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Zur schönen Schnitterin“ heißt auch der Traditionsgasthof im Ort. Rein theoretisch könnten wir einkehren, denn nur montags ist Ruhetag. Praktisch zügeln wir uns. Zuerst werden wir die vier Kilometer bis nach Vierzehnheiligen wandern!
Am Wanderparkplatz, der erschreckend voll ist, laufen wir links wie ausgewiesen. Der landwirtschaftliche Nutzweg steigt leicht an. Er schlängelt sich durch Wiesen und Felder, dahinter ist Wald. Komisch: Wir sind fast allein auf weiter Flur. Wir passieren zwei Weggabelungen und halten uns wie ausgewiesen erst rechts, dann links. Ohne große Anstrengung erreichen wir die – an diesem Herbsttag wunderbar sonnige – Hochebene. Auf dem Schotterweg spazieren wir zwei Kilometer geradeaus.
Wir bewegen uns auf einer der beliebtesten Wanderouten im Obermaintal – die landschaftlichen Eindrücke sind prächtig. Wenn sich der Weg erneut gabelt, tauchen wir nach links in den schattigen Wald ein. Achtung: An dieser Stelle, aber wirklich nur hier, ist der Wegweiser leicht zu übersehen. Auch an der nächsten Gabelung halten wir uns links. Hier beginnt der sogenannte Stichweg nach Vierzehnheiligen. Noch einen Kilometer bis zum Zwischenziel!
Der Blick tief hinab ins Maintal und hinüber zum 539 Meter hohen, markanten Staffelberg ist kaum zu überbieten. Dort, wo der Weg stark abfällt und sehr steinig wird, ist spätestens Schluss mit der Schwärmerei. Jetzt müssen wir uns auf unsere Füße konzentrieren. Der Abstieg dauert aber nicht lange. Nach wenigen Minuten wird es wieder eben. Binnen weiterer Minuten erreichen wir den viel besuchten Wallfahrtsort am Jakobsweg.
Einst besaßen Zisterzienser des Klosters Langheim bei Lichtenfels hier den Hof Frankenthal. 1445 sollen dem Schäfer Hermann Leicht die 14 Nothelfer erschienen sein. Der Ort wurde bald durch Wunderberichte bekannt. 1448 weihte man die erste Kapelle. Nun reckt sich ein aus goldgelbem Sandstein erbautes Gotteshaus, 1772 geweiht, gen Himmel. Es gilt als künstlerisch gelungenster Sakralbau des Barock. Die Pläne entwarf Balthasar Neumann, einer der größten Baumeister Europas. Farbe und Licht verschmelzen im Innern der Basilika zu einer Symphonie.
Fürs leibliche Wohl wird draußen gesorgt. Da ist die Brauerei Trunk, an der man zwangsläufig auf dem Weg zur Basilika vorbei muss. In der alten Klosterbrauerei werden seit 1803 die Vierzehnheiligen-Biere gebraut. Wir testen den dunklen „Nothelfer- Trunk“ (den halben Liter für 2,10 Euro) und empfehlen ihn gern weiter. Zu essen gibt es nur Kleinigkeiten.
Anders beim „Gasthof Goldener Hirsch“, der sich zudem noch rühmen kann, seit 1458 zu existieren. Das Ganze komplettiert der Gasthof „Goldener Stern“, dessen Wirt für Schäufele, Kloß und Sauerkraut für 8,90 Euro wirbt. Ruhetage gibt es in allen drei Wirtschaften nicht. Genug! Uns zieht es zurück zum Romansthaler Wanderparkplatz, weil wir ja noch den Staffelberg „stürmen“ möchten.
Gleich hinterm „Goldenen Stern“ links geht es viele Stufen hinab. Die Treppe führt durch Wald mit vielen alten Buchen. Wenn die ersten Häuser von Wolfsdorf zu sehen sind, verlassen wir die Asphaltstraße und halten uns wie ausgeschildert links. Bevor wir in den Wald laufen, gönnen wir uns noch einen Blick zurück auf Vierzehnheiligen. Die folgende Strecke von etwa einer Stunde Dauer lässt uns wegen der Steigung ins Schnaufen kommen, aber was für ein überwältigendes Panorama! In der Ferne erkennen wir sogar die Feste Coburg.
Wie gehabt überqueren wir den bereits bekannten Wanderparkplatz, nur diesmal biegen rechts ab. Bloß ein Kilometer trennt uns vom akropolisartigen Gipfelplateau des Staffelberges, dessen Hänge in drei Stufen (sprich Staffeln – daher auch der Name) mit verschieden harten Steinschichten ansteigen. Es geht steil bergan. Trotzdem sind Heerscharen unterwegs. Anders gesagt: Der Staffelberg ist kein Geheimtipp. Wie auch? Der „heilige Berg der Franken“ ist Oberfrankens bedeutendstes Bodendenkmal.
In exponierter Lage siedelten schon vor über 5000 Jahren jungsteinzeitliche Bauern. Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus wurde der Berg von den Kelten systematisch zu einer großen Höhensiedlung ausgebaut. Im letzten vorchristlichen Jahrhundert stand auf dem drei Hektar großen Hochplateau eine Burg und auf dem unteren Plateau (49 ha) befand sich das einzige Oppidum Oberfrankens. Eine Stadt also, die von einer 2800 Meter langen Mauer mit drei Toren umschlossen und in der sogar Geld geprägt wurde.
Dann tauchten die Germanen auf. Um 400 nach Christus bauten auch sie eine starke Burg, aber danach ging es droben abwärts. Heute finden wir nur noch die Adelgundiskapelle (nach der Zerstörung in den Bauernkriegen
zwischen 1651 und 1654 neu errichtet). Rundum hat die benachbarte Staffelbergklause (dienstags Ruhetag) jede Menge Biergarnituren platziert. Idyllischer lässt sich nicht essen und trinken. Wir laben uns trotzdem lieber am grandiosen Ausblick. Die Welt liegt uns zu Füßen. Wir sichten das Fichtelgebirge, den Thüringer Wald, den Frankenwald sowie die Rhön. Irgendwann müssen wir uns aber auf den Rückweg machen.
Anfahrt:
Mit dem Auto: A73, Ausfahrt Bad Staffelstein, dann Verbindungsstraße nach Romansthal.
Mit der Bahn: ICE-Bahnhöfe Bamberg und Lichtenfels, dann Regionalverbindung oder direkt mit dem Regionalexpress bis Bad Staffelstein. Danach vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße bis zum Rathaus gehen, vorbei am Marktplatz, durch den Kasternhof über den Treppenaufgang zur Victor-von-Scheffelstraße und weiter bis zum Friedhof. Der Verbindungsstraße nach Romansthal folgen. Nach dem Aussiedlerhof führt ein Flurbereinigungsweg nach rechts hoch. Man erreicht den Waldrand unterhalb vom Staffelberg. Durch das kleine Waldstück kommt man nach links abbiegend zum Wanderparkplatz.
Tipp: Normales Schuhwerk ist ausreichend.
Extra-Tipp: Kirchenführungen in der Basilika Vierzehnheiligen immer dienstags um 14 Uhr.
