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Rückkehr nach über 200 Jahren

Deutscher Orden wieder in Nürnberg - 28.12.2007

Das Deutschordenskreuz auf der klassizistischen Kuppel von St Elisabeth weist auf den Bezug zur einstige Komturei hin, die sich in Nachbarschaft zu St. Jakob befindet.

Das Deutschordenskreuz auf der klassizistischen Kuppel von St Elisabeth weist auf den Bezug zur einstige Komturei hin, die sich in Nachbarschaft zu St. Jakob befindet. © Wegener


Der Deutsche Orden (auch Ordo Teutonicus) ist ein geistlicher Ritterorden, der maßgeblich an der Deutschen Ostkolonisation beteiligt war. Er wurde neben dem Johanniter- bzw. Malteserorden und den Templern als dritter großer Ritterorden in der Zeit der Kreuzzüge (1190) gegründet. Erster Hochmeister war Heinrich I. Walpot von Bassenheim. Mit Hilfe des Ordens wollte das Reich im Heiligen Land Einfluss nehmen, da der deutsche Adel dort keine Stützpunkte besaß, die ihre Interessen vertreten konnten.

Vor allem Kaiser Friedrich II. privilegierte den Orden, um ihn an herausragender Stelle in seine imperiale Politik einzubauen. Als nach dem Fall Akkons 1291 die Ritterorden Palästina verlassen mussten, verlegte der Deutsche Orden seinen Hauptsitz - im Gegensatz zu den Templern und Johannitern, die in Zypern eine Bleibe fanden - nach Venedig. 1309 siedelte der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen den Hauptsitz auf die Ordensburg Marienburg im früheren Ostpreußen um.

Die Geschichte des Ordens von dieser Zeit bis zum Jahre 1525 ist eng mit dem Schicksal des Ordensstaates verknüpft, aus dem später Ostpreußen, Kurland, Livland und Estland hervorgingen.

Im Baltikum waren 1237 riesige Ländereien übernommen worden. Der Orden schuf sich zielgerichtet ein machtvolles und geordnetes Herrschaftsgebiet. Er war das einzige nichtstädtische Mitglied der Hanse.

Nach 1525 konzentrierte sich der Deutsche Orden auf seine Besitzungen im Deutschen Reich. Da er über kein geschlossenes Territorium verfügte, sondern über stark zerstreuten Splitterbesitz, entwickelte man ein dreistufiges Verwaltungssystem:

Ein Herrschaftsbezirk wurde zu einer Kommende zusammengefasst und unterstand einem Komtur. Mehrere Kommenden bildeten eine Ballei.

Seit der Reformation war der Orden trikonfessionell, so dass es katholische, lutherische und reformierte Balleien gab.

Zum ältesten Besitz in Franken zählt die Kommende Nürnberg. 1209 schenkte König Otto IV. die im Königshof gelegene Jakobskirche dem Ritterorden. 1216 übertrug ihm Friedrich II. auch die Margarethenkapelle in der Burg. Frühe Güterkäufe zeugen laut Stadtarchivar Michael Diefenbacher von der Finanzkraft dieser Kommende, zumal weltliche und geistliche Gönner sie reich mit Schenkungen ausstatteten. Um 1300 verfügte die Ordensniederlassung über einen reichen Besitz an Mühlen und Grundstücken in und um Nürnberg. Dazu gehörte auch eines der größten damaligen Hospitäler im Reich, das Elisabethhospital, daran erinnert noch der Name Spittlertor.

Nach der verheerenden Niederlage des Deutschen Ordens im masurischen Tannenberg (1410) musste ein Großteil des Besitzes in der Stadt veräußert werden. Dem Orden verblieben lediglich Spital, Komturei und Jakobskirche. Gleichzeitig wuchs der Ballei in Ellingen Einfluss zu. Nach Einführung der Reformation musste die Jakobskirche evangelischen Predigern geöffnet werden. Katholische Messen wurden fürderhin in der St. Elisabeth-Kapelle gefeiert. Immerhin war es dem Orden gelungen, den alten Glauben im protestantischen Nürnberg zu bewahren. Mitte des 18. Jahrhunderts begann man sogar eine Elisabethkirche zu bauen. Sie stand noch im Rohbau, als 1806 die Stadt dem Königreich Bayern einverleibt wurde. Es war das Jahr, als die letzten Ordensmitglieder die Stadt verließen.

Ende der 90er Jahre war der Orden wegen Missmanagements und Verschwendung öffentlicher Gelder in die Schlagzeilen geraten. Aktuell hat der Orden etwa 1000 Mitglieder. Davon rund 100 Priester, 200 Schwestern und 700 Familiaren (darunter auch Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber). Während die Priester, organisiert in fünf Provinzen, vornehmlich in der Pfarrseelsorge tätig sind, widmen sich die Schwestern der Krankenpflege. ki

Quellen: Wikipedia, M. Diefenbacher: Der Deutsche Orden in Bayern 

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