster 53 davon schlucken können.

Was sagen die Spediteure?

„Das sind keine Brot- und Butterfahrzeuge für die letzten Winkel des Landes“, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt. Sinnvoll sein könnten sie aber, um große Umschlagpunkte wie Seehäfen oder Güterbahnhöfe zu verbinden. Wenn jeweils nur zwei statt drei Fahrer und Trucks nötig sind, kann das auch Preiskalkulationen für Transporte günstiger machen. Dass die XXL-Flotte rasch wächst, gilt in der Branche aber als unwahrscheinlich.

Was bedeuten Riesenlaster für die Straßen und die Sicherheit?

Kritiker sehen das Verkehrsnetz für „Monstertrucks“ nicht gewappnet. „Unsere Straßen und Brücken, aber auch die Rastplätze an den Autobahnen sind für solche Fahrzeuge nicht ausgelegt“, mahnen SPD und Grüne. Der Autofahrerclub ADAC fordert ein scharfes Auge auf „kritischen Punkten“ wie Ortsdurchfahrten, Kreuzungen, Kreisverkehren und Überholmanöver. Befürworter verweisen dagegen auf Fahrerschulungen, Pflicht-Sicherheitstechnik und ein Gefahrgutverbot. Dass sich beim Riesen-Lkw das Gewicht auf mehr Achsen verteilt, schone sogar die Fahrbahnen.

Was sagt die Bahn?

Die Bahn, für deren Speditionstochter Schenker 20000 Lkw durch Europa fahren, beteiligt sich nicht am Test. Der laufende Betrieb wäre schwer darzustellen, weil durch die Nicht-Teilnahme mehrerer Bundesländer verkehrsstarke Korridore künstlich unterbrochen seien, sagt ein Sprecher.

Wie ist die Situation in Nürnberg?

Nürnberg ist die einzige Gemeinde in Bayern, die sich dem Feldversuch auf Grund von Sicherheitsbedenken bislang komplett verweigert. Das macht die A 73 für Lang-Lkw zur Sackgasse. Auch das Nürnberger Hafengebiet mit dem Güterverkehrszentrum (GVZ) ist außen vor. 



dpa/NZ

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