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Dass dem Handwerk ein steigender Nachwuchsmangel droht, liegt nach Meinung des Handwerkskammer-Präsidenten Heinrich Mosler aber nicht etwa daran, dass die Ausbildungs- und Aufstiegschancen schlecht wären – im Gegenteil. Grund sei vielmehr die gesamtgesellschaftliche Entwicklung: Gab es im Jahr 2000 noch 50000 Hauptschulabgänger in Bayern – sie stellen etwa 70 Prozent der Lehrlinge im Handwerk – werden es in sechs Jahren nur noch 24500 sein.
Den voraussehbaren Lücken an Facharbeitern stemmen sich die Handwerksvertreter mit vielen Maßnahmen entgegen: Sie kümmern sich verstärkt um Jugendliche mit Migrationshintergrund, bieten Aufbaukurse an, um Schwächen zu beseitigen, und setzen auf die Qualifizierung des Personals in den Betrieben. Abiturienten, die sich – zwar auf noch niedrigem Niveau – zunehmend für Handwerksberufe interessieren, locken sie mit der Möglichkeit, parallel einen Gesellenbrief und einen Bachelor-Abschluss zu machen.
Zudem hoffen die Handwerker, dass sich zunehmend Mädchen in den Berufen etablieren. Immerhin ist bereits jede fünfte Ausbildungsstelle in weiblicher Hand. „Dass Frauen weniger von Technik verstehen als Männer, ist Unfug“, so Mosler.
Ein Problem, das das Handwerk lösen will, ist auch die hohe Zahl derjenigen, die die Ausbildung nicht bis zum Ende durchhalten. Dass rund zehn Prozent der Verträge schon nach wenigen Monaten keinen Bestand mehr haben, hat laut Mosler verschiedene Gründe: Leistungsstarke Jugendliche hätten anfangs oft mehrere Angebote und sagten dann kurzfristig Stellen ab. Oft sei es aber auch so, dass Lehrstelle und Auszubildender nicht zusammenpassen.
Gute Vorbereitung kann das verhindern. Der Handwerkspräsident empfiehlt als ersten Schritt den NZ-Talentcheck (im Internet unter: nz.persokomp.de), bei dem Jugendliche ihre Stärken und Schwächen herausfiltern können. Und Mosler rät zu Praktika während der Schulferien, um Berufe und Betriebe kennenzulernen. Denn nicht jeder ist dafür geeignet, Kfz-Mechatroniker zu werden – der vor Elektroniker und Friseurin beliebteste Beruf bei den Jugendlichen. Ungeliebt sind dagegen Ausbildungen im Nahrungsmittelbereich, wie etwa Bäcker oder Metzger.
Die Abbrecherquote ist vielleicht aber auch eine Folge davon, mutmaßt Mosler, dass die Betriebe zunehmend auch schwächeren Jugendlichen eine Chance geben, die dann die Erwartungen doch nicht erfüllen können. Die Handwerkskammer denkt daher auch darüber nach, ob man die Anforderungen für die Erstausbildung nicht etwas „abspecken“ könnte. „Wir können nicht die Anforderungen ständig nach oben fahren. Denn die Jugendlichen sind die gleichen“, so der Kammerpräsident. Im Vergleich zur Weiterbildung verliere die Erstausbildung daher etwas an Bedeutung.
Mi. 23.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12