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Doch die coole Nummer mit der selbstgenügsamen Virilität kollabiert in dem Moment, als er Irene (Carey Mulligan) und ihren kleinen Sohn kennenlernt. Ein Blickwechsel später, und der distanzierte Einzelgänger, der sich bisher aus allen Gefühligkeiten herausgehalten hat, ist mitten in der gesichtslosesten Stadt der Welt, L.A,, bereit, seinen Einsamkeitspanzer endlich zu verlassen. Für Irene lässt er sich sogar auf einen dubiosen Deal ein, der eigentlich für deren Sicherheit sorgen soll, am Ende jedoch alle in tödliche Gefahr bringt.
„Drive“, vom dänischen Hollywood-Regisseur Nicolas Winding Refn, ist mit seinem Loner-Helden und seiner Hard-boiled-Handlung ein typischer Neo-Noir-Thriller, und doch bringt er Abwechslung ins zuletzt allzu routinierte Thrillergenre. Dafür sorgt vor allem die zugegeben etwas wilde Mischung aus Schwarze-Serie-Atmo, Steve-McQueen-Posen und 80er-Jahre Ästhetik: vom „Miami-Vice“-artigen Neonpink der Vorspann-Titel bis zum Retro-Soundtrack im Stil von Giorgio Moroder und New Wave.
Trotz mancher Künstlichkeiten erzeugt Refn so einen atmosphärischen Effekt, der vor allem der Liebesgeschichte zugute kommt. Eingebettet in einen Kokon aus großstadtgesättigter Einsamkeit wirkt sie umso intensiver. Da spielt es auch keine große Rolle, dass sich gelegentlich stilistische Angestrengtheiten einschleichen und man Hollywood-Aufsteiger Ryan Gosling seine „Zahnstocher-im-Mundwinkel“-Coolness nicht immer ganz abnimmt.
Das Licht des Films, vor allem ein immer wieder aufglühendes, dabei kalt wirkendes California-Orange, macht alles wieder wett. Gut möglich, dass hier ein Kultfilm geboren wurde. (CINECITTA; Erlangen: CINESTAR)
Fr. 16.03.12
So. 19.02.12