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Mit 300 Brummis zur Europameisterschaft

Gespräch mit Christian Schultze, Leiter von DB Schenker-Sportsevents - 10.06.2012 14:30 Uhr

Der Ball rollt wieder. Und Deutschland ist im EM-Fieber. Daran, dass das Großereignis ohne Probleme über die Bühne geht, arbeiten auch die Experten von DB Schenker Logistics seit zwei Jahren. Die Nürnberger Zeitung sprach mit Christian Schultze, der als Leiter DB Schenker-Sportsevents mit seinem Team für den reibungslosen logistischen Ablauf rund um die EM sorgt.

Schon zwei Jahre bevor das erste Spiel der Fußball-Europameisterschaft  am Freitag in Warschau angepfiffen wurde, waren die Experten von DB Schenker Sportsevents unterwegs, um die Logistik für das Großereignis zu planen.
Schon zwei Jahre bevor das erste Spiel der Fußball-Europameisterschaft am Freitag in Warschau angepfiffen wurde, waren die Experten von DB Schenker Sportsevents unterwegs, um die Logistik für das Großereignis zu planen.
Foto: dpa
Schon zwei Jahre bevor das erste Spiel der Fußball-Europameisterschaft  am Freitag in Warschau angepfiffen wurde, waren die Experten von DB Schenker Sportsevents unterwegs, um die Logistik für das Großereignis zu planen.
Schon zwei Jahre bevor das erste Spiel der Fußball-Europameisterschaft am Freitag in Warschau angepfiffen wurde, waren die Experten von DB Schenker Sportsevents unterwegs, um die Logistik für das Großereignis zu planen.
Foto: dpa

NZ: Herr Schulze, wann war bei Schenker Anpfiff für die Europameisterschaft?

Christian Schultze: Mit einem internationalen Team aus Sportlogistikexperten bereitet sich DB Schenker seit mehr als zwei Jahren auf die Europameisterschaft vor.

NZ: Wie genau ist DB Schenker in den logistischen Kreislauf rund um die EM eingebunden?

Schultze:
Großevents wie die Fußball-EM erfordern weitaus mehr als einfache Transportdienstleistungen: Ein komplexes Zusammenspiel aus europaweiter Transport-, Lager- und Veranstaltungslogistik stellt sicher, dass alle benötigten Einzelteile – von den Fußballtoren bis hin zur Fernseh- und Rundfunktechnik – pünktlich an den Austragungsorten angeliefert werden.


NZ: Mit wie vielen Leuten plant man solch ein Mammutprojekt firmenintern? Und wie viele Mitarbeiter sind dann tatsächlich vor Ort?

Schultze: Um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, haben wir ein gemeinsames Projektteam aus Mitarbeitern der Schenker-Landesgesellschaften in Polen und in der Ukraine und unserem Expertenteam, dem sogenannten „Soccer Competence Team“ von DB Schenker-Sportsevents, gegründet.

Muttersprachliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich bestens mit den landesspezifischen Gegebenheiten auskennen, sind rund um die Europameisterschaft vor Ort im Einsatz und sorgen für optimale Planung, Organisation und Abwicklung aller Transporte und Zollformalitäten. Insgesamt arbeiten rund 100 Personen bei DB Schenker in Deutschland sowie in den Landesgesellschaften am Projekt Fußball-EM mit.

NZ: Was schätzen Sie, wie viele Tonnen Material sind rund um die EM von DB Schenker transportiert werden?

Schultze: In Tonnen ist das schwer auszudrücken. Rund 300 Lkw waren für uns unterwegs, darunter unter anderem alleine zwei sogenannte Koffer-Wechselbrücken-Lkw für das DFB-Trainingslager und Transporte zur EM. Außerdem haben wir rund 40 Fußballtore und weiteres Zubehör in die Ukraine und nach Polen transportiert. An das Sendezentrum in Warschau wurden Kabel, Kameras, Monitore, Schnittplätze sowie Audio- und Video-Technik geliefert. Alleine für die Uniformen der freiwilligen EM-Mitarbeiter waren über 4000 Kartons nötig.

NZ: Worin bestehen die besonderen Herausforderungen, wenn man als Logistikpartner für eine EM tätig ist?

