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Ein schillernde Vita, vor allem wenn man bedenkt: Der in Texas geborene und seit 1970 in Nürnberg lebende Extremsportler ist blind.
Am Sonntag besuchte Norris das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne an der Wöhrder Wiese. Dort erzählte er Anekdoten aus seinem Leben als Extremsportler. Flankierend konnten Interessierte ausprobieren, wie es sich anfühlt, eine circa 50 Meter lange Strecke mit verbundenen Augen laufen.
„Als Blinder zu laufen, dafür braucht man ein eingespieltes Team“, erklärt Norris im Vorfeld. An der Spitze läuft der Guide. Der Blinde läuft hinterher, leicht seitlich versetzt, und berührt dabei die Schulter seines Vordermannes. Er muss sich hundertprozentig auf die Menschen vor ihm verlassen können.
„Gerade Erwachsene haben oft Probleme damit“, sagt der 51-Jährige, „sich ohne Wenn und Aber einem anderen anzuvertrauen.“ In der Vergangenheit konnte Norris bereits auf prominente Guides zählen. Joey Kelly gehört dazu, wie auch Extremsportler und Mental-Coach Hubert Schwarz.
„Vom Junkie zum Ironman“ heißt das Buch von Andreas Niedrig. Mit Triathlet Niedrig ist Norris ebenfalls befreundet und teilt mit diesem sogar ein ähnliches Schicksal. Auch Norris war drogenabhängig. In dieser exzessiven Zeit passierte auch der Unfall, der peu à peu zur gänzlichen Erblindung führte. „Ich hatte eine Netzhautablösung und konnte eine Zeit lang noch etwas erkennen.“ 1992 verlor der Mann den letzten Sehrest.
Doch nach seiner Interpretation könnte man seine Erblindung auch als Glücksfall bezeichnen. „Als Sehender kannte ich nicht mal meine eigene Person, als Blinder lerne ich die ganze Welt kennen“, so steht es auf Norris' persönlicher Webseite. Norris betreibt den Ausdauersport seit 2004 professionell. Als Hochleistungssportler stuft sich der gelernte Masseur jedoch nicht ein. Norris bevorzugt den Begriff Erfahrungssportler.
Bei den Teilnahmen an außergewöhnlichen Sportevents gehe es aber schon darum, die ein oder andere Bestmarke zu erreichen. „Blindheit zählt im allgemeinen Sprachgebrauch zwar als Behinderung und laut meinem Ausweis bin ich zu 100 Prozent schwer behindert. Allerdings sehe ich mich vielmehr als „physically challenged“ – ich versuche also hieraus zusätzliche Stärke und Energie zu ziehen“, unterstreicht Norris.
Eine Passion, die ins Geld geht. Doch Not macht erfinderisch. So wurde Norris kürzlich ein Angebot unterbreitet, an den Münchener Kammerspielen ein Projekt mit anderen Sehbehinderten durchzuführen. Während seine Geschichte international auf großes Interesse stößt, ist sein Bekanntheitsgrad in der Region noch ausbaufähig: „Ich will mir nichts vormachen. Wenn ich hier in Franken rumlaufe, das interessiert kaum einen.“
Ein Ironman-Wettbewerb stellt den blinden Athleten vor große Herausforderungen, vor allem beim Schwimmen: „Da geht es eigentlich nur darum, wieder sicher aus dem Wasser zu kommen“, so Norris.
Die nächste Herausforderung befindet sich bereits am Ende der Planungsphase. Ein sogenannter Bike&Run von Jackson, Florida nach Los Angeles, Kalifornien.
Jeder kann ein Stück des Weges mitfahren oder -laufen. Die gesammelten Online-Spenden gehen an eine Stiftung für die amerikanischen Ureinwohner. Für Norris eine Herzensangelegenheit, denn auch er hat indianische Wurzeln: „Für mich ist dieser Bike&Run eine Version des Jakobswegs. Eine Strecke der persönlichen Reinigung.“
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12