|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
„Doch wenn man als Kind die Wirkung spürt und die Bauchschmerzen ganz schnell verschwinden, trinkt man es sogar gerne“, erzählt Florian Valet. Während seine Kinder heute „müssen“, tut er es mittlerweile höchst freiwillig. Und nicht nur das: Der 41-Jährige produziert und vertreibt gemeinsam mit seinem vier Jahre älteren Bruder Markus das Produkt der Retterspitz GmbH – mit großem Erfolg.
Neben Tempo, Dr. Oetker, Persil, Melitta oder Penaten-Creme lässt sich Retterspitz – ob „innerlich“ oder „äußerlich“ – mühelos in die Liga der deutschen Marken einreihen, die seit mehreren Jahrzehnten in vielen deutschen Haushalten zu finden sind. Seit mehr als 160 Jahren wird das Heilwasser aus Franken gegen allerlei Beschwerden und Krankheiten eingesetzt.
Rund 80 Indikationen sind inzwischen aufgelistet, bei denen das Schwaiger Unternehmen Linderung, wenn nicht gar Heilung verspricht: Von A wie Abhärtung über Bluterguss, Fibromyalgiesyndrom, Insektenstiche, Magenverstimmung, Rückenschmerzen, Sodbrennen bis hin zu Z wie Zellulitis reicht die Anwendungspalette.
Einst ein wohlgehütetes Geheimnis, müssen die Bestandteile des Heilwassers in Zeiten gesetzlich vorgeschriebener Inhaltsstoff-Angaben inzwischen offengelegt werden. Zitronen- und Weinsäure sind enthalten, ätherische Öle wie Rosmarin und Thymian gegen Entzündungen. Orangenblüte, Zitrone und Bergamotte sorgen für ein angenehmes Aroma in der Nase und damit auch für eine positive psychische Wirkung. „Das Wohlgefühl ist schließlich auch ein wichtiger Aspekt des Heilungsvorgangs“, sagt Markus Valet.
Die genaue Rezeptur behält die Familie für sich. Natürlich. Schließlich ist sie die Grundlage des Unternehmens, das Urgroßvater Hans Scheck im Jahr 1902 gründete. Der Apotheker hatte die Rezeptur für das Mittel gekauft, das ihn von seinem Magengeschwür befreit hatte. Erworben hatte er es von Margarete Retterspitz. Diese hatte es von ihrem ersten Mann Georg Weber erhalten, dem es wiederum von einem Arzt überliefert worden war. Das Mittelchen hieß es anfänglich „M. Webers Heilwasser“. Schon damals wurde es als Schönheitsmittel, Hautpflegemittel und zur Behandlung von Krankheiten verwendet.
Die Geschäftsfrau wurde mit 33 Jahren Witwe, arbeitete aber weiter intensiv am Vertrieb des Mittels. Schon zwei Jahre später gehörten 60 Apotheken zu ihren Kunden. Durch ihre zweite Heirat wurde sie zu Margarete Retterspitz, das Mittel zu „Universal-Heilwickel Bäder von Margarete Retterspitz“. Als solches wurde es 1901 als Markenzeichen angemeldet. Ein Jahr später gehörte es Apotheker Hans Scheck.
Dessen Urenkel Markus und Florian Valet führen es nach Großvater Hermann Scheck und Vater Gerhard Valet heute fort. „Retterspitz wird noch immer nach der gleichen Rezeptur hergestellt“, berichtet Florian Valet. Inzwischen umfasst das Sortiment rund 30 Produkte, darunter eine Kosmetiklinie. Alle Produkte setzen vor allem auf die stark entzündungshemmende Wirkung des aus dem Thymian gewonnenen Thymols.
Zu den Bestsellern gehört nach wie vor das Produkt der ersten Stunde: Retterspitz äußerlich, das für Wickel verwendet wird. Und weil heute nicht mehr jeder weiß, wie man einen Wickel macht, lehrt die Firma Retterspitz dies in Workshops. „Die Temperatur muss stimmen“, sagt Markus Valet. „Außerdem muss das Wickeltextil glatt aufliegen, damit keine Luftkammern entstehen. Und wenn es zu nass ist, kann der Körper nicht gegenregulieren.“ Ein positiver Nebeneffekt: Wenn man eine dicke Erkältung mit einem Wickel kurieren möchte, muss man sich dafür auch die notwendige Pause gönnen. „Mit einem Brustwickel kann man nun mal nicht bügeln.“ Aber auch Profi-Fußballer setzen auf das fränkische Produkt – für eine schnellere Heilung von Zerrungen und Prellungen.
Mit Retterspitz äußerlich erwirtschaftet das Unternehmen mit seinen 41 Mitarbeitern über die Hälfte des gesamten Umsatzes. Der liegt „im einstelligen Millionenbereich“, ist Markus Valet, der für das operative Geschäft zuständig ist, zu entlocken. Etwas weniger als die Hälfte des Umsatzes wird mit „Retterspitz innerlich“ eingefahren. Die milde Säure des Produkts hilft unter anderem, im Übermaß produzierte Magensäure abzupuffern. „Andere Produkte stellen einen basischen Wert her und verstärken so das Problem eigentlich eher, das heißt, der Körper produziert nur noch mehr Säure“, erklärt Florian Valet das Prinzip.
Obwohl Retterspitz seit der Gesundheitsreform in den 90er Jahren von den Krankenkassen nicht mehr erstattet wird, wächst das Unternehmen seit Jahren – um fünf bis zehn Prozent. „Ich kenne Retterspitz noch von meiner Großmutter“, hören die Brüder öfter von Kunden. Oder: „Ich kenne Retterspitz von meiner Hebamme.“ Auf diesem Weg kommt das Produkt auch in junge Familien. „Alte Werte spielen heute einfach wieder eine viel größere Rolle“, sagt Markus Valet. Und alte Werte – davon hat Retterspitz reichlich.
Mi. 23.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12