Irgendwann nervte das Nesthäkchen auf der Rückbank mit der Frage: „Was geht schneller, bald oder gleich?“ Aber war das ein Wunder? Schließlich bekam die Kleine auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Ankunft am Reiseziel die sich stets abwechselnden Antworten: „bald“ und „gleich“. Nicht nur deshalb war die Autofahrt von Nürnberg in die südlichste Ecke der griechischen Peloponnes einst für alle Beteiligten eine Tortur. Vier Tage bei brütender Hitze im Auto — hindurch durch das ehemalige Jugoslawien, bei langen Staus und gähnender Langweile gleich zu Beginn der großen Ferien.
Wir Deutschen verreisen aber nun mal noch immer am liebsten mit dem Auto. Auch wenn wir nicht gleich tagelang dafür im Wagen sitzen. Laut ADAC-Reisemonitor wollen mit 54,7 Prozent über die Hälfte der Befragten auch in diesem Jahr mit dem Pkw verreisen. Doch Autofahrten können für Kinder und Eltern zur Zerreißprobe und zum unschönen Start in den Urlaub werden. Dabei sind weitere Autofahrten durchaus auch mit sehr kleinen Kindern möglich — vorausgesetzt man vergisst nicht, dass das Reisen mit Kindern anderen Regeln folgt.
Kinder einfach ins Auto zu setzen und zu hoffen, dass sie nun die nächsten Stunden schlafen oder einfach stillhalten, ist die denkbar schlechteste Lösung. Am besten, man bezieht sie bereits im Vorfeld in die Planung der nächsten Tage und Wochen mit ein und macht sie dabei auch darauf aufmerksam, dass es nun mal länger dauern kann, bis man etwa an dem tollen Kinder-Swimmingpool ist oder am Strand eine Sandburg bauen kann. Auch gemeinsame Ausflüge lassen sich im Vorfeld besprechen, im Auto dann wiederholen und gedanklich ausbauen. Das funktioniert bereits mit Dreijährigen und erhöht derenVorfreude.
Sollen wir nachts losfahren oder möglichst früh am Morgen? Gerade bei kleinen Kindern ist es hilfreich, sich an ihrem Schlafrhythmus zu orientieren, wenn es um den Zeitpunkt der Abfahrt geht. Andernfalls ist das Quengeln auf der Fahrt schon programmiert.
Am besten fährt man natürlich nicht dann los, wenn auch alle anderen starten. Statt Freitag oder Samstag empfiehlt sich der Dienstag, denn an diesem Tag ist in der Urlaubszeit am wenigstens auf den Autobahnen los. Wer dennoch in den Stau gerät, dem können zuweilen Gelbe Engel gute Dienste leisten — dann, wenn nichts mehr geht.
Die ADAC Stauberater in Nordbayern geben Tipps über geeignete Umfahrungsstrecken und haben sogar Spielzeug und Erfrischungen für die Kinder im Gepäck. Die zehn nordbayerischen Stauberater sind in der Regel in den Sommerferien — insbesondere am Freitag und Samstag — mit ihren Motorrädern im Einsatz (übrigens ehrenamtlich).
Langeweile ist neben Reiseübelkeit der größte Feind einer entspannten Autofahrt. Die Zeit will dabei einfach nicht vergehen. Deshalb dürfen Spiele und Bücher für die Fahrt nicht fehlen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn es dem Nachwuchs schnell schlecht wird. Dann ist der Blick nach unten eher ungünstig und kann unangenehme Folgen haben. Bereits für Jüngere bieten sich Spiele an, für die man nichts außer Phantasie braucht. „Ich sehe was, was du nichts siehst“, „Ich packe meinen Koffer“ oder Autos mit bestimmten Farben zählen sind kurzweilige Beschäftigungen, die ein wenig ablenken. Ein schöner Klassiker für Kinder, die bereits lesen können: Nummerschilder raten! CDs mit Liedern für die Kleinen, Hörbücher für die Großen und ein wenig Radio für alle bringt zudem Abwechslung ins Auto.
Experten raten zu regelmäßigen Pausen. Alle zwei Stunden sollten Kinder die Möglichkeit haben, sich die Beine zu vertreten und ein bisschen Spielen zu können. Bei längeren Fahrten kann man durchaus auch einen kleinen Abstecher in ein Schwimmbad oder an einen Seee mit einplanen. Die meisten Raststätten in Deutschland haben Spielmöglichkeiten — auch wenn deren Niveau recht unterschiedlich ist. Europas bester Rastplatz wurde im ADAC-Test 2008 übrigens der Autohof in Burghaslach an der A3. Er hat nicht nur einen großen Spielplatz, sondern er bietet eine große Auswahl an gutem Essen und ist sehr sauber. (Infos zu Raststätten mit Spielplätzen unter anderem unter www.tank.rast.de)
Kleine Knabbereien machen nicht nur satt, sondern sorgen auch ein wenig für Wohlbefinden. Schwere oder fette Speisen sollte man vermeiden und lieber viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen. Rohkost und Obst sind neben leichten Keksen ein leckeres Speisenangebot. Schnitzel mit Pommes enthalten viel Fett und liegen schwer im Magen. Am besten man bestückt die gute alte Kühltasche mit geeigneten Köstlichkeiten, aber auch viele Raststätten haben inzwischen auch leichte Kost im Programm.
Kleine Kinder sollte man nicht während der Fahrt füttern, da sie sich beim Bremsen verschlucken oder verletzen können. Darüber hinaus sollten natürlich alle an Bord viel trinken. Auch wenn man daraufhin mit Sicherheit zu hören bekommt: „Ich muss mal.“
Manchmal kann man nicht einfach schnell anhalten. Ist dem Kind schlecht und kein Rastplatz in Sicht, so sollte man dem kleinen Patienten einen weit entfernten, festen Punkt zum Anvisieren zeigen — am besten durch die Frontscheibe.
Alleine auf der Rückbank kann es ganz schön trist werden. Es empfiehlt sich also, sich ab und zu auch zum Nachwuchs nach hinten zu setzen. Für das Wohlbefinden sorgen auch Kuscheltiere, auch ein Sonnenschutz an Heck- und Seitenfenstern ist für die Kinder wichtig.
Manchmal helfen auch die besten Tipps nichts. Wenn der Stresspegel zu sehr zu steigen droht, dann einfach einen Gang zurückschalten — vielleicht mit einer zusätzlichen Pause oder bei längeren Strecken gar der Entscheidung, eine Zwischenübernachtung einzuschieben. Das mindert nicht nur den Frust, sondern erhöht letztlich auch die Sicherheit auf der Fahrt. Schließlich ist Stress ein schlechter Co-Pilot und wirklich kein schönes Intro für einen schönen Familienurlaub.
