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Die blauen Schachteln mit dem gelben Schriftzug haben schon seit Jahrzehnten einen Stammplatz in der Nähe herkömmlicher Spielwaren. Das könnte den Marktanteil von rund 80 Prozent bei den Plastikmodellbausätzen erklären, den Revell für sich beansprucht. Modelle aus Plastik sind nach wie vor das Kerngeschäft des Unternehmens, das 1943 in Kalifornien gegründet wurde und seit 1956 über eine Tochtergesellschaft in Deutschland verfügt. Wurden die ersten Bausätze aus den USA importiert, machte man sich ab den siebziger Jahren daran, auch in Deutschland zu produzieren. „Die siebziger Jahre waren der Durchbruch, was den Modellbau anbelangte“, blickt Dresrüsse zurück.
Auch heute stehen die Plastikmodellbausätze hoch im Kurs. Besonders gefragt sind laut Dresrüsse Flugzeugmodelle, mit denen man sich dem Traum vom Fliegen vielleicht ein wenig nähern kann. Träume sind auch, wovon Produktdesigner Jürgen Zurnieden spricht, wenn er auf die Ideen zu den jährlich rund 100 Neuheiten angesprochen wird. „Ein echtes Traumauto wie einen Ferrari kann sich praktisch niemand leisten – aber ein liebevoll gestaltetes Modell für die Vitrine eben schon“, sagt Zurnieden. Inspirieren lasse er sich oft davon, was ihm selber gut gefalle. Und natürlich spielen neue technische Entwicklungen mit hinein. Wird ein neuer Airbus eingeweiht, liefert Revell rechtzeitig das voll lizensierte Modell. „Üblicherwiese vergehen von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt etwa zwölf Monate“, erklärt Zurnieden.
Bei der Recherche zu neuen Modellen geht man bei Revell sorgfältig zu Werke. Im Falle von modernen zivilen Fluggeräten bekommt Revell zum Teil Einsicht in die technischen Details. „Im Falle des neuen Bausatzes „Uhu“ – ein Nachtjäger aus dem zweiten Weltkrieg – besuchte ein Mitarbeiter von uns sogar das Museum in den USA, wo das letzte Exemplar zu finden ist“, berichtet Dresrüsse. „Wann immer möglich, schauen wir uns die Originale genau an.“
Militärisches zu Wasser, zu Lande und in der Luft spielt im Sortiment von Revell traditionell schon immer eine gewichtige Rolle. „Allerdings sind wir im Vergleich zur Konkurrenz der Anbieter mit dem ausgewogensten Angebot“, sagt Dresrüsse und verweist auf die zivile Palette, in der neben Traumautos und Linienmaschinen auch Kreuzfahrtschiffe ihren Platz finden.
Während die zum Teil komplexen Plastikbausätze gezielt erwachsene Sammler ansprechen, bietet Revell für das jüngere Publikum die sogenannten Easy-Kits an, die sich mit ein paar Handgriffen zusammensetzen lassen und robust genug sind, um als Spielzeug verwendet zu werden. Allein in diesem Bereich setzt Revell auch gezielt auf eine Star-Wars-Lizenz.
Neben einem absoluten Fokus auf Plastikbausätze bietet Revell auch eine überschaubare Palette von Bausätzen aus Holz an, die sich den Erfindungen Leonardo da Vincis widmen. Diese 2010 eingeführte Retro-Linie soll durch liebevolle Detailtreue und Funktionalität zum Kauf reizen.
Eine andere Dimension von Holzbausätzen hat die Firma Krick aus Knittlingen im Angebot: Zu Krick gehört die dänische Marke Billing Boats, die sich detailgetreuen Schiffsmodellen aus Balsaholz verschrieben hat. „Die großen Modelle nehmen auch bei einem erfahrenen Modellbauer gut und gerne über 300 Arbeitsstunden in Anspruch“, erklärt Christian Pittroff von Krick. Das besondere bei den Bausätzen von Krick ist, dass die zum Teil nur millimetergroßen Bauelemente exakt mit einem Laser vorgestanzt sind und sich deswegen leicht herauslösen lassen. Der Bootsrumpf dieser Modelle wird in mühevoller Kleinarbeit an den Spanten aufgeplankt – also angelehnt an den traditionellen Schiffsbau aus kleinen gebogenen Hölzern nach und nach aufgebaut. „Das ist nichts für Anfänger“, räumt Pittroff ein. Doch fingerfertige Feierabendbastler lassen sich die besondere Herausforderung, ein schwimmfähiges Modell mit einem Meter Gesamtlänge aus ein paar Holzscheiben zu erschaffen, gut und gerne bis zu 300 Euro kosten.
Viele Modelle von Krick sind mit einem Motor nachrüstbar und können so zu vollwertigen ferngesteuerten Mini-Schiffen werden. Doch auch im Preisssegment um die 50 Euro bietet Krick Einsteigermodelle an, die zum Teil über einen vorgeformten Rumpf verfügen und deswegen in der Konstruktion nicht ganz so anspruchsvoll sind. Das kleine Segelboot „Optimist“ ist laut Pittroff in drei bis vier Stunden zusammengesetzt und schwimmfähig. Erhältlich sind die Produkte der Firma Krick ausschließlich im Fachhandel. „Es handelt sich um beratungsintensive Produkte, die wir bei unseren geschulten Fachhhändlern in guten Händen wissen“, sagt Pittroff.
Gute oder vielmehr ruhige Hände braucht auch, wer die Produkte der Firma Aedes Ars aus Barcelona in Angriff nimmt: Die Katalanen bieten Steinbausätze berühmter Bauwerke, von der Pyramide in Chichen Itza über Burgen in der Steiermark bis hin zum Regensburger Ostentor. Der Bastler errichtet dabei zunächst eine Grundstruktur aus stabilem Karton, auf dem wiederum die Positionen der einzelnen Steine gekennzeichnet sind. Einem Puzzle gleich werden die Tonstückchen, die bei 600 Grad Celsius gebrannt wurden, an ihre Stelle gefügt. Allerdings müssen die Steinchen zum Teil manuell nachgearbeitet werden.
Etwas einfacher präsentieren sich da die klassischen Kartonbasteleien der Firma Schreiber. Das Angebot umfasst eine Vielzahl unterschiedlich schwerer Gebäude aus verschiedenen Epochen. Vom Eiffelturm über den Schiefen Turm von Pisa bis hin zu wildromatischen Ritterburgen und Stadthäusern ist alles dabei. Wer nicht architektonisch interessiert ist, kann auch Fahrzeuge oder sogar Tiere falten, falzen und zusammenkleben.
Gleich ob Plastik, Holz oder Karton samt Steinen. Geduld und Fingerspitzengefühl stecken in keiner Packung - die müssen Käufer selbst mitbringen.
Di. 07.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
So. 05.02.12
Mi. 23.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12