Die Übernahme des renommierten Porzellanherstellers Rosenthal durch die italienische Sambonet-Gruppe hat noch nicht die erhofften Früchte getragen. «Ehrlich gesagt, haben wir schneller positive Ergebnisse erwartet», sagte Rosenthal-Geschäftsführer Pierluigi Coppo in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Als Grund nannte er die nach wie vor anhaltende Zurückhaltung der Verbraucher bei der Anschaffung langlebiger Konsumgüter in Deutschland und Europa.
Die Porzellanindustrie insgesamt befindet sich laut Coppo nach wie vor in einer sehr schwierigen Situation. «Es ist sehr schwer, den Ist-Zustand zu halten, geschweige denn zuzulegen», sagte er. Ein Grund dafür seien auch veränderte Verbrauchergewohnheiten. «Die Menschen geben immer weniger Geld für hochwertige Produkte rund um den gedeckten Tisch aus, die Tradition der Hochzeitstische wird immer weniger gepflegt», sagte der 62-Jährige, der gemeinsam mit seinem Bruder Franco (58) Inhaber der Sambonet Paderno Industries S.P.A. ist.
Für Rosenthal und den italienischen Besteck- und Topfhersteller sieht Coppo dennoch gute Zukunftschancen. «Wir zählen zu den bedeutendsten Gruppen unserer Branche in der Welt und werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, Rosenthal und Sambonet zu stärken», sagte Coppo gut ein Jahr nach der Übernahme des insolventen Porzellanherstellers. Dazu sollen auch neue gemeinsame Ausstellungsräume und die Neugestaltung des Werksverkaufs in Selb beitragen.
Gemeinsame Chancen sieht Coppo vor allem auf den wachsenden Märkten in Fernost und der ehemaligen Sowjetunion. Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen hat sich die Zahl der Mitarbeiter bei Rosenthal in Selb und Speichersdorf (Landkreis Bayreuth) nach der Übernahme bei knapp 1000 eingependelt. Angesichts der stark nachlassenden Nachfrage nach großen Porzellanfiguren wurde allerdings vor wenigen Wochen die Kunstabteilung geschlossen. 15 Beschäftigte erhielten ihre Kündigungen. Auch im Bereich der Verwaltung schließt Coppo einen weiteren Personalabbau nicht aus. «Dabei handelt es sich aber nicht um eine größere Zahl», erklärte er.
Die rund 40 Millionen Euro teure Übernahme von Rosenthal haben die Coppo-Brüder dennoch nicht bereut. «Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden, auch wenn noch ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt», sagte Pierluigi Coppo. Ziel sei es, die Effektivität zu erhöhen und Rosenthal wieder zu einem profitablen Unternehmen zu machen.