Schultze: Bei Fußball-Großereignissen geht es zwar – anders als beispielsweise bei Olympischen Spielen – nur um eine Sportart. Aber das Turnier wird im Gegensatz zu den Olympischen Spielen auch an viel mehr Orten ausgetragen. Diese liegen zum Teil sehr weit voneinander entfernt. Die Teams und Medienvertreter reisen viel mehr umher und wechseln die Hotels und Stadien während der Spiele.

Das ist eine besondere Herausforderung, auf die unser Team auch unsere Kollegen in den Auslandsorganisationen frühzeitig vorbereiten musste. Die EM stellt in Bezug auf die Logistik noch eine weitere besondere Herausforderung dar: Denn mit dem EU-Land Polen und dem Nicht-EU-Mitglied Ukraine treten gleich zwei Länder als Gastgeber auf. 16 Mannschaften werden in vier polnischen Städten und in vier Stadien der Ukraine um die europäische Fußballkrone kämpfen.

Dabei liegen zwischen Donetsk in der Ukraine und Danzig an der Ostseeküste mehr als 2000 Kilometer. Und während Lieferungen nach Polen innerhalb der EU zollfrei abgewickelt werden können, müssen alle in die Ukraine eingeführten Waren erst einmal durch den Zoll.

Christian Schultze
Christian Schultze
Christian Schultze
Christian Schultze

NZ: Wie eng sind Ihre zeitlichen Ablaufpläne? Gibt es viele Aktionen, die Just-in-time bewerkstelligt werden müssen?

Schultze: Das Gros der Transporte nach Polen und in die Ukraine haben wir bereits im April und Mai abgewickelt. Kurz vor Anpfiff oder auch während des Turniers kann es aber durchaus sein, dass unsere Kunden beim Aufbau feststellen, dass bei der Planung etwas vergessen wurde oder noch dringend Ersatzteile benötigt werden.

Solche Schnellschüsse wickeln wir dann meist mit Sonderfahrten ab. Auch nach der EM sind die Zeitpläne eng. Unsere Kunden wollen ihr Material möglichst schnell wieder anderweitig einsetzen. Zumal ein Teil des Equipments direkt im Anschluss in London für die Olympischen Spiele 2012 aufgebaut werden muss.

NZ: Wie wird man überhaupt EM-Partner?

Schultze: Schenker war unter anderem bereits für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland offizieller Logistikpartner. Solch ein offizieller Status wurde für die diesjährige EM nicht vergeben. Dennoch haben wir frühzeitig mit den Organisationskomitees in Polen und der Ukraine und mit der UEFA Kontakt aufgenommen, uns an Ausschreibungen beteiligt und Gespräche über die Zusammenarbeit geführt.

So ist unsere Landesgesellschaft in Polen vom lokalen Organisationskomitee zum empfohlenen Zollagenten für die EM erklärt worden. Mit dem lokalen Organisationskomitee in der Ukraine arbeiten wir ebenfalls eng zusammen und übernehmen zum Beispiel die Distribution der Uniformen für die Freiwilligen und die Offiziellen. Bereits bei den Olympischen Spielen 1972 in München war DB Schenker als offizieller Spediteur im Einsatz.

NZ: Zwischenzeitlich war – aus politischen Gründen – die Verlegung von Spielen von der Ukraine nach Polen im Gespräch. Ein logistischer Alptraum?

Schultze: Eine hohe Flexibilität ist bei Sport- und Eventlogistik immer gefragt. Die größten Herausforderungen sind die zahlreichen unvorhersehbaren und nicht planbaren Details sowie darüber hinaus der stets sehr enge Zeitrahmen für die Durchführung der Logistik. Hinzu kommen noch weitere Faktoren, die die Transportplanung negativ beeinflussen, wie beispielsweise Streiks oder wetterbedingte Flugausfälle. Wir müssen uns eben nach diesen Gegebenheiten richten.
  

Fragen: Sebastian Linstädt


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Kurzbeschreibung:
Die Fußball-Europameisterschaft 2012 findet vom 8. 6. bis 1.7. 2012 in Polen und in der Ukraine statt. Eröffnungsspiel in Warschau, Endspiel in Kiew. DFB-Auswahl in der Gruppe B mit Niederlande, Dänemark und Portugal. Spielorte: Lwiw und Charkow. Alle Infos zum Spielplan und zu den Stadien gibt es in unserer Infografik.

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