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So eine bekommt doch nie eine Hauptrolle: Schauspiel-Novizin Josephine (Stine Fischer Christensen) ist ein verhuschtes und introvertiertes Mauerblümchen. „Man sieht dich einfach nicht“, lautet das wenig schmeichelhafte Urteil über ihre Bühnenpräsenz. Doch in ihren eigenen vier Wänden ist Josephine ganz anders. Wenn sie allein vor ihrer geistig behinderten Schwester auftritt, wird sie zur echten Rampensau.
Der exaltierte Theaterregisseur Friedmann (Ulrich Noethen) scheint hinter die fade Fassade blicken zu können. Zumindest gibt er der jungen Frau die Hauptrolle in seinem neuen Stück „Camille“. Die Titelfigur ist ein extrovertierter und promiskuitiver Charakter, also völlig konträr zu Josephines Persönlichkeit. Doch die Schauspielerin findet nach kurzem Bedenken Gefallen an ihrer Rolle. Und zwar mehr als unbedingt nötig. Wie Camille bricht sie auf zum großen Männer-Aufreißen und zitiert dabei Sätze aus ihrem Text. Bald verschwimmen die Grenzen zwischen Bühnenrolle und realem Leben.
Der 33-jährige Regisseur Christian Schwochow („Novemberkind“) schuf ein atmosphärisch stimmiges Drama. Und wer hier an Darren Aronofskys Ballerinen-Film „Black Swan“ denkt, liegt sicher nicht falsch. Bei „Die Unsichtbare“ entwickelt sich der
Horror jedoch eher in den Details. Dunkle Mystik bleibt gänzlich außen vor.
Treibende Kraft bei Josephines Persönlichkeitswandel ist der Theatermann, den Ulrich Noethen als großen Verführer anlegt. Ob er bewusst ein Monster schaffen will, bleibt weitgehend unklar. Stine Fischer Christensen macht jedenfalls eine wirklich gute Figur. Ihr glaubt man durchaus die Seelenpein.
Manchmal trägt Regisseur Schwochow etwas zu dick auf. So langweilt der Konflikt zwischen Josephine und ihrer Single-Mutter ziemlich. Außerdem hätten es etwas weniger Theater-Klischees auch getan.
Trotzdem ist „Die Unsichtbare“ packendes Kino für Arthaus-Fans. Gut gespielt und schonungslos, ein Thriller, bei dem die Selbstzerstörung der Hauptfigur ungewöhnlich weit getrieben wird... (MEISENGEIGE)
