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Schöne Ferientage im Doppelpack

Abenteuer: Allein mit Kind auf Reisen - 23.06.2012

Kärnten  - Das Fernweh ist da, der Körper ruft nach einer Auszeit. Aber was tun, wenn der Partner und auch sonst niemand Zeit für einen gemeinsamen Urlaub hat? Eine Single-Reise mit Kind muss keine Notlösung sein. Wir haben es ausprobiert.

Hand in Hand auf ungewohnten Wegen: Sommerfrische einmal zu zweit – ohne den Rest der Familie, der zuhause bleiben muss.
Hand in Hand auf ungewohnten Wegen: Sommerfrische einmal zu zweit – ohne den Rest der Familie, der zuhause bleiben muss.
Hand in Hand auf ungewohnten Wegen: Sommerfrische einmal zu zweit – ohne den Rest der Familie, der zuhause bleiben muss.
Hand in Hand auf ungewohnten Wegen: Sommerfrische einmal zu zweit – ohne den Rest der Familie, der zuhause bleiben muss.

Es soll ein kleines Abenteuer werden. Ganz allein sein. Urlaub, der nur uns beiden gehört. Zeit, in der nur wir das Tempo bestimmen. Zweisamkeit, die so einmalig ist, weil wir Mutter und Kind sind und dabei doch eins. Wunderbar und fantastisch, sonnenreich und wolkenlos. So viel zur Theorie, zum Wunschdenken unseres Vorhabens.


Zwischen Schnorchel und Kosmetiktaschen: Die Koffer sind für das kleine Abenteuer von Mutter und Kind gepackt.
Zwischen Schnorchel und Kosmetiktaschen: Die Koffer sind für das kleine Abenteuer von Mutter und Kind gepackt.
Foto: privat
Zwischen Schnorchel und Kosmetiktaschen: Die Koffer sind für das kleine Abenteuer von Mutter und Kind gepackt.
Zwischen Schnorchel und Kosmetiktaschen: Die Koffer sind für das kleine Abenteuer von Mutter und Kind gepackt.
Foto: privat

Vier Tage Mama-Sohn-Urlaub liegen vor uns. Und wir freuen uns darauf. Mein Fünfjähriger auf Planschen ohne Ende im Pool oder im hauseigenen Schwimmbad und auf andere Kinder. Ich freue mich darauf, mich wieder einmal auf ihn konzentrieren zu können – ohne den Alltag in einer vierköpfigen Familie, ohne Arbeit und Kita. Ich freue mich auf gemeinsame Ausflüge und aufs Wandern — und auf ein paar Momente für mich.

Die Chancen auf all das stehen nicht schlecht. Das Hotel, das wir in Kärnten gebucht haben, ist ganz auf Familien ausgerichtet. Dennoch habe ich Bauchgrimmen – nicht zuletzt wegen des kleinen Töchterchens, welches bei Papa bleiben soll. „Klar, mach das doch“, hatte mich mein Mann in meinen Plan eines Mama-Sohn-Urlaubs bestärkt. „Nur ihr beide. Das tut euch bestimmt gut.“ Andere waren nur überrascht. Urlaub mit dem Mann, dem Freund, der besten Freundin oder gleich einem ganzen Pulk von Müttern? Da fragt keiner nach dem Grund. Aber alleine mit dem Kind, während der Rest der Familie zuhause bleibt? Ungewöhnlich, ja – vor allem aber spannend.


Wir sind euphorisch bei der Abfahrt. „Lass uns bitte keine Pause machen“, sagt mein kleiner Großer auf der Rückbank gleich nach zehn Minuten. Er will eben ganz schnell in den Pool. Nach München braucht er dann aber doch eine Pause. Nach knapp sechs Stunden Fahrt und überraschenderweise ohne jedes Gequengel sind wir schließlich an unserem Ziel angelangt. Dort wartet statt des mediterranen Klimas, für das Kärnten auch bekannt ist, der erste Reinfall: Regen. Regen ohne Ende. Regen wie aus Kübeln trifft es wohl am besten. „Na, das fängt ja gut an“, maule ich, während ich unsere gefühlten zwanzig Taschen selbst aus dem Kofferraum bugsieren muss, während mein Kleiner mit dem Regenschirm in der Hand herumspringt und das doch „echt egal“ findet.

Kinder sind eben doch viel unkomplizierter. Also genügt auch das Planschbecken im Haus – und keine fünf Minuten später hat mein Kleiner einen neuen Freund. Die erste Hürde ist genommen. „Alles ist gut“, denke ich mir, als ich den beiden zusehe. Ich brauche, will ja keinen Anschluss, aber mein Kind braucht Kinder. Und so ist es dann auch für den Rest des Nachmittags.

Doch meine Freude ist verfrüht, denn kaum im Zimmer wird der coole Wasserspringer zum heulenden Elend, der zu Papi will. Und überhaupt, „alle haben ihren Papa dabei, nur ich sitze mit der Mama da“, rotzt er mir in die Schulter. Na vielen Dank, denke ich mir und tröste ihn mit all den „tollen Kindern“, die auf ihn warten und den Ausflügen, die ich mir ausgedacht habe. Nützen tut das freilich alles zunächst nichts. Dafür ist der Jammer über das ungewohnte Fehlen des Rests der Familie wohl einfach zu groß. Nur die Neugierde auf all das Unbekannte im Hotel und vor allem Hunger lässt uns dann doch noch mit geputzter Nase und getrockneten Tränen nach unten gehen.

