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am 28. Oktober mit Prominenten und anderen geladenen Gästen. Natürlich nicht im Altstadthof, denn die „Pfütze“ hat längst ein neues Domizil beim Rathenauplatz. Das Programm besteht aus einem „theatralischen Menü in 25 Gängen“, wobei die Gastgeber einräumen, dass nur fünf davon essbar sind.
Einer, der die Gala-Besucher mit besonders leuchtenden Augen und strahlendem Lächeln begrüßen wird, ist Jürgen Decke von der künstlerischen Leitung, der auch zu den Gründern des Theaters gehört. Legendär ist jedoch Deckes Auftritt mit dem „Theater Völlich Daneben“, wo er den Kandidaten einer Quizsendung spielte, der die verschiedenen Arten des fränkischen Presssacks am Aufschlag auf den Hinterkopf erkennen kann.
Nach 1990 musste sich der Darsteller aber für eine „Baustelle“ entscheiden und beschloss, das Kabarett zu verlassen und sich voll der „Pfütze“ zu widmen: Deren Wurzeln liegen in der Theaterwissenschaft der Uni Erlangen-Nürnberg, Motor des Unternehmens war zunächst Christian Schidlowski, der dann nach zehn Jahren als Regisseur eigene Wege ging.
„Ende der 80er Jahre war es in Nürnberg gar nicht so einfach, Auftrittsorte zu finden“, erinnert sich Decke, „so dass wir anfangs viel bundesweit unterwegs waren oder in Schulen spielten“. Eine der ersten Anschaffungen sei daher ein Bus gewesen: „Mit dem haben wir viel Abenteuerliches erlebt.“ Aber an eine professionelle Karriere habe zunächst
keiner aus dem Gründungs-Quintett gedacht, es sei mehr um eine praktische Umsetzung des Hochschul-Studiums gegangen.
Indessen stabilisierte sich die Truppe rasch, wurde professioneller, kleine Zuschüsse aus öffentlichen Kassen halfen beim Überleben – ähnlich wie man bei den Auftrittsorten, etwa der Tafelhalle, auf kommunale Unterstützung angewiesen war. Die „Pfütze“ hatte auch schon früh ihr soziokulturelles Profil entwickelt: „Wir wollten die Kraft der Fantasie stärken und sie als Mittel, sein Leben zu bewältigen, fördern“, erklärt Decke, „wir wollten kein illustrierendes Ausstattungstheater machen, sondern das Vorstellungsvermögen der Zuschauer entzünden“.
Waren dabei Kinder die alleinige Zielgruppe? „Wir behaupten, dass unsere Theaterform in den meisten Inszenierungen auch Erwachsene anspricht“, betont der künstlerische Leiter. Man könne die Aufführungen genauso gut ohne „Alibi-Kind“ besuchen, das Ensemble biete daher dieselben Stücke auch immer wieder abends an.
25000 bis 26000 Zuschauer erreicht die „Pfütze“ jährlich mit ihren eigenen Produktionen. Der Saal am Äußeren Laufer Platz wird jedoch ebenfalls von anderen Ensembles genutzt. Sogar das Staatstheater zeigte dort seine Kinderoper.
Bis hierher war es jedoch ein langer, steiniger Weg mit Existenznöten und immer wieder wechselnden Spielstätten. Zeitweise agierten Decke und seine Kollegen im Kulturtreff Bleiweiß (mittlerweile Kultur- und Bildungszentrum Südpunkt). Dann kam die Zwischennutzung der Landesgewerbeanstalt – bevor dort das Cinecittà entstand. Eine leer stehende Halle wurde um das Jahr 1990 mit dem Theater Mummpitz geteilt. „Wir konnten dort den Beweis erbringen, dass ein bestimmter Spielort, wenn man ihn erst einmal hat, sich in Nürnberg auch durchsetzt“, erinnert sich Decke.
Aber es war eben nur eine Zwischennutzung. Irgendwann standen die Künstler wieder auf der Straße. „Das Planetarium hat uns dann das Leben gerettet“, erzählt Decke, „wir spieltem dort mit großem Erfolg den ,Kleinen Prinzen‘, in einem Winterhalbjahr kamen 30000 Besucher“. Herman van Veen habe dafür eigens einen Song eingespielt – „der ist auf keiner CD zu hören“.
Etwas länger konnte die „Pfütze“ in ihrer „Pyramide“ in der Reutersbrunnenstraße bleiben. Leider wurde das Zelt zweimal zerstört. Die nächste Anschrift – nachdem das Theater erneut trotz regen Publikumszuspruchs vor dem Aus stand – lautete dann Obere Kanalstraße. Auf die Dauer jedoch konnte der Besitzer der Immobilie, Gerd Schmelzer, die baufälligen Hallen nicht zur Verfügung stellen. Aber er sorgte, mit einer Millionen-Investition, für einen höchst großzügigen Ersatz in den Sebalder Höfen, den „großen Wurf“, wie Decke es nennt: „Gerd Schmelzer hatte erstens die Kühnheit, an dieser Stelle ein Kindertheater einzurichten, und zweitens kommt er uns seitdem mit einer günstigen Miete entgegen.“ Außerdem engagierten sich die Zukunftsstiftung der Nürnberger Sparkasse und die Mäzenin Henriette Schmidt-Burckhardt (Lebkuchen), um das seltene Ereignis eines privaten Theaterneubaus zu realisieren.
Bleibt noch der laufende Betrieb, den kaum eine Bühne in Deutschland aus eigenen Einnahmen bestreiten kann. Die rund 320000 Euro Unterstützung, welche die „Pfütze“ jährlich von der Stadt Nürnberg, dem Freistaat und dem Bezirk bekommt, mögen beachtlich klingen, sind aber gering im Vergleich zu den Millionen-Zuschüssen, die in anderen Städten für vergleichbare Kinder- und Jugendtheater fließen.
„Man muss ja auch bedenken, dass wir ein Arbeitgeber sind“, erläutert Decke, „es sind ständig 15 Personen bei uns beschäftigt“. Bundesweit liege der Durchschnittswert der Subvention pro Zuschauer bei 136 Euro, die „Pfütze“ bekomme zwölf Euro Pro-Kopf-Zuschuss. Auf der anderen Seite kann die Bühne als Familientheater nur bescheidene Eintrittspreise verlangen.
In die Freude über das 25-jährige Bestehen fällt also ein dicker Wermutstropfen – die sich verschärfende Unterfinanzierung. In gewisser Weise stellt dies eine Erblast der Vergangenheit dar: Die „Pfütze“ kommt aus der soziokulturellen Ecke, wo man sich mit viel Improvisation und wenig Geld über Wasser hielt; das Theater ist aber längst ein kultureller Dienstleister mit quasi öffentlichem Versorgungs-Auftrag geworden.
Trotz klammer Finanzen packt das Theater immer wieder ehrgeizige Projekte an und findet dafür Unterstützer: Zuletzt Dagmar Wöhrl und die Emanuel Stiftung für die „jungeMET“. Von dieser innovativen Musiktheater-Form wird man in den nächsten Monaten einiges hören.


