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Zähes Ringen bei Prinovis

Wie ernst steht es um den bestreikten Tiefdruckbetrieb? - 02.09. 21:05 Uhr

NÜRNBERG  - Die Geschäftszahlen der Konzernmutter Bertelsmann sind rekordverdächtig, die Umsatzrendite erneut zweistellig – doch beim Druckunternehmen Prinovis scheint die Situation alles andere als kommod.

Seit über fünf Wochen wird die Druckerei von Prinovis in der Breslauer Straße immer wieder bestreikt – über die daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Seit über fünf Wochen wird die Druckerei von Prinovis in der Breslauer Straße immer wieder bestreikt – über die daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Foto: Max Janakow/oH
Seit über fünf Wochen wird die Druckerei von Prinovis in der Breslauer Straße immer wieder bestreikt – über die daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Seit über fünf Wochen wird die Druckerei von Prinovis in der Breslauer Straße immer wieder bestreikt – über die daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Foto: Max Janakow/oH

„Wir veröffentlichen keine Details zu Umsatz und Ergebnis der Prinovis-Gruppe“, erklärte Prinovis-Sprecher Alexander Adler der NZ auf Anfrage. Dennoch ließ er durchblicken, dass die Situation in Nürnberg nach wie vor alles andere als rosig ist: „Wir rechnen am Standort Nürnberg mit einem negativen Ergebnis im mittleren einstelligen Millionenbereich“, sagte Adler weiter. Deswegen sei das Umstrukturierungsprogramm, das den Abbau von etwa 140 Stellen am Standort vorsieht (die NZ berichtete) aus Sicht des Vorstands auch unausweichlich.



Streitpunkt bei den von Prinovis geplanten Maßnahmen ist, dass nur diejenigen Mitarbeiter gekündigt werden sollen, die keinen Sonderkündigungsschutz durch die Unterzeichnung eines Lohnverzichts erworben haben. Während Gewerkschafter wie der ver.di-Fachgruppenleiter für Verlage, Druck und Papier, Josef Peitz, darin weiterhin eine eklatante Verletzung arbeitsrechtlicher Grundlagen sehen (siehe rechts), verteidigte Sprecher Adler die juristische Konstruktion rund um das sogenannte „Bündnis 2“ erneut: „Jeder hatte ja die Chance, einen Sonderkündigungsschutz zu erwerben.“

Aufgrund dieser Auseinandersetzung wird der Nürnberger Standort von Prinovis seit mittlerweile fünf Wochen immer wieder bestreikt. Hans Killer von der Streikleitung geht davon aus, dass die Produktivität des Standortes darunter massiv zu leiden hat und sogar Aufträge außer Haus gegeben werden mussten. „Wir hatten sogar eine Rückmeldung von einer Druckerei, deren Belegschaft solche Streikbrucharbeiten abgelehnt hat“, sagt Betriebsratsmitglied Killer.

Dies verneint Pressesprecher Adler ausdrücklich: „Der Produktionsablauf in Nürnberg ist nicht gestört.“ Während der Streiks, an denen sich nach Unternehmensangaben rund 100 Mitarbeiter verschiedener Schichten beteiligten, sei die Produktion durch Mehrarbeit der Nicht-Streikenden aufrecht erhalten worden, so Adler. Während ver.di weiterhin davon ausgeht, dass einige Produkte – wie etwa Teile der Auflage des ADAC-Hefts – derzeit ausgelagert würden, dementiert Adler: Dieser Auftrag werde von der sogenannten Weiterverarbeitung immer wieder ausgelagert – es handele sich also um einen regulären, keinen streikbedingten Vorgang. „Die Fremdvergabe von Aufträgen ist völlig normal und an der Tagesordnung“, sagt der Prinovis-Mann, stellt aber klar: „Jede zusätzliche Auslagerung, die streikbedingt erfolgen müsste, wäre der Zukunft des Standortes nicht zuträglich.“


Adler bestätigte auch, dass sich der Prinovis-Vorstandschef Thorsten Thiel bereits am Donnerstag persönlich ein Bild von der Lage in Nürnberg gemacht habe. Gerüchte aus dem Konzernumfeld, denen zufolge eine Krisensitzung der Standortleitung mit dem Prinovis-Vorstandschef stattgefunden haben soll, bestreitet er jedoch: „Thorsten Thiel ist routinemäßig immer wieder an den Standorten. Es ging ihm auch darum, mit der Belegschaft ins Gespräch zu kommen.“

Thiel verantwortet als Vorstandsvorsitzender seit 2008 die fünf Prinovis-Tiefdruckereien an den Standorten Ahrensburg, Nürnberg, Dresden, Itzehoe sowie im englischen Liverpool. Seit 2006 ist er außerdem Geschäftsführer der Bertelsmann-Tochter Arvato Services, die sich unter anderem mit Finanzdienstleistungen und Outsourcing beschäftigt. Bei Arvato Services war auch der jetzige Nürnberger Standortleiter Daniel Welzer seit 2006 tätig, bevor er 2009 nach Franken wechselte.

Wert legt Adler auch auf die Feststellung, dass der Betriebsrat immer noch mit der Geschäftsleitung im konstruktiven Dialog sei, während es den Streikenden vorrangig um einen Anerkennungstarifvertrag gehe.

Aber fühlt sich denn die Belegschaft überhaupt noch repräsentiert von einem Betriebsrat, durch den ein mittlerweile auch von außen klar erkennbarer Riss geht? Adler verweist auf den Standort selbst, dessen Geschäftsführer derzeit aber keine Interviews gibt. Killer und weitere Mitglieder des Betriebsrates wiederum warten seit Tagen auf eine bereits mehrfach verschobene, außerordentliche Betriebsratssitzung, die ein wenig Licht in die verfahrenen Verhältnisse bringen soll. „Es ist uns Betriebsräten derzeit nicht einmal möglich, eine Wasserstandsmeldung über den Stand der Verhandlungen von der Verhandlungskommission zu bekommen“, klagt Killer. Eine Tatsache jedoch steht für den jungen Betriebsrat auch angesichts dieser festgefahrenen Fronten fest: „Lohnverzicht rettet keine Arbeitsplätze.“ 



Sebastian Linstädt

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