Und da sitzt sie dann. Meine Rettung. Der Kleine aus dem Schwimmbad sitzt am Nachbartisch – alleine mit seiner Mutter. „Schau mal, da ist auch kein Papa“, flüstert mein Kleiner aufgeregt mir zu, als er die Lage sondiert hat. Mein Kind ist beruhigt und hat wieder Lust auf unser Abenteuer. Es ist eben alles Neuland. Die Umgebung — und für ihn vor allem die Familienkonstellation auf Zeit.

Die scheint die Gäste um uns herum nicht besonders zu interessieren. Zumindest lassen sie es sich nicht anmerken. Ich werde nicht verstohlen aus den Augenwinkeln beobachtet oder gar angeglotzt, weil ich an dem schön gedeckten Tisch alleine mit einem Fünfjährigen sitze — ohne Mann. Während um mich herum nur „vollständige“ Familien speisen — freilich abgesehen von der Mutter am Nachbartisch —. die versuchen, den Nachwuchs zwischen drittem und viertem Gang in Schach zu halten. Ein wenig sehnsüchtig denke ich an die Kleine zuhause, die gerade von Papi das komplette Verwöhnprogramm genießt, und bin dennoch froh, dass ich mich jetzt nicht darum kümmern muss, ob mir eine kleine Hand die Nudelsoße an den Ärmel schmiert.

Hier stört sich keiner am Quengeln am Nachbartisch oder daran, wenn Fünfjährige durchs Restaurant flitzen. Schließlich sind wir in einem Familienhotel gelandet. Ausgegrenzt fühle ich mich als Single-Mama auf Zeit in dieser schein-

bar heilen Familienwelt nicht. Ich fühle mich wohl und komme am Ende sogar in den Genuss eines gemütlichen Desserts, weil sich mein Kind nach einem eiligen Hauptgang mit seinem neuen Freund in den Kinderclub verabschiedet. Ungewohnt alleine sitze ich da — und genieße die Stille am Tisch.

Dieser Abend soll symptomatisch für den nächsten Tag werden. Denn mein Kind hat kaum

Zeit für mich. Ständig hat es etwas anderes vor. Ziegen füttern, Ketten fädeln, Ponyreiten und natürlich mit den neuen Freunden spielen. Ich bin nur gefragt, wenn es ums Schwimmen geht. Da darf ich dann doch ran. Unseren Mama-Sohn-Urlaub hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt. Mit Wandern, Ausflügen an den nahen See oder rauf auf die Alm — und vor allem viel Zeit füreinander.

Stattdessen sitze ich da, lese und warte auf meinen Sohn, der bockig wird, als ich schließlich auf einem gemeinsamen Ausflug bestehe. „Mama, nun beschäftige dich doch alleine, ich hab jetzt wirklich keine Zeit für dich“, sagt er mit meinen Worten. So fühlt sich das also an. Ich halte den Mund und versuche mich selbst zu beschäftigen und ihm seine Ferien zu gönnen.

„Freu dich doch über diese Auszeit und genieß sie vor allem. Sei froh, dass er sich so wohl fühlt“, sagt mein Mann am Telefon, als ich ihm ins Handy winsele, dass ich „total abgeschrieben“ bin. Freilich hat er

Recht. Kinder brauchen nun mal andere Kinder. Wären sie nicht da, dann könnte ich meinen Kleinen hier keinen Tag halten und wir müssten unsere Zelte sofort wieder abbrechen.

Langsam verstehe ich das Single-mit Kind-Reise-Prinzip. Kinder fürs Kind, Ruhe für Mama, plus gemeinsame Unternehmungen. Fertig sind schöne Ferien im Doppelpack. Und das werden sie am Ende auch wirklich. Inklusive Ausflügen an den nahen See mit Eis essen und „Schiffe-gucken“, mit Suchen nach Granaten in einem alten Bergstollen und doch einer ganzer Menge schöner und inniger Momente in Zweisamkeit. Glücklich ist mein Sohn dennoch freilich besonders, wenn er mit seinen Freunden spielen kann und bis spät abends aufbleiben darf und wir noch eine Runde Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielen.

Unser Urlaub fühlt sich richtig an —auch, wenn mal die Fetzen fliegen. Am Ende sind wir eben Mutter und Kind mit den üblichen Konflikten — egal, ob nun zuhause oder im Urlaub. Und für den bekomme ich auf der Heimfahrt schließlich das schönste Kompliment. „Urlaub mit dir ist echt schön, Mama“, sagt mein Sohn, lutscht den zweiten Lolly des Tages und ich glaube es ihm. „Aber jetzt freue ich mich auch wieder auf meinen Papa und meine Schwester“, sagte er und schmatzt ein „Du dich nicht?“hinterher. Natürlich freue ich mich auf die beiden, denke ich mir. Und wie!
  

Irini Paul


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